Bienenpapst in Wiblingwerde

Nachrodt-Wiblingwerde - Auch wenn er sich selbst nicht so bezeichnen mochte: Mit Dr. Gerhard Liebig hatte sich der Imkerverein Nachrodt-Wiblingwerde um seinen 1. Vorsitzenden Ralf Brüggemann einen „Bienenpapst“ in die Gaststätte „Zur schönen Aussicht“ geladen.

Nach einer 37-jährigen Tätigkeit an der Landesanstalt für Bienenkunde in Stuttgart-Hohenheim ist der Wissenschaftler 2011 in den Ruhestand gegangen und seitdem als Gastdozent an der Ruhr-Universität in Bochum tätig.

In seinen Ausführungen sollte es vor allem um die Bienenvölker und den Befall mit der Varroamilbe gehen. Sie stelle für die Bienenhaltung weltweit ein großes Problem dar. Einmal von der Milbe befallen, sterben die Völker, wenn sie nicht regelmäßig durch Medikamente behandelt werden. Bereits im Jahr 1982 hatte Dr. Gerhard Liebig mit dem regelmäßigen „Zählen“ der Milben begonnen. Nur auf diese Weise seien effektive Konzepte zur Bekämpfung der Varroamilbe möglich geworden.

 In diesem Sinne bekannte der Bienenexperte, dass er ein absoluter „Zahlenmensch“ sei, der in den vergangenen Jahrzehnten durch die genaue Beobachtung von 220 Bienenvölkern und regelmäßiger Populationsschätzungen einen großen Datenbestand aufgebaut habe.

Nur ein paar Zahlen: Insgesamt existieren rund 700000 Bienenvölker in Deutschland. Wenn es zu einem Auftreten der Varroamilbe kommt, tritt diese zu 70 Prozent innerhalb der Brut und zu weiteren 30 Prozent in den Bienen auf. Während des Sommers steckt ein Bienenvolk einen Befall von 100 Milben pro Tag locker weg. „Allerdings sollte dieser Wert im Winter deutlich unter zehn fallen“, so Liebig.

 Wie sich die Imker in diesem Fall an ihren Bienenständen am besten verhalten sollen, fasste der Referent unter dem Stichwort „Zeitgemäß imkern“ zusammen. Zunächst machte der Fachmann deutlich, dass die Behandlung nach der Honigernte erfolgen solle.

 „In der zeitgemäßen Bienenhaltung werden dazu ausschließlich Ameisen- und Oxalsäure eingesetzt, und zwar so, dass der Honig und auch die anderen Bienenprodukte frei von Rückständen bleiben“, so Liebig. Das richtige Imkern fasste der Wissenschaftler in drei Kategorien zusammen, die es zu erfüllen gelte: die richtige Beute, die richtige Biene und der richtige Imker. Während es bei der Beute vor allem auf das passende Material ankomme (Zargen aus Holz, Absperrgitter und Bienenflucht), zeichne sich die perfekte Biene dadurch aus, dass sie nicht steche, nicht schwärme und dennoch viel Ertrag bringe. Letzteres könne der Imker dadurch erreichen, in dem er sein Bienenvolk vor Erkrankungen schütze. Ansonsten gelte der Satz: „Der Fehler steht hinter dem Kasten“.

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