„Hab den Zeitaufwand satt unterschätzt“

Das Wiblingwerder Pferdegespann vor dem ersten Dreh. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Für den Film „Schönes Wiblingwerde aus der Sicht des Kutschers“ hat das Team am Sonntag die letzten Außen-Drehtermine mit Pferden und Kutsche gehabt. Dieses Wochenende stehen noch einige Innen-Szenen und Nachvertonungen auf dem Programm.

Dann sind die Dreharbeiten komplett abgeschlossen und Hans-Dieter Philipp aus Altena kann mit dem Film-Schnitt beginnen. Dafür braucht er, falls nichts dazwischen kommt, etwa drei bis vier Wochen.

Initiator Dr. Karl-Heinz Lindenlaub meint rückblickend: „Ich habe den Zeitaufwand für die Filmaufnahmen satt unterschätzt. Wenn wir nicht diesen goldenen Herbst gehabt hätten, wo wir - außer am allerersten Nebel-Drehtag - jedes Mal „Kaiserwetter“ hatten - ich wäre gehörig in die Bredouille gekommen.“ Un das aus gutem Grund: „Wir wollten unbedingt fertig werden, ehe die Blätter von den Bäumen fallen. Eine Rundfahrt durchs Dorf, bei der es im satten Grün losgeht und die dann nach einer Stunde vor kahlen Bäumen endet, das ist nicht besonders überzeugend.“

Allein für die 30-sekündige Schlussszene - Lindenlaub fährt mit seinen zwei Shire Horses hoch auf dem edlen dunkelgrünen Glaslandauer in die rote Abendsonne - hat das Team am letzten Freitag drei Stunden Zeit gebraucht. Insgesamt waren fünf Helfer beteiligt und die Straße nach Brenscheid muste gesperrt werden.

Diese Fahrt wird unterlegt von einem Gedicht über einen alten Geister-Postillon, der noch einmal am Abendhimmel kutschiert: „O Erdenball, wie anders schaust Du drein, seit ich mit Sang und Peitschenknall Reichspostdienst tat am Rhein. .... Jetzt rennt der Dampf, jetzt brennt der Wind, von fruh bis spat gibt's keine Ruh'. Das Leben raset blitzgeschwind - Fahr zu mein Pferd, fahr zu.“ Da hätte ein überholendes oder entgegenkommendes Auto natürlich die Stimmung versaut.

Pfarrer Gerald Becker hat den Kameramann sogar auf die Kanzel der Dorfkirche gelassen, um von dort oben zu filmen. Und ein Feueralarm mit der alten einachsigen Handspritze aus der Heimatstube kommt auch vor.

Lindenlaub über das Projekt „Ach, viel Arbeit und Terminabstimmungs-Schwierigkeiten, aber es hat sich richtig gelohnt, ich würde es immer wieder machen. Wobei, ohne die vielen Helfer hätte ich noch älter ausgesehen, als ich ohnehin schon bin.“ Abschließend meint er: „Und ich verstehe nun, warum Regisseure ziemlich früh einen Herzklabaster kriegen. Da bin ich zukünftig lieber wieder der Nostalgie-Kutscher aus dem Luftkurort.“

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