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Geplante Kabinensanierung: Heftige Kritik an der Verwaltung

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Die Umkleideräume unter der Turnhalle Holensiepen sollen umgebaut werden – wie genau, das ist jetzt einmal mehr offen.
Die Umkleideräume unter der Turnhalle Holensiepen sollen umgebaut werden – wie genau, das ist jetzt einmal mehr offen. © Fischer-Bolz, Susanne

Die Umkleidekabinen an der Turnhalle Holensiepen sollen bekanntlich saniert und erweitert werden. Für die große Vier-Kabinen-Lösung gibt es einen zwei Jahre alten, gültigen Ratsbeschluss – allerdings unter der Voraussetzung, dass die Gemeinde einen Förderzuschlag bekommt.

Inzwischen ist klar: den bekommt sie nicht. Also gab es verwaltungsseitig den Auftrag, einen Entwurf für eine kleine Lösung zu erstellen. Eine entsprechende Beschlussvorlage hat der Bauausschuss am Montag einstimmig abgelehnt, nachdem Christian Pohlmann, 2. Vorsitzender des Trägervereins Gartenhallenbad, von einer „einschneidenden Einschränkung der Betriebsmöglichkeiten“ des Bades durch den Umbau sprach und die Zusammenarbeit mit der Verwaltung massiv kritisierte.

Pohlmann nutzte den Tagesordnungspunkt Anfragen und Anregungen der Einwohner, um seine Sicht zu schildern. Am Freitag, 12. August, sei der Vorstand des Trägervereins Bürgerbad in einem Ortstermin von der Gemeinde darüber informiert worden, dass die Räume im Außenbereich („die uns vertraglich überlassen sind“), per Beschluss im Bauausschuss und Rat, umgebaut und unter anderem der Sportvereinigung zugesprochen werden sollten.

Trägerverein, DLRG und Förderverein betroffen

In der Beschlussvorlage heißt es konkret: „Neben zwei neuen Umkleidemöglichkeiten wurden auch WC- und Duschmöglichkeiten berücksichtigt. Der Kraftraum kann weiterhin genutzt werden und der Schießklub wurde im ehemaligen Umkleidebereich untergebracht. Räumlichkeiten für den Schiedsrichter wurden berücksichtigt, ebenso wie ein Aufenthaltsraum für den Schießklub. Ein behinderten gerechtes WC wurde eingeplant.“

Pohlmann erklärte: „Wir haben die Gemeinde darauf hingewiesen, dass hier nicht nur der Trägerverein, sondern auch der Förderverein und die DLRG betroffen sind. Diese Räume – er zählte unter anderem Räume wie die Außentoiletten, den Außenkiosk sowie einen großen Lagerraum auf – seien schon seit ewigen Zeiten für den Betrieb des Gartenhallenbads genutzt worden, vor allem auch, um den Liegewiesenbetrieb zu ermöglichen, der dem Verein aufgrund der seit Jahren nicht behobenen Schäden an der Gebäudefassade momentan von der Gemeinde untersagt sei.

Eine „einschneidende Einschränkung“

Der Kabinen-Umbau würde für den Verein eine „einschneidende Einschränkung der Betriebsmöglichkeiten“ bedeuten, so Pohlmann, der den dauerhaften Wegfall des Liegewiesenbetriebes anführte. Dem könne nicht „einfach so“ zugestimmt werden. Pohlmann fragte verärgert: „Warum wird mit uns nicht frühzeitig, im Vorfeld der Erarbeitung dieser Vorlage, gesprochen?“ Wenn es einfach versäumt worden sei, den Trägerverein im Vorfeld zu beteiligen, warum habe der Verein dann bisher noch „keinerlei Reaktion“ auf Nachfragen per E-Mail erhalten, fragte er.

