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Gewerbliche Pilzsuchertrupps? Nicht in Nachrodt

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Steinpilze: Nachdem die Saison nach einem trockenen Sommer zunächst mau schien, sprießen die Pilze inzwischen zahlreich aus dem Boden. Für Pilzsammler ein Segen.
Steinpilze: Nachdem die Saison nach einem trockenen Sommer zunächst mau schien, sprießen die Pilze inzwischen zahlreich aus dem Boden. Für Pilzsammler ein Segen. © Thomas Frey/DPA

Sie parken Zufahrten zu, stürzen in die Wälder und sammeln Pilze, so viel sie tragen können. Und mehr. Der Waldbauernverband NRW klagt über gewerbliche Pilzsuchertrupps, die die teuren Pilze kilo- oder gar zentnerweise aus den Wäldern holen.

Nachrodt-Wiblingwerde –Dabei kommen sie wohl mit Stirnlampen, Trillerpfeifen und Funkgeräten für die Kommunikation untereinander. Auch Förster Christof Schäfer hat davon gehört. „Im Arnsberger Wald sind ganze Horden unterwegs. Bei uns in Nachrodt-Wiblingwerde ist das allerdings nicht so, da ufert es nicht aus.“ Vielleicht läge es auch an der Topografie. „Wir haben ein recht steiles Gelände, das ist fußläufig nicht so gut zu erreichen“, vermutet Christof Schäfer darin eine Abschreckung.

Während seine Kollegen bereits Anzeigen wegen eines gewerbsmäßigen Pilzesammelns geschrieben haben, sind in den Nachrodt-Wiblingwerder Wäldern also offenbar nur die privaten Pilzsucher unterwegs, die sich auf eine leckere Mahlzeit freuen. Viele machen sich allerdings schon morgens zu Sonnenaufgang auf die Suche nach den besten Pilzen. Doch wenn die Sammler durch die Dickungen ziehen, stört das den Frühansitz des Jägers. „Im Arnsberger Wald sind die Leute auch quer durch die Treibjagd gelaufen“, erzählt Christof Schäfer.

Grundsätzlich ist das Pilzesuchen natürlich erlaubt – für den Eigenbedarf, zwei Kilo pro Tag. Doch man muss sich schon auskennen und wissen, welcher Pilz im Körbchen landen sollte. Es gibt hochgiftige Doppelgänger, deren Gifte zeitverzögert und im schlimmsten Fall fatal wirken. Panterpilz und Perlpilz sind zum Beispiel nur von echten Pilzexperten zu unterscheiden. Der Grüne Knollenblätterpilz ist besonders häufig Verursacher schwerster Vergiftungen, weil er immer wieder mit dem Champignon verwechselt wird. In Deutschland gibt es mehrere tausend Pilzarten, von denen rund 200 giftig sind.

Förster Christof Schäfer ist selbst kein Pilzliebhaber. „Mein Ding ist das nicht. Ich nehme schon mal Hallimasch mit oder einen Steinpilz, aber ehrlich gesagt, reicht mir eine Mahlzeit, wie beim Spargel“, erzählt er schmunzelnd und rät dringend, nur die Pilze mitzunehmen, die man auch kennt. „Von allen anderen würde ich die Finger lassen“, sagt der Förster.

Pilze sammeln: Das begeistert immer mehr Menschen. Stundenlang in der Natur umherzustreifen, einen Pilz nach dem anderen zu begutachten und mithilfe eines Buches oder einer App zu vergleichen und schließlich ein köstliches Menü – für viele gern mit Nudeln – zuzubereiten, ist ein schönes Hobby. Die Pilz-Begeisterung hält sich aber auch bei Jäger Heiko Cordt wie bei Christof Schäfer in Grenzen. Ihn stören die Pilzsucher nicht so sehr wie die Mountainbiker, die durch die Wälder fahren. Und zu jeder Tages- und Nachtzeit seien die Leute mit ihren Hunden unterwegs, gern an den Windrädern. „Sie nehmen keine Rücksicht und laufen über landwirtschaftliche Nutzflächen. Man ärgert sich jeden Tag“, sagt Heiko Cordt, der Steinpilze mitnimmt, wenn er irgendwo welche sieht. „Ich laufe aber nicht extra los. Und mein Fleisch ist so gut, da brauche ich auch keine Pilze“, erzählt er lachend. Obwohl: Wildgulasch mit Pfifferlingen sei nicht zu verachten.

Unterdessen sorgt sich Landesforstministerin Silke Gorißen um den Wald. „Unser Wald ist der Klimaschützer Nummer eins in Nordrhein-Westfalen. Er ist lebenswichtiger CO2-Speicher, ein wunderbarer Ort der Erholung und liefert zudem den wertvollen Rohstoff Holz. Deswegen ist es wichtig, auf unseren Wald Acht zu geben. Dazu gehört auch, achtsam mit Naturschätzen des Waldes wie zum Beispiel Pilzen umzugehen.“

Für Forstkulturen und Dickungen gelte ein Waldbetretungsverbot nach dem Landesforstgesetz. Zudem sollte man nicht die frühen Morgen- und Abendstunden nutzen, „denn in dieser Zeit braucht das Wild im Wald Ruhe.“ Bestimmte Pilze sind aus Artenschutzgründen übrigens tabu. „Dies sind zum Beispiel der Sommer-Röhrling, Kaiserlinge und Trüffel. Daneben gibt es für beliebte Speisepilzarten wie Steinpilz, Pfifferling und die Rotkappen nach der Bundesartenschutzverordnung eine Ausnahmeregelung“, so die Ministerin und erinnert: „Was wir im Wald sehen, sind nur die Fruchtkörper der geheimnisvollen Organismen, die während des ganzen Jahres als unsichtbares Geflecht, dem Myzel, im Waldboden vorhanden sind und wichtige Aufgaben im Waldökosystem erfüllen.“

Vergiftungsfalle: Hallimasch nicht lange genug gegart

Falsch zubereitete Pilze haben in Bous im Saarland für drei Vergiftungsfälle gesorgt. Ein Paar und seine erwachsene Tochter mussten ins Krankenhaus gebracht werden. Nach Polizeiangaben hatten sie Hallimasch-Pilze gesammelt. Kurz nach dem Verzehr klagte das Paar über Unwohlsein und Halluzinationen. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei handelt es sich zwar nicht um eine Verwechslung, sondern tatsächlich um Hallimasch-Pilze, die als beliebte Speisepilze gelten. Allerdings wurden die Pilze vor dem Verzehr nicht lange genug gegart und lösten so die Vergiftungen aus. Diese waren so folgenschwer, dass der 69 Jahre alte Mann stürzte und sich eine Verletzung im Kopfbereich zuzog. Seine Frau schaffte es noch, bei Nachbarn Hilfe einzuholen, sodass diese Rettungsdienst, Notarzt und Polizei verständigen konnten. Die 44 Jahre alte Tochter des Paares wurde in ihrer Wohnung in einem kritischen Gesundheitszustand gefunden, Rettungsdienst und Notarzt wurden gerufen. Alle schweben derzeit nicht in Lebensgefahr. Auch bei den Speisepilzen muss man einige Dinge beachten, zum Beispiel eine Garzeit von mindestens 30 Minuten. Der Hallimasch ist roh auch giftig. Erst beim Erhitzen zersetzt sich dieses Gift. Generell sollte man keinen Speisepilz roh verzehren – auch keine Champignons aus dem Wald. Eine Ausnahme bilden lediglich die Zuchtchampignons.

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