Keine Auftritte durch Corona

Mit Udo Lindenberg auf der Bühne: Gitarrist aus dem MK fehlt „die Mucke“ 

Alexander Schmitz in seinem Element: Der 37-jährige Gitarrist aus Nachrodt hat schon etliche Konzerte gespielt.
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Alexander Schmitz in seinem Element: Der 37-jährige Gitarrist aus Nachrodt hat schon etliche Konzerte gespielt.

Ihm fehlen die Bühne, das Publikum, die Live-Gigs - einfach mal wieder „Mucke machen“. Der Gitarrist aus dem MK stand schon mit Udo Lindenberg und anderen Größen auf der Bühne.

Nachrodt-Wiblingwerde – Alexander Schmitz ist Vollblutmusiker, die Gitarre sein verlängerter Arm. Der 37-Jährige, der in der Doppelgemeinde aufwuchs, seit einigen Jahren in Osnabrück lebt und dort seit März diesen Jahres Inhaber der Bobeatz Pop Music School ist, hat sein Hobby längst zum Beruf gemacht.

Etliche Konzerte hat Alexander Schmitz mit verschiedenen Bands in den vergangenen Jahren gespielt, stand auch schon mit Musik-Größen wie Panikrocker Udo Lindenberg auf der Bühne. Die Musik ist sein Leben. Und die Sehnsucht, endlich wieder auf einer Bühne stehen zu dürfen und vor Zuschauern „Mucke zu machen“, wie er es formuliert, ist groß. Riesengroß sogar.

Corona: Absagen für Konzerte, Kneipen-Gigs und Stadtfeste

„Cancelled“, also abgesagt, steht in roter Schrift auf der Homepage des Musikers hinter einigen Auftritten, die für 2020 geplant gewesen waren. Als sich das Coronavirus Anfang 2020 auf den Weg um den Globus machte und die Welt veränderte, wurde auch die Musikbranche hart getroffen. Unheimlich hart sogar. Neue Entwicklungen der Pandemielage im Märkischen Kreis lesen Sie in unserem Live-Ticker.

Es gab eine Absagenflut, von großen Festivals über Konzerte bis hin zum Auftritt auf Stadtfesten oder in Kneipen fiel so ziemlich alles aus, was ausfallen konnte. Genauer formuliert war es keine Flut an Absagen, sondern eher ein Tsunami mit zerstörender Wirkung. Etliche Musiker und Künstler konnten von jetzt auf gleich ihrem Beruf nicht mehr nachgehen. Und viele können es bis heute nicht.

Musikschule: Gold wert in Zeiten von Corona

Alexander Schmitz, der 2011 seinen Bachelor of Arts im Studiengang Musikerziehung, Fachrichtung Popularmusik (E-Gitarre), an der Hochschule Osnabrück und ein Jahr später den Master of Music im Studiengang Musik und Kreativität an der Musikhochschule Münster machte, seit Jahren Gitarrenlehrer an der Bobeatz Pop Music School in Osnabrück ist und diese seit März als Inhaber führt, hat durch dieses berufliche Standbein die Corona-Krise deutlich besser wegstecken können als viele andere Musiker.

„Ich kenne viele Musikerkollegen, die unterrichten gar nicht und hatten seit März 2020 null Einkommen. Und weil die Soforthilfen bei ihnen nicht angekommen sind, gab es für einige Kollegen nur die Möglichkeit, Hartz IV anzumelden. Das ist echt brutal hart“, berichtet der Gitarrist.

Zurück auf der Bühne: „Hormonausstoß wird krass ein“

Wie den meisten Musikern, Schauspielern oder Künstlern kribbelt es auch ihm in den Fingern, endlich mal wieder auf der Bühne zu stehen, Musik vor Publikum zu machen. Abzugehen wie Schmitz’ Katze. „Es ist echt Wahnsinn, wie sehr mir die Gigs fehlen. Ich mache den unterrichtenden Part wirklich sehr gerne, aber vorrangig sehe ich mich als Live-Musiker.

