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Geplagte Mieter vom Nachrodter Feld: Der Ärger geht weiter

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Mieter-Treffen mit Rechtsanwalt Armin Speckmann und SPD-Politikern.
Mieter-Treffen mit Rechtsanwalt Armin Speckmann und SPD-Politikern. © Fischer-Bolz, Susanne

„Der Albtraum geht weiter“, sagt Beate Ehlers. „Es ist alles so undurchsichtig“, findet Jennifer Niemann. Die beiden Mieterinnen vom Nachrodter Feld sprechen all den anderen aus der Seele. Obwohl sie Rechtsanwalt Armin Speckmann an ihrer Seite haben, der den Kampf gegen die „seltsame Geschäftspolitik“ der Caesar JV Immobilienbesitz GmbH aufgenommen hat (wir berichteten), geht die Angst um. Denn nun haben die Mieter Post bekommen.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Mieter vom Nachodter Feld sollen ihre Zahlungen zukünftig an die O.K. Haus- und Immobilienverwaltung überweisen. Machen will das erst einmal niemand. Um ihr Herz auszuschütten und dem Stillschweigen ein Ende zu setzen, gab es nun ein Treffen neben dem Amtshaus mit der SPD-Bundestagsabgeordneten Bettina Lugk. Initiiert hatte das Treffen Otto Mattke. Früher wohnte er selbst in der Siedlung, aktuell lebt sein Vater noch dort. Deshalb möchte Mattke helfen. Mit dabei waren auch die SPD-Kommunalpolitiker Gerd Schröder, Ronny Sachse und Bernd Greif. Denn obwohl es kein politisches, sondern ein juristisches Problem ist, hoffen die Mieter auf Beistand, auf offene Ohren. Und genau das haben sie auch bekommen.

Nicht vom Regen in die Traufe

Auch Rechtsanwalt Armin Speckmann war vor Ort, um klar Position zu beziehen. Er hatte für die Mieter ein Treuhandkonto angelegt. Darauf werden zurzeit alle Mieten und Nebenkosten überwiesen. Ziel seines Handelns: die drohende Sperrung der Wasserversorgung zu vermeiden. Das ist ihm geglückt. Denn Caesar hatte nach Angaben der Stadtwerke Iserlohn über viele Monate die Nebenkosten nicht an die Versorger weitergeleitet. Damit die Mieter nicht mit der neu aufgetauchten Hausverwaltung vom Regen in die Traufe kommen, hat Rechtsanwalt Armin Speckmann an die neue Haus- und Immobilienverwaltung ein Schreiben geschickt. „Sie sollen darlegen, wie sie sich vorstellen, die Versorgung der Häuser sicher stellen zu können“, so der Anwalt.

Noch keine Antwort von der neuen Hausverwaltung

Einen Persilschein möchte er der OK-Hausverwaltung nicht ausstellen. „Die Hausverwaltung soll mir sagen, wie viel Geld sie zur Verfügung hat, um die Verbrauchskosten der Gesamthäuser, die bei mehr als 10 000 Euro pro Monat liegen, zu decken, plus Heizöleinkauf, über den man jetzt auch mal nachdenken muss“, so Armin Speckmann. Bis jetzt hat er noch keine Antwort bekommen. Und auch auf die Anfragen der Redaktion gab es noch keine Rückmeldung.

„Nichts, was den Betroffenen heute hilft“

Die Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk war bereits vor dem Treffen informiert, hatte die Berichterstattung verfolgt. „Wenn man liest, dass die Wasserversorgung eingestellt werden soll, wird man ja sofort hellhörig“, sagt Bettina Lugk. Doch die Frage, die alle umtreibt: Kann Politik in irgendeiner Form helfen, Einfluss nehmen? Machen Immobilienriesen mit den Mietern was sie wollen? „In dieser Form und mit diesem Herangehen ist mir nicht bekannt, dass es häufig auftritt“, so die Bundestagsabgeordnete. In laufende Verfahren eingreifen und eine Rechtsberatung machen, sei in der Tat auch nicht möglich. „Das Wichtige ist: Wenn man solche Fälle kennt und ein Gesetzgebungsverfahren ansteht, hat man dies vor Augen und kann gucken, dass das geregelt wird. Das ist leider aber nichts, was den Betroffenen heute helfen kann“, gibt Bettina Lugk zu.

Mieter vom Nachrodter Feld trafen sich mit der SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk (rechts)
Mieter vom Nachrodter Feld trafen sich mit der SPD-Bundestagsabgeordnete Bettina Lugk (rechts) © Fischer-Bolz, Susanne

Im Miet- und Vertragsrecht sei alles geregelt und in diesem Fall nicht eingehalten worden. „Die Stadtwerke, die das Wasser liefern, haben die Abschläge nicht bekommen. Mieter haben auch einen Vertrauensschutz. Wenn sie das Geld an den Vermieter bezahlen, muss es weitergegeben werden. Da sind wir in der Rechtslage“, so die Sozialdemokratin, die auch sagt: „Ich bin ein Fan von der Trennung von Politik und Justiz.“ Dass die Mieter „in dieser verzwickten Situation“ den Rechtsanwalt an ihrer Seite haben, findet Bettina Lugk gut. Und auch, wenn es kein handfestes Ergebnis gab – kurz bevor ein Gewitter über Nachrodt zog: Dass mehrere Politiker, auch die heimischen, vor Ort waren, half zumindest emotional. „Das war das Problem: Viele hatten auch Angst, meistens gab es überhaupt keinen Ansprechpartner“, so Otto Mattke.

„Schwarze Schafe wird es immer geben“

Armin Speckmann beurteilt das Treffen so: „Die Leute leiden und es kommt jemand, der sich dafür interessiert. Das ist auf jeden Fall gut. Ich hatte befürchtet, dass Phrasen über Heuschrecken auf dem Wohnungsmarkt gedroschen würden, aber das ist nicht passiert. Ja, es gibt einen Wildwuchs, den das System zulässt, aber das System ist trotzdem nicht schlecht und es gibt keinen Grund es zu ändern. Schwarze Schafe wird es immer geben, aber es wäre ebenso ein schwarzes Schaf, wenn es ein einzelner Eigentümer wäre“, so der Nachrodter Rechtsanwalt.

Anwalt überrannt

Nach der Bürgerversammlung, in der Armin Speckmann den Mietern seine Hilfe angeboten hatte, wurde er mehr oder weniger überrannt. „Meine Sekretärin musste ins Krankenhaus und war eine Woche nicht da. Ich musste den ganzen Ansturm alleine bewältigen“, erzählt der Anwalt lachend und ergänzt. „Bereut habe ich es nicht, aber an der einen oder anderen Stelle Nerven gezeigt. Wenn ich auf zwei Telefonen telefoniere, jemand steht vor mir und dann klingelt es an der Tür, dann wird es zu viel. Aber natürlich haben die Mieter viele Fragen. Wenn es mit uns weitergehen sollte, dann sind wir gerüstet.“

Mieter sollen abwarten

Nächster Schritt: Armin Speckmann wartet auf die Antwort der neuen Hausverwaltung. „Und ich warte in erster Linie darauf, ob von der Hausverwaltung die Abschläge an die Stadtwerke für den 1. August gezahlt werden. Denn das ist etwas Objektives. Wenn die nicht gezahlt werden, dann kann ich das vom Treuhandkonto begleichen.“ Den Mietern rät er, abzuwarten. Das Modell mit dem Treuhandkonto könne man aber nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag herausziehen. Eine weitere Versammlung dazu ist geplant.

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