Großer Aufwand am Steilhang im Wald

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Hier geht tief hinunter, deutet Forstoberinspektor Christof Schäfer an. Die Lennebrücke sieht von hier oben ganz winzig aus.

Nachrodt-Wiblingwerde - Fast 200 Meter Luftlinie hat die Laufkatze des Seilkrans auf ihrem Weg ins Tal zurückzulegen. Unten steht ein Waldarbeiter, der einen gefällten Baum daran befestigt und schon geht es wieder bergauf. Oben, auf einem kleinen Plateau, steht der Harvester, der den Stamm von seinen Ästen befreit, auf Länge schneidet und schließlich zu den anderen Stämmen legt.

Es ist ein großer Aufwand, den die Forstexperten aus der Schweiz bei diesen Holzerntearbeiten am Langenstück treiben. Nicht nur, dass sie mit dem Spezialkran anrücken mussten. Um die mächtigen Fichtenstämme abtransportieren zu können, musste auch eigens ein gut 100 Meter langer Weg in den Wald oberhalb des Steilhanges geschoben werden, und selbst hier müssen noch Schleppmaschinen eingesetzt werden, damit das Holz seinen Weg in ein Finnentroper Sägewerk antreten kann.

Angesichts dieses Aufwandes stellt sich zwangsläufig die Frage, ob sich diese Holzernte überhaupt lohnt. Forstoberinspektor Christof Schäfer: „Der Marktwert für den Festmeter Fichtenstammholz liegt derzeit bei gut 100 Euro. Das ist ein relativ guter Preis, so dass sich auch derart aufwändige Arbeiten lohnen.“ Hinzu komme, dass die Spezialisten aus der Schweiz ohnehin gerade in der Gegend sind, weil sie auch ähnliche Arbeiten in Lüdenscheid, Werdohl und Plettenberg zu erledigen hatten. Das drückt den Preis für deren Arbeit.

Scheinbar stehen also nicht nur Waldbesitzer in der Doppelgemeinde vor dem Problem, Holzeinschlag in unwegsamem Gelände bewerkstelligen zu müssen. „Die Kyrill-Flächen sind abgeerntet, da stehen erst in 30 Jahren wieder große Bäume“, erklärt Schäfer. Weil die Holznachfrage aber nach dem Überangebot vergangener Jahre wieder größer sei, müsse man nun auch in den schwierigen Lagen ernten.

Eine solche schwierige Lage ist der Steilhang am Langenstück. „Sicherlich 45 Grad“ beträgt hier laut Christof Schäfer die Hangneigung, 60 bis 70 Meter sind es vom höchsten Punkt bis hinunter zur Lenne. Diese Topographie war wohl ein Grund dafür, dass die Fichten hier rund 120 Jahre alt werden konnten. „Das ist ein undurchforsteter Bestand, hier ist praktisch nie etwas gemacht worden“, weiß Schäfer. Erst die gute Marktlage macht die Holzernte an dieser Stelle lukrativ. Zwischen 300 und 400 Festmeter Fichtenholz hofft der Förster hier herausholen zu können. Hinzu kommen einige Buchen-, Eichen- und andere Laubholzstämme, die als Industrieholz weiterverarbeitet werden, beispielsweise zu Spanplatten.

Wenn die Forstarbeiter voraussichtlich am Ende dieser Woche ihre Arbeit getan haben, werden sie einen kahlen Hang zurücklassen. Das soll aber nicht so bleiben. Christof Schäfer geht davon aus, dass die Fläche ab 2015 wieder aufgeforstet wird. „Entweder erneut mit Fichten, oder aber mit Lärchen“, sagt er. Weil die Lärche vor dem Winter ihre Nadeln abwirft, ist sie nicht so anfällig für Schneebruch. Schäfer würde diese Art deshalb am Nordhang bevorzugen. „Aber das ist auch eine Entscheidung des Waldbesitzers“, erklärte der Förster. - Volker Griese

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