Hauptschulen sollen einer Sekundarschule weichen

Nachrodt-Wiblingwerde und Altena planen eine gemeinsame Sekundarschule anstelle von Haupt- und Realschule.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die Hauptschule am Holensiepen ist ein Auslaufmodell. Sie soll mit Beginn des Schuljahres 2012/13 Schritt für Schritt aufgelöst werden. Das ist ein Ziel der interkommunalen Zusammenarbeit der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde mit der Stadt Altena. An die Stelle der Hauptschule soll eine Sekundarschule treten.

Vertreter der Doppelgemeinde und der Burgstadt stellten am Mittwoch in Altena ihre Pläne für die Verwaltungskooperation vor, die zunächst fünf Bereiche umfassen soll. Der mit den größten Auswirkungen dürfte der schulische Bereich der Sekundarstufe 1 sein, der beiden Kommunen seit Jahren einige Sorgen bereitet. Beide Hauptschulen sind am Existenzminimum und auch die Richard-Schirrmann-Realschule in Altena hat, was die Schülerzahlen betrifft, schon bessere Zeiten erlebt. Alle drei Schulen sollen nun nach den Vorstellungen der Stadtväter aus Altena und Nachrodt-Wiblingwerde zu einer Sekundarschule zusammengefasst werden, die die Jahrgänge 5 bis 10 umfasst. Sie soll ein längeres gemeinsames Lernen der Schüler ermöglichen und gymnasiale Standards im Unterricht beinhalten. Eine eigene gymnasiale Oberstufe hat diese Schulform nicht. Wer das Abitur anstrebt, muss anschließend auf ein Gymnasium wechseln.

Die Sekundarschule, übrigens die erste im Märkischen Kreis, soll bereits ab dem nächsten Schuljahr eingeführt werden, während die beiden anderen Schulformen auslaufen sollen. Dann nehmen die beiden Hauptschulen und die Realschule keine Fünftklässer mehr auf; vielmehr können die Grundschüler dann auf die neue Sekundarschule wechseln, deren Jahrgänge 5 und 6 im Gebäude der Hauptschule am Holensiepen unterrichtet werden sollen. Ab dem Jahrgang 7 findet der Unterricht der Sekundarschule am Standort der Richard-Schirrmann-Realschule in Altena statt.

„Wir wollen die unterschiedlichen Stärken der beiden Schulformen nutzen, um einen Mehrwert für die Schüler zu generieren“, warb Altenas Bürgermeister Dr. Andreas Hollstein am Mittwoch für das neue Schulmodell. Um die Sekundarschule an den Start bringen zu können, werden im ersten Jahrgang jedoch mindestens 75 Schüler benötigt. „Das ist ein ehrgeiziges Ziel“, ist sich Hollstein bewusst, dass diese Zahl nicht selbstverständlich erreicht werden kann.

Deshalb sollen nach den Herbstferien auch die Eltern ausführlich über die Schulpläne der beiden Kommunen informiert werden. Denn sie entscheiden mit darüber, ob die Sekundarschule tatsächlich eingeführt wird. Die Lehrer der betroffenen Schulen sind bereits am Dienstag unterrichtet worden. Sie können frei entscheiden, ob sie ihre Arbeit an der Sekundarschule fortsetzen wollen. Hollstein ist in dieser Hinsicht jedoch optimistisch: „Ich bin sicher, dass wir engagierte Pädagogen finden werden, die an der neuen Schule mitarbeiten wollen“, sagte er.

Die Einführung einer gemeinsamen Sekundarschule ist nur ein Teil der geplanten interkommunalen Zusammenarbeit zwischen Nachrodt-Wiblingwerde und Altena. Darüber hinaus wollen die beiden Nachbarkommunen zukünftig noch auf vier weiteren Gebieten kooperieren.

Großes Einsparpotenzial erhoffen sich die Beteiligten von der Zusammenlegung der beiden Baubetriebshöfe an nur noch einem Standort, nämlich in Altena. Auch die Arbeit des Standesamtes soll demnächst an einem Ort konzentriert werden; diese Angelegenheiten sollen in Zukunft im Amtshaus der Doppelgemeinde abgewickelt werden. Allerdings können Trauungen weiterhin an den verschiedenen Standorten in Altena und Nachrodt-Wiblingwerde durchgeführt werden.

In Altena wollen die beiden Kommunen die Arbeiten für den Bereich Soziales konzentrieren. Insbesondere Angelegenheiten der Grundsicherung, der Rente, des Wohngeldes und der Asylgewährung sollen hier für beide Kommunen abgewickelt werden. In Nachrodt-Wiblingwerde sollen zwar weiterhin Sprechstunden stattfinden, die eigentliche Sachbearbeitung soll aber in der Burgstadt erfolgen.

Noch offen ist, wo in Zukunft das Gebäude- und Liegenschaftsmanagement abgewickelt werden, für das die beiden Nachbarkommunen ebenfalls eine Kooperation planen. Diese Zusammenarbeit soll aber ohnehin erst schrittweise entwickelt werden, während für die anderen Bereiche ein Beginn der Kooperation für die zweite Jahreshälfte 2012 vorgesehen ist.

Mitarbeiter beider Verwaltungen – betroffen sind zwischen 40 und 50 Arbeitsplätzen – müssten durch die Zusammenarbeit übrigens nicht um ihre Arbeitsplätze fürchten, versicherten die Verwaltungsspitzen. Der Personalabbau soll offenbar erreicht werden, indem frei werdende Stellen nicht wieder besetzt werden. Welche Einsparungen durch die Kooperation erreicht werden können, darüber hüllten sich beide Seiten am Mittwoch noch Schweigen. Das sei noch nicht seriös zu beziffern, hieß es. ▪ vg

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