Noch drei Ausbildungsplätze bei Walzwerken frei

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Dr. Bodo Reinke (links) begrüßte bei den Walzwerken Martin Döhler, Philipp Sadeghi und Bürgermeisterin Birgit Tupat. Vorn: Ausbildungsleiterin Joana Hymmen

Nachrodt-Wiblingwerde - Erst einmal studieren. Egal was. Hauptsache Bachelor. Und dann? „Weiß man vielleicht nicht einmal, wie man telefoniert“, schmunzelt Dr. Bodo Reinke, Geschäftsführer der Walzwerke Einsal. Dass er dafür wirbt, zunächst eine Ausbildung zu machen, und sich dann gezielt weiterzubilden, ist nicht neu. 

Die Walzwerke bieten viele Wege – wie Dr. Bodo Reinke bei einem Besuch von Martin Döhler (Jobcenter), Philipp Sadeghi (Agentur für Arbeit) und Bürgermeisterin Birgit Tupat im Rahmen der Woche der Ausbildung aufzeigte. Wer sich angesprochen fühlt: Aktuell – zum 1. September – suchen die Walzwerke noch je einen Auszubildenden als Verfahrensmechaniker, Fachkraft für Metalltechnik und Werkstoffprüfer.

„Lieber klein anfangen und groß werden statt groß anfangen und klein bleiben“, meint auch Ausbildungsleiterin Joana Hymmen zum Thema Akademisierung. 20 Auszubildende gibt es „durchlaufend“ bei den Walzwerken. „Wir haben neben den klassischen Berufen auch angefangen, bei den Werkstoffprüfern das Materialwissenschaftsstudium und das Wirtschaftsingenieurstudium hinzuzufügen. Gleiches bieten wir mittlerweile auch für die Industriekaufleute an – und da auch zusätzlich den Fremdsprachenkorrespondenten. Wir sind flexibel und offen für Neues. Wir geben den jungen Menschen die Chance und fördern sie“, sagt Joana Hymmen.

Die Berufe mit einem höheren technischen Anspruch treten immer mehr in den Vordergrund. Weitergehende Qualifizierungen werden oft benötigt, sodass beispielsweise aktuell drei Mitarbeiter in Bochum studieren und ihren „Bachelor of Materials Science“ machen.

„Eine ganz große Zahl Bewerbungen bekommen wir von Studienabbrechern“, erzählt Joana Hymmen. Aber auch Haupt- oder Realschüler sollen nicht außen vor sein. „Sie haben zwar dann nicht die Möglichkeit, ein Studium zu beginnen, aber diese Schüler haben die Chance, zum Beispiel den Meister anzuhängen. Generell kann man sich immer weiterbilden“, wirbt Joana Hymmen für die Walzwerke.

Viele Unternehmen beklagen, dass die Bewerber nicht gut genug sind, dass Stellen nicht besetzt werden können. Und auch der Walzwerke-Chef sagt: „Wir haben festgestellt, dass unsere Anforderungen bei den anspruchsvolleren Berufen höher geworden sind und dass wir da Schwierigkeiten haben. Deshalb haben wir angefangen, unsere Einstellungstests anders zu gestalten.“ Statt pauschal die „klassischen Dinge abzufragen“, werden aktuell Einstellungstests entwickelt, die nicht nur Testfragen, sondern auch einschätzende Situationsfragen beinhalten. „Und wir haben Probearbeitstage. Denn ein Test ist nur eine Momentaufnahme und viele sind sehr aufgeregt“, weiß Joana Hymmen.

Dass Philipp Sadeghi von der Agentur für Arbeit das Thema „Flüchtlinge“ ansprach, versteht sich von selbst – ist er doch im „Integration Point“ tätig. Bislang sind bei den Walzwerken keine geflüchteten Menschen in Lohn und Brot, „aber grundsätzlich sind wir offen und würden es auch unterstützen, wenn ausbildungsbegleitend die Sprachkenntnisse vertieft werden. Wenn einer willig ist, ist das für uns kein Problem. Voraussetzung ist, dass er oder sie die Arbeitseinstellung mitbringt“, sagt Dr. Bodo Reinke, der in seinem Unternehmen 55 Prozent Mitarbeiter mit Migrationshintergrund beschäftigt. Martin Döhler berichtet von einer Maßnahme in Lüdenscheid, bei dem Flüchtlinge in einem Drei-Phasen-Modell arbeiten – mit allgemeiner Kommunikation, grundsätzlichen Kenntnissen der Metallverarbeitung und einem Praktikum in Betrieben, „das bestenfalls in einer Ausbildung mündet.“

Schade findet es Dr. Bodo Reinke, „dass wir in Deutschland die Mentalität haben, die deutschen Arbeitskräfte schützen zu müssen, damit niemand den Arbeitsplatz wegnehmen darf. Wir wären froh, wenn wir die ganze Welt als Pool hätten.“ Übrigens: Industriemechaniker oder Werkzeugmechaniker möchten die jungen Menschen heute gerne werden. „Unsere Jugendlichen gucken nicht nach links und rechts“, bedauert Martin Döhler. Und so sei der Verfahrensmechaniker schwerer zu besetzen. Noch schlimmer sehe es im Handwerk aus.

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