Kein Grund zur Angst vor der Hausgeburt

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Alles glücklich überstanden: Mutter Gundula Neuhaus mit Töchterchen Tjorven Marleen und Hebamme Sonja Schneider (r.), die bei der unverhofften Hausgeburt Hilfe geleistet hat.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Geburtsort: Wiblingwerde“ dürfte demnächst im Personalausweis von Tjorven Marleen Neuhaus stehen – wenn die Kleine einmal einen eigenen Personalausweis bekommt. Noch ist das Mädchen nämlich im Säuglingsalter – und doch ist sie ein ganz besonderes Kind, wobei die Umstände seiner Geburt eine entscheidende Rolle spielen.

Eigentlich hatte Gundula Neuhaus ihr zweites Kind nach Töchterchen Madita (3) wieder ganz herkömmlich im Krankenhaus zur Welt bringen wollen. „Für den Fall, dass es bei der Geburt Komplikationen gibt“, war die 36-Jährige vorsichtig, obwohl die Geburt ihrer ersten Tochter ganz problemlos verlaufen war. Vielleicht war es dann so etwas wie glückliche Fügung, dass Gundula Neuhaus die Hebamme Sonja Schneider kennen lernte. „Ich habe sie gefragt, ob sie im Notfall auch zu mir nach Hause kommen würde. Allerdings habe ich nie daran gedacht, das wirklich einmal in Anspruch zu nehmen“, berichtet die Mutter. Doch dann kam alles ganz anders.

Auf den vorausberechneten Tag genau, am 17. Juni, setzten bei der Wiblingwerderin die Wehen ein. Die Utensilien für die Entbindung in einem Hagener Krankenhaus waren natürlich schon gepackt, die Abfahrt mit Ehemann Michael stand eigentlich bevor. Aber dann ging alles ganz schnell. Während Gundula Neuhaus noch im Bad stand, setzte mit dem Blasensprung die Geburt ein. Für die Fahrt ins Krankenhaus war nun keine Zeit mehr. „Für einen Augenblick habe ich Angst gehabt, als das Köpfchen der Kleinen herauskam“, gesteht Gundula Neuhaus heute ein. Sie habe ein Stoßgebet zum Himmel geschickt, das offenbar nicht ohne Wirkung blieb. „Gott hat mir Ruhe und Gelassenheit geschenkt“, beschreibt sie ihren Gemütszustand während der unverhofften Hausgeburt.

Die Familie rief Hebamme Sonja Schneider zur Hilfe, die sich in Veserde sofort ins Auto schwang. Als sie wenige Minuten später in Wiblingwerde eintraf, war Tjorven Marleen aber schon auf der Welt, 50 Zentimeter groß und 3240 Gramm schwer. Gundula Neuhaus’ Schwiegermutter, eine ehemalige Krankenschwester, hatte die notwendigen Handgriffe erledigt. „Ich habe nur gesagt: Marlies, fang das Kind auf“, beschreibt Gundula Neuhaus den entscheidenden Augenblick im heimischen Bad. Danach erst trat die Hebamme auf den Plan. Sonja Schneider („So schnell konnte ich gar nicht da sein!“) blieb nicht mehr all zu viel zu tun, im wesentlichen die Überwachung der Nachgeburtsphase.

Aus Sicht der Geburtshelferin hat Familie Neuhaus eigentlich alles richtig gemacht. Zwar seien im Idealfall alle Beteiligten auf eine Hausgeburt gut vorbereitet. „Aber wenn es so weit ist wie in diesem Fall, kann ich nur empfehlen, gar nicht mehr ins Krankenhaus zu fahren, sondern zuhause zu gebären“, sagt Sonja Schneider. Die Veserderin, die ihren Sohn ebenfalls zuhause zur Welt gebracht hat, sieht ohnehin keinen Grund, vor einer Hausgeburt große Angst zu haben. Sie praktiziert derzeit zwar nicht als Hebamme, weiß aber natürlich, wovon sie spricht: „Hebammen sind gut ausgebildetes Fachpersonal und wissen genau, was zu tun ist.“ Dennoch empfiehlt sie, eine Hausgeburt nur bei einer komplikationslosen Schwangerschaft zu planen. Gibt es schon während der neun Monate Probleme, sei eine Frau tatsächlich im Krankenhaus besser aufgehoben.

Für Gundula Neuhaus war die Geburt ihrer jüngsten Tochter in den eigenen vier Wänden eine neue, aber auch sehr schöne Erfahrung. „Bei einem dritten Kind würde ich eine Hausgeburt planen“, ist sie sicher, dass eine Entbindung im Krankenhaus für sie nicht mehr infrage kommen würde. ▪ Volker Griese

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