Zu wenige Mitglieder und Ehrenamtliche: Ortsverbände fusionieren

Schwere Zeiten im Sozialverband

Weihnachtsfeier beim Sozialverband Rahmedetal: Zu den Treffen kommen meistens rund 30 Mitglieder. Eine Zahl, die sich sehen lassen kann. In anderen Gruppen sieht das Bild ganz anders aus.
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Weihnachtsfeier beim Sozialverband Rahmedetal: Zu den Treffen kommen meistens rund 30 Mitglieder. Eine Zahl, die sich sehen lassen kann. In anderen Gruppen sieht das Bild ganz anders aus.

Schwere Zeiten durchlebt der Sozialverband derzeit an Lenne und Volme. Daher gab es viel Bewegung hinter den Kulissen in den vergangenen Monaten. Das Ergebnis: Mehrere Fusionen, darunter die Integration der Ortsverbände Nachrodt und Werdohl in die Altenaer Gruppe, die dadurch auf stattliche 900 Mitglieder angewachsen ist. Die beiden anderen Gruppierungen wurden im September aufgelöst.

Altena/Nachrodt – „Die Erfordernisse waren da“, sagt Bernd Kaiser, Kreisvorsitzender des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) zu den Veränderungen. Und nicht nur die beiden Ortsverbände sind betroffen. Ein Überblick der Situation in den einzelnen Verbänden.

Situation in Altena

Gerd Robakowskis Verantwortung und seine Aufgaben sind durch die Fusionen ordentlich gewachsen, denn der Werdohler ist Vorsitzender des kräftig gewachsenen Ortsverbandes Altena. Er will zunächst die Werdohler Mitglieder anschreiben, etwa 300 an der Zahl. „Es muss ja dann auch irgendwie geklärt werden, wo die Treffen stattfinden sollen und wie die Programmgestaltung aussieht.“ Im Februar hatte er die Mitglieder bereits auf die Veränderung vorbereitet, sollte es nicht gelingen, einen eigenen Vorstand zu wählen. „Die Mitglieder hatten nichts dagegen“, sagt Robakowski. Es habe sich um einen einstimmigen Beschluss für die Fusion gehandelt.

Nachrodt-Wiblingwerde muss aufgeben

Der Ortsverband in der Doppelgemeinde schwächelte schon länger. Gerade zehn Mitglieder hatten 2017 noch an einem Weihnachtsessen teilgenommen. Das war aber auch die einzige Resonanz, die Vorsitzende Petra Hübchen in jenem Jahr verzeichnen konnte. Sie und ihr Helferkreis hatten mehrfach Veranstaltungen im Haus an der Hagener Straße 96 vorbereitet, doch außer den Organisatoren selbst schaute niemand vorbei. Zur Jahreshauptversammlung 2018 kamen nur ein Dutzend Mitglieder.

Die Erklärung lag auf der Hand: Nur ein kleiner Teil der rund 100 Mitglieder ist noch mobil und gesund genug, um an Klön-, Bastel- und Spielenachmittagen, Fahrten oder Festen teilnehmen zu können. „Die Mitglieder in Nachrodt und Werdohl haben zuletzt im luftleeren Raum gestanden“, beschreibt Gerd Robakowski die Situation. Nun haben die verbleibenden Aktiven im Ortsverband Altena eine neue Heimat gefunden.

Kein Kommentar

Die ehemalige Werdohler und Kreisvorsitzende Sieglinde Mycer möchte keinen Kommentar zur Fusion abgeben. „Wenn mich einer anruft, dann verweise ich darauf, dass ich nichts mehr mit dem Sozialverband zu tun haben möchte.“ Hintergrund ist ein Streit 2017, bei dem sie und der gesamte Kreisvorstand nach Ärger über den SoVD-Landesverband alle Ämter niederlegte, viele Mitglieder traten ebenfalls aus.

Alle gut im Rahmedetal

Wie ein Fels in der Brandung kann sich dagegen der SoVD Rahmedetal präsentieren. 85 Mitglieder hat die Gruppe und „einen tollen Vorstand“, wie Vorsitzende Doris Bremser sagt. Bei jedem Treffen kommen rund 30 Mitglieder, vier sind aus Wiblingwerde dazugestoßen. Eine Fusion sei daher derzeit kein Thema. Auch wenn die Gruppe nicht die größte ist: „Wir helfen genauso wie die großen Ortsverbände“, versichert Doris Bremser. Dank des Einsatzes der verbandseigenen Juristin liege die Erfolgsquote, wenn man sich vor Gericht begibt, bei 90 Prozent.

„Es ist ja kaum noch jemand bereit, Verantwortung zu übernehmen“

Heinrich Dlugi, jetzt Vorsitzender des Verbandes Oberes Versetal, zugleich langjähriger Kreisvorsitzender, kennt die Lage gut. In seinem Verband ist zuletzt der Ortsverband Lüdenscheid aufgegangen, den ähnliche Probleme plagten wie die Verbände in Nachrodt und Werdohl. „Es ist ja kaum noch jemand bereit, Verantwortung zu übernehmen.“

Der Kreisverband

Im Kreisverband kam es 2017 zum Paukenschlag: Im Streit mit dem SoVD-Landesverband kündigte die Kreis- und Werdohler Ortsverbandsvorsitzende Sieglinde Mycer ihre Mitgliedschaft und legte ihre Vorstandsämter nieder. Und Mycer ging nicht alleine. Mit ihr trat der komplette Kreisvorstand aus, etliche Mitglieder folgten diesem Entschluss.

Der Vorwurf damals: Der SoVD würde seinen einkommensschwachen Mitgliedern für deren Beiträge keine nennenswerte soziale Unterstützung mehr bieten. Ein großer Kritikpunkt war die Verlagerung der Altenaer Beratungsstelle nach Hagen. Im August 2017 wurde die Geschäftsstelle in Altena geschlossen. Barbara Mycer war empört: „Wenn ein armer Rentner aus Werdohl nach Hagen zur Beratung will, kostet ihn das bestimmt 25 Euro Fahrtkosten hin und zurück. Das hat doch mit einem Sozialverband nichts mehr zu tun.“

Die Verärgerung des ehrenamtlich tätigen Vorstands entzündete sich auch an der Verteilung der Mittel im Landesverband. Jedes SoVD-Mitglied zahlt 6,50 Euro Monatsbeitrag. Die Beiträge werden komplett an den Bundesverband in Berlin abgeführt. Der erstattet Beiträge gestaffelt nach Mitgliederstärke an die untergeordneten Verbände zurück. Daraus finanzieren sich auch die Ortsgruppen.

Die Beträge sind jedoch sehr überschaubar: Beim Ortsverband Rahmedetal zum Beispiel geht es um etwa 45 Euro monatlich, so Doris Bremser. Heinrich Dlugi vom Ortsverband Oberes Versetal fasst die Umstände der Finanzierung so zusammen: „Damit kann man keine großen Sprünge machen.“

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