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Gesperrte A45 und Baustellen: Verkehrsfrust in Nachrodt

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Die Arbeiten am Hang in Nachrodt laufen. Doch die B236 muss auch nach diesem Schritt halbseitig gesperrt bleiben.
Die Arbeiten am Hang in Nachrodt laufen. Doch die B236 muss auch nach diesem Schritt halbseitig gesperrt bleiben. © Fischer-Bolz, Susanne

Zwei Baustellen, eine halbseitig gesperrte B236, die noch länger gesperrt bleibt und immens viel Verkehr, der durch die A45-Sperrung durch Nachrodt rollt: Der Frust ist groß in der Gemeinde. Und die Sorge um die Lennebrücke wächst. Hält sie dem Schwerlastverkehr stand?

Nachrodt-Wiblingwerde – Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht zum Hang an der B 236: Die geplante Vollsperrung zur Sprengung der Felsnase wird aufgrund der dramatischen Situation rund um die gesperrte A 45 verschoben. Aber es ist eben genau die Felsnase, die es laut Straßen.NRW unmöglich macht, den Verkehr wieder normal fließen zu lassen. Die Ampelregelung und halbseitige Sperrung bleibt. So oder so.

Dabei schreiten die Arbeiten am Hang, der großzügig geräumt wurde, sehr gut voran. „Wir arbeiten mit Nachdruck an der Vernetzung“, sagt Andreas Berg, Pressesprecher von Straßen.NRW, und kann sich gut vorstellen, dass die Netze bis Ende des Jahres fertiggestellt werden sind. „Nur die Witterung können wir nicht beeinflussen“, so Andreas Berg und erklärt, dass die Bohrung für die Anker nicht das Problem seien, sondern dass sich das Material bei Temperaturen unter fünf Grad nicht verbindet.

„Stehen vor Verkehrsinfarkt“

Aber auch, wenn Netze auf dem Hang angebracht sind, bleibt die nicht gesicherte Felsnase, von der Gesteinsbrocken auf die B236 fallen könnten. Und genau das ist das Hauptproblem. So steht die Verkehrssicherheit über dem Stau-Desaster, das bereits vor der Sperrung der A45 kaum erträglich war, mittlerweile aber jedem Verkehrsteilnehmer den letzten Nerv raubt.

„Es wird immer nur von Lüdenscheid geredet, aber wir stehen hier auch vor einem Verkehrsinfarkt“, sagt Margarete Richter, die sich in der Redaktion gemeldet hat. „Alle fahren durch Nachrodt. Der Schwerlastverkehr, der Schienenersatzverkehr. Stau wohin man blickt. Man fragt sich, wann unsere Brücke den Geist aufgibt.“ Die Sorgen um die alte Lennebrücke, die auch nur einspurig befahrbar ist, sind allerorts groß. Wird sie den zusätzlichen Verkehr aushalten?

Forderung: Engstellen auf Ausweichstrecken der A45 beheben

André Gütting, Vorsitzender der SPD Nachrodt, äußerte sich besorgt während der Sitzung des Rates. Durch den erheblichen Mehrverkehr sei es wahrscheinlich, dass die Brücke einen immensen Schaden erleiden könnte. „Wenn da etwas passiert, haben wir ein riesengroßes Problem“, so André Gütting. Bürgermeisterin Birgit Tupat teilt die Sorgen, ist sowohl mit dem Landesbetrieb als auch mit allen heimischen Abgeordneten im Land und Bund in Kontakt.

„Ich habe den Landesbetrieb aufgefordert, die Engstellen auf den Ausweichstellen schnellstmöglich zu beheben. Ich gucke aus dem Fenster und sehe den Schwerlastverkehr. Wir sind uns der Situation sehr bewusst“, erklärte Birgit Tupat, während die Blechschlange von Letmathe kommend bereits am Autobahnzubringer steht.

CDU-Vorsitzender: Brücke muss schnell gebaut werden

Bei der Bürgermeisterkonferenz waren sich Kommunen und der Märkische Kreis einig, dass der Neubau der Talbrücke Rahmede, die in einem „labilen Gleichgewichtszustand ist, keinesfalls acht bis zehn Jahre dauern darf“. „Auch fünf Jahre akzeptiere ich nicht“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat.

Der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Klaus-Dieter Jacobsen befürchtet mit Galgenhumor, dass „man nun ein Jahr die Flora und Fauna beobachte, weil man nicht wisse, was an der A 45 wachse. Und welcher Vogel auf welchem Ast sitzt“, beklagt Klaus-Dieter Jacobsen, dass man in Deutschland augenscheinlich nicht in der Lage sei, schnell zu handeln. „Die eingestürzte Brücke in Genua ist in nur 310 Arbeitstagen neu gebaut worden“, erzählt Klaus-Dieter Jacobsen.

Unternehmen schwer betroffen

Während der darauf angesprochene Pressesprecher von Straßen.NRW auf die in Deutschland rechtlichen Bestimmungen, Planfeststellungsverfahren und Untersuchungen verweist. Und ob Abreißen, Neubau und Asphaltieren in nur 43 Stunden wirklich möglich ist, wie bei der Sanyuan-Brücke in Peking oder ob es sich um Propaganda handelt, möchte Andreas Berg nicht beurteilen.

Unterdessen ist für die Talbrücke eine neue Idee in der Diskussion: Gemeint ist das sogenannte „PPP-Projekt“ (Public Private Partnership), eine Kooperation der öffentlichen Hand mit der privaten Wirtschaft. Ziel dieser Partnerschaft ist es, infrastrukturelle Großprojekte sowohl schneller als auch wirtschaftlich effizienter zu realisieren und in einer dauerhaft guten Qualität bereitzustellen.

Für Fernverkehr „völlig inakzeptable Lösung“

Auf dringendes Handeln hoffen auch alle Nachrodt-Wiblingwerder Unternehmen wie AGN. „Die B 236 vor unserem Werk ist ohnehin schon immer sehr stark frequentiert, ständig kommt es jedoch nun durch die Ampeln an der Kreuzung Autobahnzubringer und in Richtung Nachrodt durch die Baustellenampeln zu Staus. Hierdurch sind die Mitarbeiter und Lieferanten unseres Werkes erheblich beeinträchtigt. Für den Fernverkehr über die A 45 kommend aus dem Süden ist das eine völlig inakzeptable Situation, die umgehend verändert gehört“, sagt Alu-Met-Geschäftsführer Dr. Frank Müller.

Gefahr für zeitnahe Erstversorgung

Bei den Walzwerken Einsal kämpfen die Logistiker. Sowohl die Anfahrt zum Unternehmen als auch der Versand funktionieren nur mit erheblichem Mehraufwand, besonders mit Blick auf den Zeitfaktor. Und die von Speditionsunternehmen benötigten, mindestens zehn Prozent mehr Lkw-Fahrer sind auf dem Arbeitsmarkt nicht zu bekommen. „Das Problem ist mit Geld nicht zu lösen“, sagt Dr. Bodo Reinke, Geschäftsführer der Walzwerke.

Er berichtet auch von vielen Beschäftigten, die zur Arbeit pendeln und mitten im Stau stehen. „Aber man darf gar nicht an die Rettungsdienste denken, die nur mit großer Verzögerung zu den Einsätzen kommen können.“ Die Infrastruktur hängt am seidenen Faden.

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