Jemand, der eigene Musik macht, der Platten veröffentlicht, der gerne auch mal auf Stadtfesten Coverrock spielt, der will einfach wieder vor Publikum spielen. Ich fiebere diesem Tag x, wenn ich endlich wieder auf der Bühne stehen kann, unglaublich entgegen. Das wird einen Hormonausstoß geben, der krass sein wird“, betont der 37-Jährige.

Familie in Altena und Nachrodt

Er ist sowohl beruflich als auch privat gelegentlich in der alten Heimat unterwegs und besucht dann natürlich auch seine in Altena lebende Mutter und Bruder Sebastian in Nachrodt. „Es ist immer wieder schön, nach Hause zu kommen. Ich war erst am vergangenen Wochenende wieder in der Heimat“, so Schmitz.

In Nachrodt fing für ihn auch alles an in Sachen „Mucke machen“. Als Zehnjähriger machte er die Anfänge am Schlagzeug und merkte schnell, dass ihn die Gitarre ebenfalls reizt. Mit 15 lernte er dann von seinem Vater die ersten Akkorde und legte somit den Grundstein für die weitere musikalische Karriere als Gitarrist.

Schon als Kind fasziniert von Bühnen

„Ich bin dann bei der Gitarre hängen geblieben und habe jeden Tag und im Prinzip autodidaktisch gespielt. Bis zum Studium, da hatte ich dann meinen ersten Lehrer“, erzählt der Musiker. „Ich habe in der Jugendzeit schon viel gespielt mit meinen damaligen Bands. Anfangs war ich noch am Schlagzeug unterwegs, später habe ich dann an der Gitarre gestanden und nicht mehr hinter der Schießbude gesessen“, lacht der Sauerländer, den Bühnen schon früh reizten. „Schon als Kind war ich mega fasziniert, wenn ich irgendwo eine Bühne gesehen habe, auf der Instrumente standen. Da war ich immer Feuer und Flamme. Das hat nie aufgehört und ist heute immer noch so.“

Alexander Schmitz entschied sich, das Hobby zum Beruf zu machen. „Ich wollte aus der Liebe zur Musik einfach was machen. Ich bin dann irgendwann über die Musikmesse Frankfurt auf einen Flyer gestoßen und dadurch auf einen Studiengang beim Institut für Musik in Osnabrück. Die Aufnahmeprüfung hat dann auch geklappt – und ich habe parallel zum Studiengang in Osnabrück dann meine Fühler nach Bands erst so richtig ausgestreckt“, sagt der Gitarrist. Mit Studienkollegen war er Mitglied der Rockband Turbine Weststadt, mit der er auch ein Album („Wir sind zurück“) veröffentlichte.

„Mein Ding“ mit Lindenberg performed

„Auf uns ist damals Udo Lindenberg aufmerksam geworden, dessen Stiftung alle Jahre mal den sogenannten Panikpreis ausschreibt. Wir haben bei diesem Panikpreis 2012 den zweiten Platz abgeräumt“, blickt Schmitz zurück. Verbunden war die Auszeichnung mit einem Workshop mit Udo Lindenberg in Berlin.

Dieser Workshop wird ebenso unvergessen bleiben wie ein späteres Wiedersehen mit dem Deutsch-Rocker. „Wir waren mit Turbine Weststadt in Hamburg und von der Udo Lindenberg Stiftung gebucht. Und zwar im St. Pauli Theater auf der Reeperbahn. Dort gab es eine Lesung mit Ben Becker. Udo Lindenberg ist da spontan vorbeigekommen und wir haben zusammen mit ihm in der Pause den Song ‘Mein Ding’ auf der Bühne performt und auch ein paar Turbine-Songs gespielt. Das war so ein Moment, der richtig cool war.“

