Neue Kärfte in Nachrodt

Großer Bedarf: So läuft die Ausbildung zur Tagesmutter

Stefanie Marten aus Nachrodt lässt sich zur Tagesmutter ausbilden.
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Stefanie Marten aus Nachrodt lässt sich zur Tagesmutter ausbilden.

Es gibt aktuell nur zwei Tagesmütter in Nachrodt-Wiblingwerde, der Bedarf ist viel größer. Stefanie Marten macht nun diese Ausbildung.

Nachrodt-Wiblingwerde – Eine gute Tagesmutter ist schwer zu finden, hart zu verlassen und unmöglich zu vergessen. Doch viele schreckt die Selbstständigkeit ab, anderen ist die Entlohnung zu gering. Zwei, die sich jetzt auf den Weg machen, um in Nachrodt Tagesmütter zu werden, sind Stephanie Marten und Amanda Toy.

Der Titel der Ausbildung klingt etwas sperrig: „Qualifizierungskurs zur Tagepflegeperson“. 160 Stunden plus 20 Stunden Hospitation. Mit Videokonferenzen gestartet, jetzt im Präsenz-Unterricht lernen die aktuell 14 Teilnehmerinnen alles, was man neben einem großen Herzen für kleine Menschen braucht.

Schwester hat Erfahrungen gesammelt

„Eine große Aufgabe, aber auch eine schöne“, findet Stephanie Marten. Sie ist 34 Jahre alt, verheiratet und Mama von zwei Kindern: Thilo ist vier Jahre alt und besucht die Awo-Kita, Janne ist zwei Jahre und geht zur Tagesmutter. Stephanie Marten ist pharmazeutisch-technische Assistentin, war jeweils zwei Jahre in Elternzeit und möchte jetzt etwas Neues beginnen.

Und sie hat sich das gut überlegt und gut angeschaut. Ihre Schwester ist Tagesmutter in Hohenlimburg, „hat das für mich vorgetestet“, erzählt die Nachrodterin lachend. Sie weiß, dass es ein schöner Job ist, mit großer Verantwortung und dass eine Tagesmutter oft einen turbulenten Tag hat.

Kleine Gruppen fördern Entwicklung

Dass es kritische Stimmen gibt und Eltern oft einen Kita-Platz einer Tagesmutter vorziehen, weiß Stephanie Marten. „Ich finde, dass für Kinder bis drei Jahre eine Tagesmutter gut ist, weil die Gruppe dann kleiner ist. Und meinen Großen hätte ich mit zwei Jahren nicht in den Kindergarten geben können, weil er so schüchtern ist. Da wäre er untergegangen“, sagt Stephanie Marten.

Erste Hilfe am Kind ist im Moment in der Ausbildung ein großes Thema. Plötzlich kann es gefährliche Situationen geben, auf die die Tagesmütter richtig reagieren müssen – wenn beispielsweise ein Spielzeug verschluckt wird. „Das will man nicht hoffen, aber man ist dann vorbereitet“, sagt die sympathische Nachrodterin, die auch rechtliche Dinge oder das Erkennen von Auffälligkeiten in der Entwicklung bei Kindern erlernt. Auch die Eingewöhnungszeit spielt eine große Rolle, ebenso das Kochen.

Eigene Kinder nicht zuhause, wenn Betreuungskinder kommen

Stephanie Marten weiß, dass es Bedarf an Tagesmüttern in Nachrodt gibt. Kindertagespflegepersonen werden dringend gesucht. In Nachrodt-Wiblingwerde gibt es derzeit nämlich nur zwei Tagesmütter: in Wiblingwerde und Rennerde. „Bei Carolin Sommer habe ich die Hospitation gemacht“, erzählt Stephanie Marten.

„Das hat mir sehr gut gefallen und ich habe viel mitgenommen“, sagt die Nachrodterin. Ihre eigenen Kinder sind übrigens nicht da, wenn die Betreuungskinder kommen. Eifersucht dürfte also schon mal kein Thema sein. Und Thilo findet es okay, wenn die anderen Kinder mit seinem Spielzeug spielen. Vielleicht nur nicht mit seinem Lieblingsbagger.

Tagesmutter: Prüfung im Oktober

Fünf Kinder gleichzeitig können es werden, „aber es soll ja langsam anlaufen, deshalb möchte ich maximal erst drei“, sagt Stephanie Marten, die sich selbst als sehr geduldig bezeichnet. „Nicht mit mir selbst, aber mit anderen“, erzählt sie schmunzelnd. Nachrodt findet sie toll für Kinder, besonders die Möglichkeit, raus in die Natur zu gehen.

Am 9. Oktober ist die Prüfung zur Tagesmutter. „Da werden wir in der Gruppe geprüft und müssen auch vorher eine Konzeptmappe schreiben“, erzählt die Nachrodterin, die dann gern direkt loslegen möchte. Sie bekommt, weil sie keine pädagogische Ausbildung hat, pro Kind vier Euro die Stunde. „Aber man hat ja eine Steuerermäßigung“, schmunzelt Stephanie Marten.

„Es ist natürlich nicht so viel wie in meinem alten Job. Aber ich habe keine Fahrtkosten, keine Betriebskosten. Und das Wichtigste ist doch, dass es Spaß macht. Ich wollte schon immer mit Kindern arbeiten, war auch Trainerin einer Tanzmannschaft.“

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