Gärtnerei ist ein Paradies für exotische Tiere

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Günter Knop und einige der Papageien vertrauen sich mittlerweile derart, dass die Vögel dem Tierfreund Nüsse aus dem Mund holen.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ „Wenn Dich ein Tier anguckt, kannste doch schlecht nein sagen.“ Günter Knop steht inmitten mehrerer Volieren in seinem Gartenmarkt, betrachtet seinen bunten Mini-Zoo und wirkt zufrieden. Der Geschäftsmann hat heimatlosen Tieren auf etwa 100 Quadratmetern ein neues Zuhause geschaffen.

Zwischen prächtigen Blumen, großen Palmen und exotischen Sträuchern wohnen seit fünf Jahren sprachgelehrige Haustiere und andere beeindruckende Geschöpfe, die sonst von ihren Besitzern in Tierheimen abgegeben worden wären oder denen ein weitaus schlimmeres Schicksal gedroht hätte.

„Mit zwei Wellensittichen hat es angefangen“, erinnert sich Günter Knop an jenen Tag vor fünf Jahren zurück, als ihn eine Kundin darum bat, die „geerbten“ Piepmätze bei sich aufzunehmen. Seine Tierfreundschaft sprach sich herum. „Und dann ging das immer so weiter.“ Heute leben dutzende Adoptiv-Vögel in seinem Fachmarkt – Zebrafinken, Mohrenköpfe und Liebesvögel sind darunter. „Wenn mich jemand bittet, ein Tier aufzunehmen, was soll ich denn machen?“, zuckt Günter Knop mit den Schultern und schafft stets noch ein Plätzchen für den Neuankömmling.

Neben Wellen- und Nymphensittichen vergrößerte sich die tierische Gemeinschaft recht zügig um einige Exoten, deren Verbreitungsgebiet eher in den Tropen oder Subtropen als im vergleichsweise kühlen Sauerland liegt. Graupapageien, Aras und Kakadus bereiten ihrem „Chef“ stets einen lautstarken Empfang. „Ich will einfach nur, dass es ihnen gut geht“, sagt Günter Knop, öffnet die Tür einer Voliere und reicht den Tieren „Leckerchen“. Bananen und Äpfel verspeisen sie am liebsten. Hin und wieder gibt es auch mal ein Stückchen Käse. „Das fressen sie besonders gerne. Davon dürfen sie aber nicht zu viel kriegen“, weiß der Vogel-Vater, der stets ein paar Nüsse in der Hosentasche dabei hat. „Aber nur die großen Jumbos – die schmecken ihnen nämlich besser als die kleinen.“

Govin, ein weißer Kakadu, war der erste Exot, den Günter Knop bei sich aufnahm. „Er saß bei mir auf der Schulter und ging überall mit hin. Mittlerweile ist er aber sauer auf mich, weil ich mich auch um die anderen Papageien kümmere. Er hackt richtig nach mir“, erzählt Günter Knop, der sich nicht nur Wissen über die Futtervorlieben, sondern auch über das Sozialverhalten der intelligenten Tiere aneignen musste. „Die Vertrauensbasis zu einem Tier aufzubauen, ist eine gewaltige Sache. Das kann lange dauern und ist von Tier zu Tier unterschiedlich. Sie handzahm zu kriegen, ist schwer.“ An einem weiblichen Amazonenpapagei scheiterte Günter Knop mit all seinen Versuchen, das Tier in die Gemeinschaft zu integrieren. „Doch als mein Enkelkind vor dem Käfig stand, fing sie auf einmal an zu erzählen. Diese Tiere suchen sich nicht nur ihren Partner aus, sondern auch ihre Freunde“, weiß er und berichtet, dass die „Amazone“ nach ihrem Umzug zum Enkelkind jetzt wie verwandelt sei.

Bei den beiden Aras Ramon und Sara oder den Graupapageien Paul, Perle, Matze und Charlie hat Günter Knop es stattdessen geschafft: Das Federvieh frisst ihm nicht nur aus der Hand – langsam strecken die Vögel sogar ihre Hälse nach vorne und greifen mit ihren großen Schnäbeln vorsichtig eine Nuss aus seinem Mund.

Mit Rat und Tat zur Seite steht Günter Knop Vogelschützerin Uta Schokolinski-Nielsen vom Tier- und Naturschutzverein Niederberg in Velbert. Aber auch Tierarzt Dr. Johann Schwarz aus Letmathe hilft ihm in kritischen Situationen. „Er ist nicht nur Arzt, sondern auch Tierfreund“, weiß Günter Knop die fachkundige Hilfe für seine farbenprächtigen Tiere zu schätzen, die hin und wieder auch für peinliche Überraschungen sorgen. Wie beispielsweise ein etwas vorlauter Graupapagei, den Günter Knop aus Altena bekam. Ungeniert ruft er vorbeigehenden Kunden mit Hunden „Scheißköter“ hinterher – ein Rätsel, das der Vogelfreund bis heute nicht lösen konnte. Auch er selbst wurde von einem seiner Schützlinge bereits beschimpft. Jakob, eine Gelbscheitelamazone, begrüßte den Gartenmarkt-Besitzer mit einem fröhlichen „Hallo“. Als dieser nicht reagierte, wiederholte Jakob seinen Gruß, den Günter Knop beim zweiten Mal erwiderte und prompt zurück bekam: „Geht doch, Alter“.

Mittlerweile gehören auch Kaninchen, Tauben, Schildkröten und sogar Fische zur tierischen Schar in der Gärtnerei. Günter Knop hat eigens für sie einen Teich beziehungsweise weitere Käfige gebaut. Die Kaninchen haben sogar ein Haus, in dem jedes sein eigenes „Zimmer“ hat. „Die Tiere machen uns sehr viel Arbeit. Aber sie geben uns auch viel zurück“, möchte der Tierfreund keines von ihnen missen. Allerdings räumt er ein, dass er allmählich etwas Unterstützung bei der Pflege benötigen könnte. Wer sich Papageien und Co. verbunden fühlt, kann sich mit Günter Knop unter Tel. 0 23 52/3 36 47 in Verbindung setzen. ▪ Susanne Riedl

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