Da muss Tacke passen

Wenn die Tiere größer sind, kommen sie ins Freigehege. Auch das macht Arbeit.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Karl-Heinz Tacke, der große Tier- und Naturfreund, hat in den vergangenen 20 Jahren so viele Rehkitze groß gezogen, dass er sich an deren Zahl schon gar nicht mehr erinnern kann. Die kleinen Tiere werden in der Regel von Jägern bei ihm abgegeben. Die wiederum erhalten sie von Spaziergängern, die die Tiere im Wald finden.

Dabei wird sehr oft in bester Absicht ein entscheidender Fehler gemacht, der dem Kitz jede Chance nimmt, in der freien Wildbahn zu überleben: Wurde das Tier einmal von Menschenhand berührt, wird die Ricke, die sich immer in der Nähe befindet, ihr Kitz nicht mehr annehmen.

In solchen Fällen kann man versuchen, das kleine Tier mit der Flasche groß zu ziehen. Bei Jägern und zum Teil auch bei Privatleuten hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass die Kitze dafür bei Tacke in besten Händen sind.

Viel Arbeit, viel Geduld und noch mehr Tierliebe sind für diese Aufgabe notwendig. Die Kitze müssen alle paar Stunden gefüttert werden, natürlich auch in der Nacht.Problematisch wird es vor allem dann, wenn es nicht gelingt, das Kitz an die Flasche zu gewöhnen. Dazu Tacke: „Reine Nervensache. Man muss unglaublich viel Geduld aufbringen. Doch wenn das Tier die Flasche akzeptiert, hat man gewonnen“.

Ziel des Wiblingwerders ist es immer, die Tiere auszuwildern. Manchmal läuft ihm deshalb im Wald noch manchmal einer seiner „Pensionsgäste“ über den Weg. Zutraulich seien die Tiere dann zwar nicht mehr. Aber bis auf eine kurze Distanz könne er sich ihnen noch nähern.

Tackes Engagement hat sich inzwischen sogar bis zur Deutschen Rehhilfe herumgesprochen. Von dort fragte man im vergangenen Jahr an, ob er nicht 12 Rehkitze aufnehmen und groß ziehen könne. Das sprengte dann allerdings selbst Tackes Möglichkeiten. Den Aufwand, der mit der Aufzucht der Tiere verbunden sei, hätte gar nicht erbracht werden können. Schon gar nicht von einer Einzelperson.

Nicht alle Tiere, die bei Tacke abgegeben werden, sind gesund. Einmal war auch ein Verkehrsunfallopfer unter den Kitzen. Dieses Tier hatte erhebliche Verletzungen davongetragen. Tacke lobt in diesem Zusammenhang ausdrücklich den Einsatz einer Altenaer Tierärztin. Als sie von Tackes Tätigkeit hört, behandelte sie das kleine Tier kostenlos, übernahm sogar noch die Kosten für die Medikamente.

Derzeit befinden sich zwei Rehe und ein Rehbock –alle drei von Tacke liebevoll betreut- auf dem Hof. Die ältere Ricke befände sich schon seit fünf Jahren in seiner Obhut. Sie ließe sich sogar von ihm streicheln. „Die wildere ich nicht aus, die behalte ich.“ Rehbock Fritzchen wurde auf dem Kleinendrescheid gefunden, Reh Lilly in der Umgebung von Letmathe. J hb

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