Klassiker am Stück serviert

+
Auch revolutionäre Umtriebe - natürlich mit den allerbesten Absichten für die menschliche Freiheit - schaffen es neuerdings auf die Musicalbühne. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Große Freude herrschte am Samstagabend bei den Organisatoren des Vereins Kultur-Schock: Rund 400 Besucher kamen zur langen Nacht des Musicals mit dem „RuhrPottPourie“- Ensemble der Musikschule Rhein-Ruhr und vertrieben jeden Zweifel, ob ein solches kulturelles Großprojekt in Nachrodt tatsächlich machbar ist.

Nach gut vier Stunden Programm in der Lennehalle (inklusive einer Stunde Pause) erhoben sich die Zuschauer nicht zum ersten Mal von den Plätzen und feierten die Akteure aus Oberhausen und Essen und ihre künstlerische Leiterin Birgit Zacher.

Die Geschichte des „RuhrPottPourie“-Ensembles wird weitergehen: Leiterin Birgit Zacher, die auch die Moderation des Abends in der Lennehalle übernommen hatte, berichtete von weiteren 40 Nachwuchsschülern, die noch nicht so weit seien, mit dem Ensemble auf Tour zu gehen. Die Musikschule Rhein-Ruhr hat sich die Pflege zeitgenössischer Musik, speziell des Musicals, auf die Fahnen geschrieben. Und wie gut ein solches Angebot angenommen wird, zeigten das Niveau der Darbietungen und die hervorragende Stimmung in der Lennehalle.

Die Bilder des Abends:

The Best of Ruhrpottpourie

„Frühstück ist auch vorbereitet“, scherzte Birgit Zacher, denn tatsächlich hatte der Verein Kultur-Schock „viel“ bestellt. Und die Zuhörer bekamen viel: Los ging es mit Adeles „Skyfall“ – selbst der Agent ihrer Majestät schickte einen kurzen Gruß an diesem bemerkenswerten Abend. Mit dem Udo-Jürgens-Musical „Ich war noch niemals in New York“ folgte ein kleiner Werbeblock für das Musicaltheater am Centro Oberhausen, wo die Weltreise derzeit pausiert. Nicht so in der Lennehalle, wo es einen appetitlichen Querschnitt durch die großen Hits von Udo Jürgens zu hören gab: „Aber bitte mit Sahne“, „Dieses ehrenwerte Haus“, „Mit 66 Jahren“. Mit einem fröhlichen Musicalraten ging es weiter: Revolutionäre Umtriebe, das Phantom der Oper und die Frage „Wer bin ich?“ gingen um – und natürlich Liebesbekenntnisse.

„Frauen, halten Sie Ihre Männer fest, aber nur, wenn Sie Sie behalten wollen“, empfahl Birgit Zacher vor dem „erotisch-frivolen Set“ und erklärte den Unterschied zwischen einer „Burlesque“, dem – kurz gesagt – hocherotischen Ausziehen eines Handschuhs, und dem erst später gesellschaftsfähig gewordenen Striptease. Die jungen Damen zeigten jedenfalls etwas mehr als nackte Hände und ließen verkünden „Hey, für dich ziehe ich mich an und vielleicht auch mal aus“ – frei nach „The big spender“, das die großartige Shirley Bassey einst berühmt machte. Und natürlich waren „Diamonds a girl’s best friend“, denn auch für den Nachwuchs aus dem westlichen Ruhrgebiet galt: „Wir sind jung und brauchen das Geld.“ Abgerundet wurde das „frivole“ Set mit Frank N. Furter, dem „Sweet Transvestite“ aus Richard O’Briens „Rocky Horror Picture Show“. Den „Time Warp“ tanzten sogar viele Besucher mit, die sich der fidelen Schlossgesellschaft im Rahmen ihrer Möglichkeiten anschlossen.

Gruselig wurde es beim Tanz der Vampire und bei Rudolfs Selbstmord, nachdem dieser vergeblich um Elisabeths/Sissis Unterstützung gefleht hatte. Doch der Ernst war schnell verflogen bei der Ansage „Die bekommen da hinten die Särge nicht schnell genug abgebaut“, was der Grund für eine Plauder-Einlage war. Für das Finale wurden schließlich die Dampfloks aus dem Bochumer „Starlight Express“ unter Dampf und auf Rollen gesetzt, und dann ging es los – kreuz und quer durch die Lenne-Halle. Ein Happyend zwischen Dampflok und Anhänger – so hätte ein sehr unterhaltsamer Abend auch zuende gehen dürfen. Doch es gab noch ein „Happy Birthday“ für Techniker Andreas und eine Zugabe. ▪ Von Thomas Krumm

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare