Abdussalam Issa ist neuer Hausarzt in Nachrodt

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Abdussalam Issa ist neuer Hausarzt in Nachrodt

 Nachrodt-Wiblingwerde - Ein bisschen Geduld sollten sie mit mir haben“, schmunzelt Abdussalam Issa – und meint seine neuen Patienten. Zeit möchte er sich nehmen für sie. „Rein, raus. Ein Rezept. Das geht nicht“, sagt der 49-Jährige. Der Internist hat die Praxis von Sylvia Becker übernommen. Die Fachärztin für Allgemeinmedizin verlässt die Gemeinde Ende des Monats und freut sich riesig, dass sie mit Abdussalam Issa einen Nachfolger gefunden hat.

 Abdussalam Issa stammt aus Libyen und hat auch in seiner Heimat als Arzt gearbeitet. „2004 bin ich für eine Weiterbildung nach Deutschland gekommen“, erzählt der sympathische Arzt, der neun Monate lang Deutsch am Goetheinstitut gelernt hat. Viel wichtiger und effizienter als der Sprachkurs sei aber der Kontakt zu den Menschen gewesen. Vor allem zu den Patienten.

 Abdussalam Issa hat zuletzt als Oberarzt im St. Vinzenz-Krankenhaus in Altena gearbeitet, zuvor war er – von 2008 bis 2013 – im Klinikum Lüdenscheid tätig. Auch die Lungenklinik in Dorsten und das Josefs Hospital Bochum waren berufliche Stationen. „Ich bringe 17 Jahre Berufserfahrung mit“, erzählt der neue Nachrodter Hausarzt und hofft, dass sich die mögliche anfängliche Skepsis und Zurückhaltung in ein großes Vertrauen wandeln. „Ich freue mich auf meine Arbeit hier.“ 

Tatsächlich erleben die 1300 Patienten, die bislang von Sylvia Becker behandelt wurden, einige Veränderungen an der Kirchstraße. Das Team ist jetzt ein anderes. Beate Seidel als medizinische Fachangestellte hat eine neue Auszubildende an ihrer Seite: Jasemina Simsek ist seit dem 1. Oktober in der Praxis. Dass sie ein Kopftuch trägt, irritiert einige Patienten. Der neue Chef weiß um die Debatte, sieht das Thema „Kleidung“ aber eher gelassen. „Das muss sie selbst entscheiden“, findet der neue Hausarzt, selbst Moslem. Seine Tochter sei 17 Jahre alt und trage kein Kopftuch.

In Libyen sah der Arzt keine Zukunft für seine Familie. Die Lage im Land ist extrem unsicher. Das Auswärtige Amt warnt auch heute noch weiterhin vor Reisen nach Libyen. Deutsche, die sich gegebenenfalls dort noch aufhalten, werden zur sofortigen Ausreise aufgerufen. Es kommt immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen.

 Und so ist Deutschland längst zur Heimat von Abdussalam Issa und seiner Familie geworden. Der Arzt ist verwitwet und wohnt in Lüdenscheid, seit 2014 hat er die deutsche Staatsbürgerschaft. Er hat die Praxis, nicht aber das ganze Haus an der Kirchstraße gekauft. Vor zwei Jahren hatte Abdussalam Issa das erste Mal mit dem Gedanken gespielt, eine Hausarztpraxis zu übernehmen. Aber erst, als er von Sylvia Beckers Suche nach einem Nachfolger hörte, wurden die Pläne konkreter. „Dann habe ich mir alles angeguckt und wir haben zwei Tage lang alles besprochen“, erzählt der neue Hausarzt, der sich sichtlich wohl fühlt in seiner „neuen Rolle“.

Dass er keinen „Funk“ in der Tasche hat, wie immer im Krankenhaus, findet er besonders gut. Und auch die ersten Hausbesuche hat er schon gemacht. „Ich bin eher ein ruhiger Mensch, der seine Arbeit gut machen will“, erzählt Abdussalam Issa. Und natürlich hat er schon Pläne, um die Untersuchungsmöglichkeiten in der Praxis noch mehr zu verbessern. Ab Januar soll es zum Beispiel ein multifunktionelles Ultraschall-Gerät geben. „Das hilft uns bei der Diagnose.“

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