Wie der Goldfisch in die Schusterstube kommt

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Da haben sie nicht schlecht gestaunt, die Jungen und Mädchen der Klasse 3b der Grundschule Hohenfriedberger Straße aus Gelsenkirchen. Was eine Heimatstube ist, davon hatten die Junioren nur eine vage Vorstellung, als sie am Dienstagnachmittag mit ihren Lehrern Anneliese Schulte-Middelmann und Sebastian Brouka an der Nachrodter Straße eintrafen.

„Kann man hier leben?“, fragte einer der Junioren erstaunt, als er sich umschaute. Die Zeit scheint hier stehen geblieben zu sein. Klaus Potthoff und Ernst Schnepper übernahmen es, den Jungen und Mädchen die Einrichtung auf beiden Etagen sowie den benachbarten Kornspeicher zu zeigen. Da gab es viel zu sehen und natürlich zu erzählen, „wie es früher so war“. Und die Ausstattung hatte so manche Überraschung zu bieten. Ob Brennschere zum Locken formen für die Damen, Brotschneider oder Petroleumlampen, die beiden Mitglieder des Heimatvereins konnten mit interessanten Gerätschaften aufwarten, deren Funktion die kleinen Besucher bestenfalls erahnen konnten. Die Nachtmütze wurde recht schnell erkannt, aber bei den Bettschuhen gerieten die Drittklässler wieder ins Grübeln. „Die Schlafstuben waren nicht geheizt. Da war es manchmal so kalt, dass man den Atem glitzern sah.“ Die Junioren aus Gelsenkirchen nahmen natürlich auch das Trauzimmer in Augenschein und konnten eine Eheschließung simulieren, staunten über die Feuerspritze von 1909 und das „erste Blaulicht von Wiblingwerde“, das nichts anderes war als eine Laterne mit blauem Glas. Auch die ledernen Löscheimer erregten einige Aufmerksamkeit – da musste die Feuerwehr schon ein bisschen Zeit mitbringen.

Für Staunen sorgte dann Klaus Potthoff in der Schusterwerkstatt im Untergeschoss des Kornspeichers, wo der Heimatverein eine Schusterwerkstatt eingerichtet hat. „Wer weiß denn, was das hier ist“, fragte Potthoff und deutete auf die Schusterkugel, mit der der Meister einst seinen Arbeitsplatz beleuchtete. Die Antwort kam ebenso schnell wie überraschend: „Ein Goldfischglas...“ ▪ tk

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