Gedenken am Volkstrauertag

Es gibt keinen gerechten Krieg

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Ehrensache für die Mitglieder der Feuerwehr: Sie nehmen Jahr für Jahr an den Feierlichkeiten zum Volkstrauertag teil und legen auch einen Kranz für alle Opfer der Gewaltherrschaft nieder.

Nachrodt-Wiblingwerde - Pflichtveranstaltung oder wichtiger Gedenktag? Diese Frage kam auf im Hinblick auf die Besucherzahlen der Gedenkveranstaltungen an den Ehrenmälern der Gemeinde. Gerade in Nachrodt war die Resonanz eher mau. Und das obwohl die Veranstalter sich sichtlich Mühe gegeben hatten und die Botschaften der Redner alles andere als längst vergangene Geschichte waren.

Sechs Personen, abgesehen von Mandatsträgern, Sängern, Feuerwehr und Sekundarschülern, die etwas vorlasen. Das ist die Bilanz aus Nachrodt. Dabei machte Pastor Wolfgang Kube eindringlich deutlich, dass der Gedenktag an Aktualität und Bedeutung keinesfalls verloren hat: „Es gibt keinen gerechten Krieg und nur weil er gerade nicht vor unserer Haustür tobt, heißt das nicht, dass es ihn nicht gibt.“

Die Zahl der anwesenden zivilen Gäste aus der Doppelgemeinde war mehr als dürftig.

Gewaltfrei sollten wir uns für unsere Werte einsetzen, sie verteidigen. Dürften uns dabei aber nicht provozieren lassen, und nur weil man sich im Recht fühle zu Gewalt verleiten lassen. „Wir müssen uns täglich neu fragen wie wir diese Werte, die in unseren Menschenrechten verankert sind, erhalten können. Dabei dürfen wir nicht wegschauen, weil wir denken, dass es uns gerade nicht betrifft“, so Kube. Der Volkstrauertag sei somit ein wichtiger Tag der Mahnung, dessen Nachdenklichkeit zu einer besseren Gestaltung der Gegenwart führen sollte. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung in Nachrodt vom MGV Frohsinn. Im Höhendorf war die Resonanz deutlich besser. In Veserde appellierte Barbara Kreft an die Anwesenden, dass Friede auf keinen Fall eine politische Floskel sein dürfe. Sondern ein wichtiges Gut für das jeder täglich einstehen solle.

Trauern und Gedenken

 In Wiblingwerde sprach Pfarrerin Tabea Esch: „Trauer ist das einzig richtige Gefühl an diesem Tag. An Volkstrauertag fällt trauern und gedenken zusammen.“ Niemand, der nicht selbst einen Krieg miterlebt habe, könne überhaupt im ganzen Ausmaß nachvollziehen, was es bedeutet, das Kind oder den Ehemann zu verlieren. Was es bedeute, zu fliehen und sein ganzes bisheriges Leben zurück zu lassen. Was es bedeute den Ehemann nach der Rückkehr traumatisiert neue kennenlernen zu müssen. „Noch heute gibt es Menschen, die sind 90 Jahre und älter, die panische Angst bekommen, wenn es gewittert oder ein Flugzeug laut über das Haus hinwegfliegt. Dann werden sie aufgeschreckt von den schrecklichen Bildern des Kriegs“, erklärte Esch. Manchmal, so weiß sie aus Erfahrung, werden die Bilder im Alter sogar stärker, weil die Seele ihre Kraft verliere, diese zu verarbeiten. Oder man das Leben noch einmal Revue passieren lasse.

Angst bleibt

 „Das Gedenken diese Tages soll weiter reichen. Im Gedenken nehmen wir Teil und erschrecken an der Angst. Gedenken sollte aber auch immer das eigene Leben mit einbeziehen“, mahnte Esch. In Wiblingwerde und Veserde wurden die Gedenkveranstaltungen vom MGV Wiblingwerde und dem Posaunenchor begleitet.

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