Spieltisch der Kirchenorgel kommt in die Reinigung

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Mit vereinten Kräften hievten Mitglieder der Kirchengemeinde und Mitarbeiter des Passauer Orgelbauunternehmens die Kirchenorgel von der Empore hinunter in die Kirche. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die katholische St. Josef-Gemeinde wird für einige Wochen während ihrer Gottesdienst auf gewohnten Klänge verzichten müssen: Die Orgel wurde zur Renovierung abgeholt.

Vereinte Kräfte waren nötig, um die Königin der Instrumente auf die Plattform des Aufzugs zu hieven, mit der das marode Instrument von der Empore der St. Josef-Kirche in die Tiefe herabgefahren werden konnte. „An die 80 Kilogramm wird sie bestimmt wiegen“, schätzte Orgelbauer Florian Falk, der zuvor mit seinem Kollegen Johannes Carstensen den Spieltisch abgebaut hatte. Rigoros schnitten die beiden Männer dabei unter anderem die Kabel mit einem Seitenschneider durch – vielmehr kaputt machen als sie es ohnehin schon ist, konnten sie die Orgel bei diesem Arbeitsschritt kaum.

Der Fachmann bestätigte mit einem Blick auf das 50 Jahre alte Instrument: „Es ist schon sehr veraltet.“ Die Kontakte sind stark abgenutzt und im Laufe der Jahre von Ruß, Staub und Fett verdreckt. Ähnlich sieht es bei der Tastatur aus, der die stete Benutzung deutlich anzusehen ist: Registerschalter sind abgebrochen. Die Schäden haben inzwischen ein Ausmaß angenommen, dass auch die kleinen spielerischen „Tricks“ der Organisten seit längerem nicht mehr weiterhalfen, um einen ordentlichen Klang zu erzeugen.

„Zum Teil sind auch die Installationen nicht mehr zulässig“, weiß Falk. Viele Verbindungen der elektronischen Orgel zu den Pfeifen führen direkt durchs Holz, zeigt der Orgelbauer eine Schwachstelle. „Diese Verbindungen werden warm. In Kombination mit dem trockenen Holz kann es deshalb anfangen zu brennen“, verdeutlicht er. Deshalb werden bei der kompletten Restaurierung des Spieltisches bei dem Passauer Orgelbauer Eisenbarth, einer der führenden Orgelbauwerkstätten in Bayern, nicht nur sämtliche elektronischen Register und Tontraktur erneuert, sondern die sensiblen Verbindungen gleichzeitig mit Kunststoff ummantelt. Die teils veraltete Technik wird in diesem Zuge ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht, damit die Königin der Instrumente ihrem Namen wieder alle Ehre machen kann.

St. Josef-Organistin Maria Hartl strahlte am Dienstag bei der Demontage: „Ich freue mich, dass es endlich in Gang kommt.“ Orgelbauer Florian Falk vermutet jedoch: „Sechs bis acht Wochen wird der Spieltisch weg sein, denn wir sind auf Lieferanten angewiesen. Die reine Arbeitszeit liegt zwischen drei bis vier Wochen.“ Doch in St. Josef wird es deswegen keinesfalls still bleiben. Für musikalischen Ersatz ist gesorgt worden.

Während zur Reinigung das Kircheninstrument in den Fachbetrieb nach Passau transportiert werden musste, können Falk und seine Kollegen die Orgelpfeifen zu einem späteren Zeitpunkt vor Ort reinigen. Auch für das Einstimmen des Instruments zeichnen die beiden verantwortlich. Allerdings fehlen dazu noch die finanziellen Mittel in Höhe von rund 12 000 Euro. Um sie aufzubringen, führen der Kirchenvorstand und Gemeinderat unter anderem weiterhin an jedem ersten Sonntag im Monat eine Türkollekte durch. ▪ Susanne Riedl

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