Walzwerke „in der Zange“

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Josef Schulte (Märk. Arbeitgeberverband), Dr. Bodo Reinke und Bernd Kaiser, Leiter Rechnungswesen der Walzwerke. ▪

NACHRODT ▪ „Für unser Haus ist das ein ungewöhnlicher Schritt“ - Dr. Bodo Reinke, Geschäftsführer der Walzwerke Einsal, spricht offen von Sorgen und Entäuschungen.

„Unser Frust ist riesengroß.“ Das bezieht sich auf konjunkurelle Aussichten ebenso wie auf politische Entscheidungen auf allen Ebenen bis hinunter zum Amtshaus. Es seien dicke Belastungen, die das Traditionsunternehmen drücken. „Wir sind an einer Grenze.“ Was den Unternehmer besonders ärgert: „Wir rackern und rackern hier, und andere drehen am Rädchen“. Gemeint sind mehrfache Belastungen durch Steuern, Gebühren und Abgaben wie die „EEG“-Umlage zur Finanzierung erneuerbarer Energien. Allein letztere sorgt an der Altenaer Straße für eine jährliche Mehrausgabe von erschreckenden 500 000 Euro. Freistellungsmöglichkeiten? Fehlanzeige.

Und auch die Gemeinde kommt nicht gut weg. So gab es vor kurzem Bescheid über Kanalanschlussgebühren, für das Grundstück, auf dem vor einiger Zeit im Süden des Werkes eine neue Halle errichtet worden ist. Fällig wurden 200 000 Euro – „für ein Einleitungsvolumen, für das man bei einem Einfamilienhaus vielleicht 3000 Euro bezahlen würden“, ärgert sich Reinke über die Berechnungsgrundlagen. Dazu kämen die jüngst beschlossenen Erhöhungen von Grund- und Gewerbesteuer bis hin zu „Spitzensätzen in der Region.“ Im Gespräch mit der Gemeindespitze habe er seinem Ärger bereits Luft gemacht: „Ihr könnt uns doch nicht immer nur melken.“ Gewerbe- und Grundsteuer summierten sich für die Walzwerke auf eine jährliche Mehrbelastung von 230 000 Euro. Reinke spricht von einer „rücksichtslosen Steuerpolitik.“

Es gebe zudem in gang Deutschland eine „irre Belastung an Bürokratie und Auflagen – einiges ist einfach überreguliert.“ Gleichzeitig lässt Reinke keinen Zweifel daran, dass es „vollkommen in Ordnung“ sei, wenn jemand, der leistungsfähig ist, einen höheren Beitrag zur Solidarität leiste. Aber: „Unternehmen, die tun, was rechtlich von ihnen erwartet wird, werden Knüppel zwischen die Beine geworfen“, sagt der Geschäftsführer und erinnert daran, dass man in guten Jahren Gewerbesteuer im siebenstelligen Bereich entrichte. Er fühle sich von mehreren Seiten „in die Zange genommen.“

Zwar sei das Unternehmen technologisch und im Markt gut aufgestellt und verfüge für die nächste Zeit auch über Auftragspuffer – „insgesamt aber hat sich die Perspektive deutlich verschlechtert“, sagt Reinke. Zu den wirtschaftlichen Perspektiven: Das Auftragsvokumen habe sich gegenüber dem Vorjahr zum Monatsbeginn um 31 Prozent verringert. Zunächst könne man darauf über die Zeitkonten der Mitarbeiter reagieren. Der Geschäftsführer kann sich darüber hinaus vorstellen, dass man im vierten Quartal bestimmte Betriebsbereiche „mal für eine Woche ruhen lässt.“ Hier handele es sich nicht um Drohgebärden, sondern um wirtschaftliche Notwendigkeiten.

Ob dies ein längerfristiger Abwärtstrend sei, sei noch nicht absehbar, betont Dr. Reinke. Es bestehe kein Anlass zur Panik. „Wir werden auch diese Krise überstehen.“ Das Unternehmen ist mit 300 Mitarbeitern größter Arbeitgeber der Gemeinde und hat bisher pro Jahr rund 3,5 Millionen Euro in den Standort an der Altenaer Straße investiert. ▪ Von Thomas Keim

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