Wenn die Jungs Hemden bügeln

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Insgesamt acht junge Leute vom Berufskolleg für Technik halfen den Mädchen aus den fünften Klassen beim Technikparcours.

Nachrodt-Wiblingwerde  - Man kann mit ihnen kneifen, zwicken, schneiden und greifen. Aber ist es eine Kombizange, eine Kneifzange oder vielleicht eine Isolierzange? Knifflig waren einige Fragen aus dem Werkzeug-Quiz allemal. Aber die Mädchen hatten so gar kein Problem mit den richtigen Antworten.

Und auch in der Praxis beim Technikparcours stellten sie sich sehr geschickt an. Die Sekundarschule machte beim bundesweiten Zukunftstag für Mädchen und Jungs, beim Girls‘ Day und Boys‘ Day mit. Eine Gelegenheit, sich über die eigenen Interessen klarer zu werden. Ohne Vorurteile. Denn die Berufs- und Studienwahl sollte nicht vom Geschlecht abhängen, sondern von den Neigungen und Fähigkeiten junger Menschen.

Dass Männer in den technischen Berufen immer noch in der Überzahl und Frauen häufig in den sozialen Berufen stark vertreten sind – etwa in der Pflege oder in der Kindererziehung – ist auch 2018 immer noch gang und gäbe. Also: Raus aus den Rollenklischees: Das ist das Anliegen. Und doch diskutierten auch die Lehrer und Lehrerinnen der Sekundarschule, ob nicht durch die Aktion auch besagte Klischees bedient werden. Denn die Jungs des fünften Jahrgangs übten sich beim Wäschebügeln, Knöpfe annähen, Bett beziehen, Päckchen packen, Kartoffeln schälen, Tisch eindecken und Puppe wickeln. Mädchen-Können? Es war mehr die Puppe, die die Jungs störte, weniger das Wickeln. „Mädchenspielzeug. Da mache ich kein Foto“, erklärte sodann auch ein Schüler. Dass für Jungs Hausarbeit aber kein Buch mit sieben Siegeln ist, zeigten sie zum Beispiel beim Hemdenbügeln („das ist doch nicht schwer“) oder auch beim Kartoffelschälen. „Ein Junge war schneller als ich“, schmunzelte eine Mutter, die zum Helferteam gehörte. „Wir freuen uns, dass uns die Eltern unterstützen“, so Benjamin Hoch, Techniklehrer und Koordinator der Studien- und Berufsorientierung. Er, selbst junger Papa, konnte den Schülern auch zeigen, wie schnell das „Baby“ eine neue Windel bekommen kann.

Ein großer Dank geht auch an acht junge Leute vom Berufskolleg für Technik, die mit Marcus Kretschmer, Kooperationsbeauftragter am BKT, die Mädchen im Technikparcours begleiteten. „Die Mädchen erleben hier, wofür ein Werkzeug gedacht ist“, so Kretschmer. Ausprobieren, erleben, fühlen waren angesagt. Und es wurde gesägt, gesägt, gesägt. Der Girls‘Day ist auch für das BKT fast eine Pflichtveranstaltung, die Kooperation zwischen BKT und Sekundarschule so alt gewachsenen, dass die Lüdenscheider gern nach Nachrodt und auch zum Standort Altena kommen – im Juni übrigens erneut, wenn Flaschenöffner und Stiftehalter am Holensiepen gefertigt werden.

Übrigens: Während die 60 Kinder der Jahrgangsstufe 5 den Girls‘ Day und Boys‘ Day in der Schule verbrachten, hatten sich die älteren Schüler selbst Stellen „außer Haus“ gesucht. In ganz Deutschland wurden von Unternehmen und Hochschulen mehr als 10000 Berufsorientierungsprojekte angeboten. Seit 2001 haben laut Organisatoren des „Girls’Day“ insgesamt 1,8 Millionen Mädchen an den Aktionen teilgenommen und zwei Drittel der Teilnehmerinnen „waren der Meinung, dass der Mädchen-Zukunftstag mit Blick auf ihre berufliche Orientierung hilfreich gewesen sei.“ Ein Erfolgsmodell.

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