Seit mehr als zehn Jahren führe der Trägerverein erfolgreich das Bad. „Niemals haben wir uns groß beschwert, aber von Beginn an den Eindruck gehabt, keine echte Unterstützung seitens der Verwaltungsspitze zu haben.“ Einzelheiten wolle er ersparen, nannte dann aber doch ein aktuelles Beispiel: Seit 2019 sei klar, dass der Förderantrag erfolgreich war und dem Bürgerbad über die Gemeinde 2,1 Mio. Euro Fördermittel zur Sanierung zugesprochen wurden – „wofür, nebenbei gesagt, die Gemeinde mittlerweile monatlich tausende Euro an Strafzinsen zahlt, weil sie die Mittel noch immer nicht verbaut haben.“

Trägerverein will in Planungen einbezogen werden

Seit Monaten fordere der Trägerverein, in die Planungen mit einbezogen zu werden – „aber ehrlich gesagt, wissen wir nichts“. Man laufe hinter Infos her. Sei man seit Monaten hinter einem Bauzeitenplan her, habe man Ende Juli eine grobe, rein in Kalenderwochen eingeteilte, stichpunktartige Planung zugeschickt bekommen. Eine Info daraus: Das Bad werde in wenigen Wochen für zwei Wochen komplett geschlossen. „Dass da vielleicht eine Vielzahl an Kursen läuft, an denen viele hundert Bürger teilnehmen, fest angestellte Mitarbeiter gerade keinen Urlaub eingeplant haben, man ein Bad auch nicht mal eben rauf und runter fahren kann, das spielt für die Verwaltungsspitze scheinbar gar keine Rolle. Frei nach dem Motto: ,Die Hansels machen das schon, was haben wir damit zu tun?’“

Pohlmann betonte, dass der Trägerverein seine Arbeit ehrenamtlich mache. Als das Bad vor einem Jahrzehnt durch den Verein vertraglich übernommen wurde, hätten jährlich 320 000 Euro für den Betrieb des Hallenbads im Haushalt gestanden. „Seitdem sind es konstant nur noch 80 000 Euro für den Betriebskostenzuschuss.“ Durch das Engagement sei in diesem Zeitraum eine Summe von fast 2,5 Millionen Euro im Haushalt eingespart worden, rechnete Pohlmann vor.

Sagt Verwaltung die Unwahrheit?

Die Widrigkeiten mit der Verwaltung habe man lange hingenommen, nun wolle man so aber nicht mit sich umgehen lassen. Der stellvertretende Vorsitzende erklärte: „Am 11. August, also einen Tag vor unserem Ortstermin mit der Verwaltung, wurde die Einladung zu dieser Bauausschusssitzung verschickt, in der geschrieben steht, es habe bereits dazu eine Abstimmung mit den Vereinsvorsitzenden gegeben.“ Eine Unwahrheit, meinte er. Denn: Weder der Trägerverein, noch der Förderverein oder die DLRG seien im Vorfeld dieser Einladung angehört worden. Die Vorlage zeuge von mangelndem Respekt vor der Arbeit, die der gesamte Trägerverein hier mache. „Dem Trägerverein diese Räume einfach zu entziehen, das ist nicht in Ordnung.“ Solle das Bürgerbad erhalten bleiben, brauche der Verein Rückendeckung und keinen Gegenwind von allen Seiten.

Seine Bitte: Diese Vorlage ablehnen und den noch immer gültigen Ratsbeschluss mit der Vier-Kabinen-Lösung für TuS und SpVgg umsetzen. „Somit würden nicht nur die beiden großen Sportvereine mit ihren hunderten von Mitgliedern die schon lange per Ratsbeschluss zugesagten Räume nun endlich bekommen, sondern auch wir könnten unsere vertraglich zugesicherten und für den Betrieb des Bürgerbads unverzichtbaren Räume weiter nutzen“, so Pohlmann.

Für die Ausschuss-Mitglieder ist die Sache klar

Für die Ausschuss-Mitglieder war die Sache schnell klar: „Wir werden so nicht zustimmen“, sprach etwa Ronny Sachse von der SPD für seine Fraktion. Als für sie „völlig neu“ bezeichnete Sonja Hammerschmidt (UWG) das, was vorgetragen wurde. Letztlich wurde der Beschlussvorschlag einstimmig von allen Fraktionen abgelehnt.

Bauamtsleiterin Natascha Handschak erklärte, dass die Vier-Kabinen-Lösung vor rund zwei Jahren beschlossen wurde für den Fall, dass man Fördermittel erhalte. Diese erhalte man nicht, weswegen man nach einer kostengünstigeren Lösung gesucht habe, die nun abgelehnt wurde.

Nächster Anlauf im Rat

Mit Blick auf die teurere Lösung erklärte sie im Nachgang zur Sitzung auf Nachfrage der Redaktion: „Wir werden uns das noch einmal anschauen.“ Spätestens am Montag, 4. September, bei der nächsten Ratssitzung, sagte sie.

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