Geteiltes Echo auf Naujoks‘ neue Tätigkeit

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Dass Ex-Bürgermeisterin Beatrix Naujoks die Hände nicht in den Schoß legt, sondern wieder arbeiten geht, findet in der Doppelgemeinde ein geteiltes Echo. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Irritiert sind sie. Auf der ganzen Linie. Und überrascht. Dass Beatrix Naujoks, die gerade erst mit einer Feierstunde und vielen lobenden Worten von ihrem Amt als Bürgermeisterin der Gemeinde Nachrodt-Wiblingwerde verabschiedet wurde, jetzt eine Stelle beim Märkischen Kreis antritt, löst in der Doppelgemeinde bei den einen Schulterzucken und Kopfschütteln, bei den anderen verständnisvolle Zustimmung aus.

Verständnis für Naujoks hat Gerd Schröder, aktuell zweiter stellvertretender Bürgermeister und Nachfolge-Kandidat. In der SPD, so Schröder, sei Naujoks' Rückkehr in die Kreisverwaltung kein Thema. Beatrix Naujoks mache lediglich von ihrem Rückkehrrecht Gebrauch. Sie sei zwar als Führungskraft nicht arbeitsfähig, könne aber als Sachbearbeiterin durchaus tätig sein. Als ganz so selbstverständlich bewerten dies UWG und CDU nicht. Zumal Beatrix Naujoks auch ein Pension von der Gemeinde bekommt.

„Für mich ist es unbegreiflich. Hier in Nachrodt konnte Beatrix Naujoks die Arbeit nicht mehr verrichten, weil sie so krank gewesen ist. Jetzt fängt sie beim Kreis an“, sagt Peter Joergens (UWG). Sie sei zwar rechtlich abgesichert, aber schön sei das nicht. Letztlich müsse sie ja auch beim Kreis fit für den Job sein. „Für mich ist das überraschend. Glücklich sind wir sicher alle nicht darüber. Da wird dann auch nicht über Geld gesprochen“, wundert sich Joergens, 3. stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde, der sich in den vergangenen Wochen mehrfach fragen lassen musste, ob sein mit 3300 Euro pro Jahr dotierter Posten eigentlich nicht überflüssig sei.

Auch Peter Herbel, Fraktionsvorsitzender der CDU, findet deutliche Worte. „Ich hatte immer Mitleid mit Frau Naujoks, nachdem ich wusste, dass sie ernsthaft und schwer erkrankt war. Es gab in dieser Zeit in der Gemeinde Bestrebungen, Beatrix Naujoks abzuwählen. Nicht aus meiner Fraktion. Ich habe mich dem immer widersetzt, weil ich der Meinung war und bin, dass man nicht auf jemanden, der schwer krank ist, rumtrampelt. Nur: Was sich jetzt da abzeichnet, stößt bei mir auf Unverständnis. Wenn ich mit 56 Jahren aus gesundheitlichen Gründen meinen Job hätte aufgeben müssen und hätte Rente bezogen und wäre dann ein paar Tage später bei einer anderen Firma angefangen, wäre ich meine Rente losgewesen. Bei Beamten scheint das anders zu sein. Beatrix Naujoks bezieht weiterhin Pension.“

Tatsächlich bekommt die ehemalige Bürgermeisterin gemäß Beamtenversorgungsgesetz monatlich etwa 1700 Euro Ruhegehalt von der Gemeinde – was sie selbst bestätigte. Das Geld reiche allerdings nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. „Davon muss ich auch meine private Krankenversicherung bezahlen. Da bleibt nicht viel übrig“, erklärte Beatrix Naujoks, die nach eigenen Angaben nur zwölf Stunden in der Woche arbeiten will. „Mehr kann ich nicht“, so Naujoks, die das Bürgermeisteramt nach einer Tumorerkrankung und anschließender Gehirnoperation hatte aufgeben müssen. Wöchentlich zwölf Stunden in einem Sachbereich zu arbeiten, sei etwas anderes als 60 Stunden als Bürgermeisterin im Einsatz für die Gemeinde zu sein. Der Märkische Kreis geht übrigens nach Auskunft seines Pressesprechers davon aus, dass die „Arbeitsfähigkeit gewährleistet ist.“ Und von zwölf Arbeitsstunden ist beim Märkischen Kreis, wo Naujoks Aufgaben im Bereich Integration übernehmen soll, nichts bekannt.

Wie Jürgen Röll von der Gemeindeverwaltung bestätigte, besteht für Beatrix Naujoks die Möglichkeit, trotz der Rentenbezüge aus Nachrodt-Wiblingwerde wieder eine Erwerbstätigkeit aufzunehmen – „in einem gewissen Umfang“ –, ohne dass das neue Gehalt auf die Rente angerechnet wird. Details über Zahlungen, so die Meinung von Jürgen Röll, „gehören aber nicht in die Öffentlichkeit“. ▪ sanna/vg

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