Hauptschüler erkunden ihre Stärken und Schwächen

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Eine der Aufgaben im Rahmen der Potenzialanalyse bestand darin, aus Tonkarton mit ganz wenigen Hilfsmitteln eine Kugelbahn zu bauen. Die Hauptschüler bewältigten sie auf unterschiedliche Weise. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Für viele Hauptschüler sieht es am Ende der Schulzeit nicht rosig aus: Nach wie vor findet nur jeder Zweite eine Lehrstelle, die anderen müssen sich oft jahrelang bemühen, bis sie endlich am Ziel sind. Noch schlechter sieht es für diejenigen aus, die die Schule ohne Abschluss verlassen und als Schulabbrecher versuchen einen Ausbildungsplatz zu finden.

Das soll sich jetzt für die Schüler der Albert-Schweitzer-Hauptschule ändern. Die Schule am Holensiepen nimmt an einem Modellprojekt der Bundesagentur für Arbeit teil. Um Hauptschülern den Einstieg in das Berufsleben zu erleichtern, erprobt die Bundesagentur jetzt die so genannte Berufseinstiegsbegleitung-Bildungsketten. Ziel dieser Förderung ist es, mehr jungen Menschen mit erschwerten Vermittlungsperspektiven den Übergang in eine betriebliche Ausbildung zu ermöglichen.

Ein Bestandteil des Programms ist die Potenzialanalyse. Daran nehmen derzeit die 22 Schüler der Klasse 8 der Albert-Schweitzer-Hauptschule teil. Im Bildunszentrum des Handels (BzH) in Iserlohn unterziehen sie sich einer dreitägigen Überprüfung ihrer Stärken und Schwächen. „Dabei werden die Neigungen, Fähigkeiten und Schwerpunkte der Jugendlichen erfasst“, erläuterte Christiana Schwarz, die die Potenzialanalyse im Auftrag des Bildungsträgers BzH betreut. Je zwei Beobachter in einer maximal achtköpfigen Schülergruppe stellen den Schülern verschiedene Aufgaben, die in Einzel- oder Gruppenarbeit gelöst werden müssen. Dabei soll sich herausstellen, welche Kompetenzen die zukünftigen Berufsanfänger im Hinblick auf ihr Arbeits- und Lernverhalten, ihr persönliches Verhalten und ihr Sozialverhalten haben. Es werden insgesamt 23 Merkmale abgeklopft. Zum Beispiel wird beobachtet, wie systematisch die Schüler an die Arbeit herangehen, wieviel Kreativität sie einbringen, wie zuverlässig sie ihre Aufgaben erledigen und wie es um ihre Teamfähigkeit bestellt ist. So bestand beispielsweise eine der Aufgaben darin, aus einem Bogen Tonkarton nur mit Schere, Klammergerät und Klebstoff eine Kugelbahn zu bauen, die anschließend auch noch bei einer fingierten Spielwarenmesse angeboten werden sollte.

Etwa zwei Wochen nach dieser Stärken- und Schwächenanalyse erhalten die Teilnehmer eine individuelle Auswertung, die in einem Gespräch auch noch erläutert wird. „Das alles zielt auf eine Persönlichkeitentwicklung ab. Die Schüler sollen befähigt werden, eine vernünftige Berufswahl zu treffen“, sagt Berufsberaterin Eva Henseler, die den Nachrodter Hauptschülern einmal monatlich in allen Fragen rund um die Berufswahl zur Seite steht.

„So etwas ist für unsere Schüler enorm wichtig“, beurteilte Schulleiter Rüdiger Grote das Projekt, an dem im Märkischen Kreis insgesamt neun Haupt- und zwei Förderschulen teilnehmen, überaus positiv. Auch Projekt-Betreuerin Christiana Schwarz sieht viele Vorteile für die Hauptschüler: „Sie können herausfinden, ob das, was sie sich für ihre berufliche Zukunft vorgestellt haben, wirklich zu ihnen passt.“

Am Ende der berufseinstiegsbegleitenden Bildungsketten sollen also möglichst 22 Albert-Schweitzer-Hauptschüler stehen, deren Zukunft rosiger aussieht, als die der meisten anderen Hauptschüler. ▪ vg

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