Auftritt mit Deep Purple

Schon 2010 stand Schmitz bei einem Konzert in Köln kurz mit Steve Lukather und Bobby Kimball von der US-amerikanischen Rockband Toto sowie mit Ian Paice von Deep Purple auf der Bühne. „Ich bin da irgendwie über Umwege mit reingerutscht, Aber das war schon granatenstark.“ Ein Riesenerlebnis war zudem 2009 der Sieg mit befreundeten Musikern beim Casting-Wettbewerb „Söhne gesucht“ der Söhne Mannheims. „Da durften wir im Vorprogramm der Söhne Mannheims auf der Waldbühne in Berlin vor 22000 Leuten spielen. Das war echt abgefahren.“

Doch das war natürlich längst nicht alles: Mit dem befreundeten Sänger und Bassisten Ruben Claro gründete Schmitz, der von 2015 bis 2017 auch als Autor für das „Guitar Magazin“ tätig war, vor vier Jahren die Rock-Band Bad Bone Beast, zu der auch Klaas „Ugge“ Ukena am Schlagzeug gehört. 2019 veröffentlichte Bad Bone Beast die Debüt-EP „Water Into Wine“.

Komplett-Ausfall ab März 2020

„Und jetzt stehen wir gerade kurz vor der Veröffentlichung unseres Debüt-Albums“, sagt Schmitz, der sich in dieser Formation „so richtig angekommen“ fühlt. „Das ist genau die Mucke, die ich immer machen wollte. Rock. Hard-Rock – auf hohem Niveau. Das macht richtig Spaß.“ Kein Spaß, so gar keiner, das waren im vergangenen Jahr die wegen der Corona-Krise gestrichenen Konzerte.

„Ab März 2020 war eigentlich alles weg“, berichtet Schmitz, der auch in anderen Bands als Gitarrist im Einsatz ist. „Ich bin normalerweise auch mit anderen Bands unterwegs und mache auch Aushilfen für andere Künstler, wenn mal ein Gitarrist nicht kann“, erklärt der 37-Jährige. So summiere sich dann die Masse an Auftritten.

Corona: 30 bis 35 Gigs fehlten in 2020

„2020 habe ich mit Sicherheit um die 30 bis 35 Gigs verloren. Wirtschaftlich war das eine Katastrophe. Aber wie schon gesagt: Ich hatte das große Glück, dass ich mein Standbein seit zehn Jahren auch im Gitarren-Unterricht habe. Seit letztem Jahr lebe ich auch nur noch vom Unterrichten und gar nicht mehr von den Live-Gagen“, so Schmitz, aus dessen Sicht die Soforthilfen im vergangenen Jahr zum Teil „Luftblasen“ waren: „Wenn man, so wie ich, Solo-Selbstständiger ist, dann gelten die Soforthilfen nur für die Betriebskosten. Davon aber bekommt man den Kühlschrank nicht voll.“

Die Arbeit von Alexander Schmitz ist ohnehin vielschichtig. Neben dem Unterrichten und dem Spielen von Live-Konzerten nimmt er auch gelegentlich „Studio-Jobs“ an, bei denen er dann für Plattenfirmen oder andere Künstler mit der Gitarre kleine Stücke einspielt. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Sauerländer dann zusammen mit seinem Kumpel Andreas Bach das Buch „Beginner’s Guitar“ – ein Lehrwerk für Anfänger an der E-Gitarre, das im Unterricht oder beim Selbststudium verwendet werden kann und im Buchhandel erhältlich ist.

Durchstarten möchte Alexander Schmitz, der auch Gitarrist der Band Faders Up! ist, nun als neuer Inhaber der Bobeatz Pop Music School Osnabrück. Aber auch auf der Bühne soll es unbedingt weitergehen, wenn es Corona wieder erlaubt. „Wir Musiker wollen doch alle endlich wieder vor Publikum spielen. Ich vermisse das so krass“, sagt Schmitz, „es wird jetzt echt Zeit...“

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