Häkel-Marathon fürs Hospiz: Nachrodterin startet besondere Aktion

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Inge Westerwell (Mitte)   übergibt im Hospiz  die Spende und Kleiderbügel an Schwester Angeliki Lorsbach. Clemens Masson ist seit vielen Jahren ehrenamtlicher Helfer.

Nachrodt-Wiblingwerde –  Inge Westerwell hat gehäkelt und gehäkelt - und das für einen guten Zweck: Mit einer besonderen Ideen tut sie Gutes für Sterbende und Schwerkranke.

Kleiderbügel mit einem Mantel aus Wolle, gehäkelt aus unzähligen Stäbchen in fröhlich-bunten Farben, hat Inge Westerwell gezaubert und verkauft. Der Erlös ist erstaunlich: 650 Euro konnte die Nachrodterin damit einnehmen. Das Geld hat sie jetzt für das Hospiz Mutter Teresa in Letmathe gespendet. 

„Man kann sich auch im Alter für die Gesellschaft einbringen“, sagt die 88-Jährige schmunzelnd, die den Häkel-Marathon erst einmal für den Freundeskreis gestartet hatte. Die ersten 50 Bügel verschenkte sie, bis ihr die zündende Idee für die Spendenaktion kam. Und man könnte sagen, dass ihr die ungewöhnlichen Kleiderbügel fast aus den Händen gerissen wurden.

 „Junge Leute finden sie aber wohl nicht so schön“, glaubt Inge Westerwell, die gleich ein paar Bügel zur Ansicht mit ins Hospiz gebracht hatte. Dort wurden sie und ihre Tochter Christina von Schwester Angeliki Lorsbach und Ehrenamtler Clemens Masson empfangen. 

"Ohne Spenden würde es mau aussehen"

Im Gespräch ging es natürlich auch um die Arbeit im Hospiz, in dem sechs Gäste auf der letzten Etappe des Lebens begleitet werden. Es ist die Atmosphäre im Hospiz, der familiäre Umgang, den Inge Westerwell so schön findet. „Wir hatten von der KFD schon einmal eine Führung hier“, erzählt die agile Nachrodterin. 

Und so hatte sie sofort die Idee, etwas für den guten Zweck zu tun. Das Hospiz ist gesetzlich verpflichtet, einen Teil der entstehenden Kosten selbst zu erwirtschaften. Ungefähr 20 Prozent sind nicht durch gesetzliche Kostenträger gedeckt. „Wenn wir die Spenden nicht bekommen würden, würde es mau aussehen“, sagt Schwester Angeliki Lorsbach. Leiterin der Einrichtung ist Schwester Lucyna Krzeminski. 

Im Hospiz, das im neuen Haus durch viel Behaglichkeit und freundliche, helle Räume sehr einladend wirkt, werden schwerstkranke und sterbende Menschen aufgenommen. „Die Gäste kommen oft im ganz schlechten Zustand, weil sie auch palliativmedizinisch nicht gut betreut wurden, und sind nach ein bis zwei Tagen hier schmerzfrei“, sagt Angeliki Lorsbach, die seit 1998 im Hospiz arbeitet. Die Menschen haben immer einen Ansprechpartner und die Sicherheit, dass sich ein professionelles Team um sie kümmert. 

Vom Schwerkranken zum Helfer

Es gibt eine pflegerische, die palliativmedizinischen und die seelsorgerischen Begleitung. Auch wird nicht nur der Erkrankte gesehen, sondern auch die ganze Familie, für die es mehr als nur ein offenes Ohr gibt. Und dann gibt es auch noch „ein Clemens, der kocht und die Leute verwöhnt“, sagt Angeliki Lorsbach. 

Clemens Masson ist ehrenamtlich im Hospiz tätig. „Das Beste, was mir je passiert ist“, sagt er, der alle 14 Tage fest eingeplant ist, aber viel öfter vorbeischaut. Weitere Ehrenamtliche werden dringend gesucht. Besondere Vorkenntnisse sind nicht nötig: „Ein Gefühl für Menschen sollte man haben“, sagt Clemens Masson. Er selbst litt an einer Krebserkrankung mit wenig Chancen auf Heilung. Diese ist überstanden. 

Zwei Stunden Arbeit pro Überzieher

Nun gibt er anderen Kraft. Und auch die ehrenamtliche Helferin Stefanie Grembowicz sagt: „Ich gehe hier raus mit ganz viel Dankbarkeit und Demut. Ich komme nach Hause und bin wie ausgewechselt.“ 

Doch zurück zu Inge Westerwell und den Kleiderbügeln: Es wird ein Streifen gehäkelt, dann wird dieser unten zusammengenäht und über den Kleiderbügel gezogen. „Der Bügel muss ein Gewinde haben, sonst geht es nicht“, erzählt die Nachrodterin schmunzelnd, die etwa zwei Stunden für einen „Bügel-Überzieher“ benötigt. 

„Ich wollte mal etwas anderes machen“, sagt Inge Westerwell, die im Frühjahr vergangenen Jahres angefangen hat und schließlich im ersten Schritt 160 Bügel bei den Kreativfrauen und bei den Weihnachtsmärkten in Altena und Letmathe verkaufen konnte. Stückpreis: 3,50 Euro. Aktuell häkelt Inge Westerwell übrigens nicht, sie strickt: Socken in der Größe von Elbkähnen, wie sie lachend erzählt.

Ehrenamtliche gesucht

Ehrenamtliche im Hospiz müssen nicht am Bett mithelfen. Es geht darum, sich mit den Gästen zu unterhalten oder beim Essen zu helfen. Auch „Außendienstler“, die beim Weihnachtsmarkt, beim Brückenfest oder beim Café im Park mithelfen, sind gern gesehen. Ansprechpartnerin ist Lucyna Krzeminski unter Telefon 0 23 74/9 21 97 10 oder per E-Mail an lucyna.krzeminski@marienhospital-letmathe.de

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