"Man verliert Freunde bei solch einem Engagement"

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Betreibervereinsvorstand Roland Werkmeister, Sabine Karisch und Christian Pohlmann

Nachrodt-Wiblingwerde -  In Kommunen im ganzen Land ist eine Botschaft angekommen: Ohne Schwimmbad geht es nicht. Selbst aus der ehemaligen Polit-Hauptstadt Bonn fragt sich eine Bürgerbad-Initiative derzeit, wie die Nachrodter es schaffen, ihr Gartenhallenbad zu erhalten. Christian Pohlmann, zweiter Vorsitzender des Betreibervereins, hat die Antwort: ,,Weil unsere Vorsitzende Sabine Karisch die Wasserflächen knüppelhart vermarktet!”

 Die vergangenen vier Jahre haben deutlich gezeigt: Es braucht Disziplin und Unternehmergeist, um ein Hallenbad als Bürgerinitiative zu betreiben. Nur so konnten im vergangenen Jahr 255500 Euro eingenommen werden, wie Roland Werkmeister im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Betreibervereins in seinem Kassenbericht darlegte. Herausgekommen ist ein Plus von 20000 Euro - vor Steuern.

,,Wir kommen also nicht nur mit bedeutend weniger Mitteln aus, das Bad zu betreiben, als die Gemeinde, sondern sorgen auch noch dafür, dass wieder Geld in die öffentliche Kasse zurückfließt”, erklärte Sabine Karisch. ,,Wir sind kein politischer Verein, aber wir sind in den höchsten politischen Gremien im Land angekommen mit unserem Engagement.” Ja, es wird allmählich wahrgenommen, dass das finanzielle Defizit des Abwasserwerks noch größer wäre, wenn nicht große Mengen aus dem Bäderbetrieb in das Kanalsystem einfließen würde. Es wird wahrgenommen, dass der Betreiberverein Grundbesitzabgaben zahlt und die sichtbare und unsichtbare Infrastruktur auf dem Grundstück in Schuss hält. Es sind Privatleute, die sich heute in Ganztagsseminaren darum kümmern, dass die politisch gewollte Inklusion im Land umgesetzt werden kann – auch in Institutionen wie dem Gartenhallenbad. ,,Und wir sind auch diejenigen, die den Schulkindern weiterhin ihr Recht auf Schwimmunterricht möglich machen.”

Sabine Karisch ist glücklich darüber, dass so viele Nachrodter Flagge zeigen, ihr Bad erhalten und unterstützen und so auch ein politisches Statement abgeben. ,,Ich würde mich freuen, wenn unser Engagement gar nicht nötig wäre und alle Bundesländer erkennen würden, dass wir hier eine existenziell notwendige Aufgabe erledigen.” Mit Verwunderung hat Sabine Karisch die Diskussion um einen Ehrenamtspreis im Rat wahrgenommen. ,,Ich würde den gar nicht annehmen. Denn was ich tue, müsste eigentlich jede Kommunalverwaltung selbst machen.”

Frustration spricht dennoch nicht aus der ersten Vorsitzenden, wenn sie die vergangenen vier Jahre auch Federn gekostet haben. ,,Man verliert Freunde durch ein solches Engagement, aber man gewinnt auch viele neue.” Sabine Karisch dankt ihren Mitstreitern ausdrücklich für ihr Engagement, das weit über ein übliches Ehrenamt im Verein hinausgeht. Jede frittierte Portion Pommes, jedes gegrillte Bratwürstchen, jedes gezapfte Bier und jeder vergebene Stand beim Hallentrödelmarkt haben es möglich gemacht, dass Investitionen vorgenommen werden konnten, die das Gartenhallenbad zum technisch modernsten im Umkreis gemacht haben.

Das Engagement geht weiter: Am Ostersonntag steigt ab 17 Uhr wieder das Osterfeuer auf dem frisch befestigten Platz hinter dem Bad. Er kann zum Hallentrödel am 8. Oktober auch als Parkfläche miteinbezogen werden. Am 9. Juli steigt das Lenne lebt-Fest und auch beim Weihnachtsmarkt ist das Bad-Team wieder vertreten.

Eng verknüpft sind alle Aktivitäten mit dem Förderverein, der vor dem Betreiberverein Jahreshauptversammlung hielt. Er hat aktuell 150 Mitglieder und im vergangenen Geschäftsjahr allein durch Veranstaltungen 14000 Euro erwirtschaftet. 4300 Euro sind durch Mitgliedsbeiträge reingekommen, 5000 Euro durch Zuwendungen. Gefördert werden vor allem Personalkosten für Übungsleiter und Wasseraufsichten, berichtete Kassierer Jochem Demmer. Auch er und Vorsitzender Hans Wehr sind ehrenamtlich schwer eingebunden in den Baderhalt. ,,Wir sehen uns wöchentlich!”, beschrieben beide ihr Arbeitsverhältnis. So lässt sich das Engagement bezeichnen, denn der Förderverein hat mittlerweile das Umsatzvolumen eines Ein-Mann-Unternehmens. Hans Wehr will es noch zwei Jahre leiten. ,,Aber meine Nachfolge muss jetzt wirklich geregelt werden”, betonte der Senior, der nicht wie einer wirkt.

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