Lennebrücke über die B 236: Bürgermeisterin Birgit Tupat fährt schwere Geschütze auf

„In NRW gibt es nicht nur marode Autobahnbrücken“

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Bürgermeisterin Birgit Tupat ist sauer: "20 Jahre ist der Sanierungsbedarf bekannt - seit 15 Jahren wird geplant. Geändert hat sich nichts."

Nachrodt-Wiblingwerde - Der Gemeinde, mehr noch der gesamten heimischen Region, droht ein Verkehrsinfarkt. Was dramatisch klingt, ist es wirklich: Die Lennebrücke der B 236 in Nachrodt ist so marode und kaputt, das dringend gehandelt werden muss. „Für mich ist es erstaunlich, dass jetzt, nach weiteren 20 Jahren von Straßen.NRW noch einmal festgestellt wird, dass das Bauwerk mehr als sanierungsbedürftig ist“, sagte vor Ort Bürgermeisterin Birgit Tupat.

Sie will es nicht weiter hinnehmen, dass in diesen zwei Jahrzehnten einfach nichts getan wurde. Die Verwaltungschefin spricht von einer „plötzlich aufkommenden Hektik“ und sagt weiter an die Landesregierung in Düsseldorf gerichet: „Es gibt in Nordrhein-Westfalen nicht nur marode Autobahnbrücken.

Lkw nutzen die Brücke fast im Minutentakt. Das Hinweisschild wird häufig einfach ignoriert.

 Das ist es, was mich nach 15 Jahren Planung wirklich wütend macht.“ In ihrer Not wandte sich die Verwaltungschefin an die heimischen Landtags-Abgeordneten Schick (CDU) und Scheffler (SPD) und natürlich an Straßen.NRW direkt. Über die Antworten ist sie nicht glücklich. So stellt beispielsweise Ludger Siebert, Leiter Straßen.NRW fest: „(...) die Lennebrücke im Zuge der B 236 in Nachrodt macht uns große Sorgen. Leider haben wir trotz größter Not nicht die Handhabe, baulich sofort ohne Planfeststellung zu bauen.“ Und weiter führt er in diesem Statement, das er Thorsten Schick zuleitete aus: „Für ein vereinfachtes Planrechtsverfahren liegen zu viele Unwägbarkeiten in dem Ausmaß der Lärmbetroffenheit von Bürgern und in der Verfügbarmachung von fremden Grundstücken für die Baumaßnahme.“ Das bedeute, wenn sie es richtig verstehe, dass noch fünf bis sieben weitere Jahre – „dann schreiben wir womöglich bereits das Jahr 2024“ – für die reine Planung draufgingen, bevor überhaupt etwas Sichtbares passiere, ärgert sich Tupat.

Unglaubliche Verkehrsbelastung

„Wer die unglaublichen Verkehrsbewegungen auf diesem Nadelöhr Brücke kennt und weiß, wie die Wirtschaft des Raumes, auf diese Brücke angewiesen ist, weiß, das geht gar nicht.“ Beispielhaft bringt sie nur Stauumfahrer auf den umliegenden Autobahnen ins Gespräch, die sehr wohl den Weg durchs Lennetal nähmen. Auch Tupat hat, wie Straßen.NRW, Bedenken, das die wohl kommenden Lärmschutzwände auf Bürgerproteste stößen könnten. Was also tun? Straßen.NRW spricht davon, „(...) das wir den Begegnungsverkehr jetzt faktisch verhindern müssen.“ Andernfalls „(...) könne die Nutzbarkeit der Brücke gänzlich verloren gehen.“ Wahrscheinlichste Lösung: Die Einrichtung einer Lichtzeichenanlage, die die Fahrtrichtungen zeitlich getrennt und versetzt bedient, wie das auch in Werdohl-Ütterlingsen geregelt sei.

Kein Vergleich mit Ütterlingsen

Diesen Vergleich aber lässt Tupat nicht gelten. „Das kann man nicht auf unsere Situation übertragen.“ Und auch eine Sperrung für Lkw-Tonnagen über 7,5 Tonnen hält sie angesichts der Nöte der heimischen Wirtschaft für nicht praktikabel. Das Brückenbauwerk selbst wurde als Gewölbebrücke 1850 errichtet.

Im April soll die Asphaltschicht auf der Brücke erneuert werden. Dazu wird an einem Samstag voll gesperrt.

Beim Landesbetrieb wird sie seit Jahren mit der wenig schmeichelhaften Gesamtzustandsnote 3,7 geführt. Bereits vor 20 Jahren sollte die Tragfähigkeit aufgrund des schlechten Gesamtzustandes auf 20t reduziert werden. Das geschah aber nicht wegen der Bedeutung für die Wirtschaft, es wurden in beide Fahrtrichtungen lediglich Schilder „Brückenschäden“ aufgestellt. Weitergehende Sanierungen wurden nicht mehr durchgeführt. Um zumindest den weiteren Verfall durch Feuchtigkeit zu stoppen, wird in Kürze die Fahrbahn mit einer komplett neuen Asphaltschicht versehen. Es gab schon einen festen Termin, der wurde gestern kurzfristig abgesagt. Noch einmal betonte die Verwaltungschefin: „Es muss etwas passieren.“ Jahrelang habe man die Verhältnisse „wissentlich ignoriert“. Sie will deshalb auch direkt an Verkehrs-Minister Michael Groschek herantreten. Das von Michael Scheffler MdL (SPD) eingefädelte Gespräch mit einem Staatssekretär, das vermutlich in Düsseldorf stattfinden soll, ist ein erster Anfang.

Lennebrücke Nachrodt: Verkehrsinfarkt droht!

Thorsten Schick MdL (CDU):

Kontakt zu Ludger Siebert, dem Chef von Straßen.NRW, hat Thorsten Schick MdL (CDU) aufgenommen. Fernmündlich und schriftlich wies er ihn auf die Problematik der Lennebrücke hin. Schick erhielt Antwort: Die Brücke „macht Straßen.NRW große Sorgen“. Als wahrscheinliche Übergangslösung böte sich während der Sanierung eine Ampelregelung an, so Siebert.

Michael Scheffler MdL (SPD):

„Gravierend“ sind nach Ansicht von Michael Scheffler MdL (SPD) „(...) die Folgen der aktuellen Planung. Ich habe vorgeschlagen, in der Bauphase eine Ersatzbrücke zu errichten.“ Der SPD-Politiker wurde im Verkehrsministerium Düsseldorf vorstellig. „Ich habe Staatssekretär Michael von der Mühlen um einen zeitnahen Gesprächstermin mit Birgit Tupat gebeten."

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