Vom hässlichen Entlein zum Schwan in Bordeaux

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Seine 21 Jahre und 117 000 Kilometer sieht man dem „Mini 30“ beim besten Willen nicht mehr an. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Als der Mark 5 (Mk V) zu ihm kam, war der Wagen kaum mehr als ein Häufchen Elend auf Zwölf-Zoll-Reifen. Er hatte keine Chance mehr, die TÜV-Prüfung zu schaffen. Rost an allen wichtigen Teilen hatte dem automobilen Leben des britischen Austin Mini ein Ende gesetzt. Es sollte aber nur ein vorläufiges sein.

Für 500 Euro kaufte der Nachrodter Lackierermeister schließlich ein hässliches Entlein - und schuf daraus in drei Monaten einen veritablen Schwan. Der ist zwar nicht weiß, sondern bordeaux-rot mit Perleffekt, aber sticht aus den modernen Einheitskarossen so mühelos hervor wie besagter Schwan aus einem Pulk von Enten.

Vorher musste der 89er Mini aber noch ordentlich Federn lassen, denn Uwe Brüggemann entschloss sich, den Wagen fast vollständig neu aufzubauen. Da würde also kaum ein Blech an seinem Platz bleiben. Der komplette Vorderwagen, die Seitenschweller und das Heck, ebenso Teile der Bodengruppe, fast alles wurde durch neue Teile ersetzt. Das galt auch für das Fahrwerk und die Bremsen. „Das war schon eine ganz schöne Litanei“, erinnert sich Uwe Brüggemann an die Restaurierungsarbeiten. Probleme mit der Ersatzteilbeschaffung gab es dabei nicht: „Für dieses Auto gibt es noch jede Schraube neu“, berichtet der Lackierer. Und weil er einmal dabei war, sorgte er gleich dafür, dass der Rost im zweiten Leben des englischen Flitzers kein leichtes Spiel mehr haben würde. „Da sind fünf Liter Hohlraumschutz reingekommen. Das ist schon viel für so ein kleines Auto.“

Im Januar hatte er den Mini erstmals in die Werkstatt geschoben. Ende März war es dann soweit – der Austin wurde dem TÜV vorgestellt. Im ersten Anlauf nahm der 650 Kilogramm leichte Britenflitzer alle Hürden der Wiederzulassung. Rund 4000 Euro hat Uwe Brüggemann aufgewandt, um ein „neues“ Auto auf die Räder zu stellen. „Den Arbeitslohn kann ich dabei aber nicht rechnen.“

Dass der Nachrodter Lackierer bei der Restaurierung des Minis offenbar Nägel mit Köpfen gemacht hatte, sollte sich schon zeigen, als der Wagen zwar lackiert, aber noch gar nicht wieder zusammengebaut war: „Da kam ein Händler und hat mir 6 000 Euro dafür geboten.“ Und es gab ein zweites, noch besseres Indiz für eine gute Arbeit: Als die Vorbesitzerin dieser Tage „ihren“ Mini auf Brüggemanns Hof wiedersah, da kamen der Frau die Tränen. „Sie wollte ihn einfach nur wiederhaben“. ▪ tk

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