Georg von Löbbecke-von-Campe (15) spielt Orgel in der evangelischen Kirche

Junges Talent für traditionelle Musik

Begabter Orgelspieler: Georg von Löbbecke-von Campe (15) am Instrument in der evangelischen Kirche Nachrodt-Obstfeld.
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Begabter Orgelspieler: Georg von Löbbecke-von Campe (15) am Instrument in der evangelischen Kirche Nachrodt-Obstfeld.

1214 große und kleine Pfeifen hat die Schuke-Pfeifen-Orgel in der evangelischen Kirche Nachrodt-Obstfeld. Einer, der sie spielen kann, ist erst 15 Jahre alt und ein echtes Talent.

Nachrodt-Wiblingwerde – Montag, 16.55 Uhr. Georg von Löbbecke-von Campe (15) ist auf dem Weg zur evangelischen Kirche Nachrodt-Obstfeld. Die liegt in Sichtweise seines Zuhauses, des Hauses Nachrodt, und nach kaum 300 Metern erreicht. An einem Band um den Hals trägt er einen Chip. Den hält er, an der Kirche angekommen, kurz vor die Küstertür, die sofort aufspringt. „Ich habe drei für mich eingerichtete Übungszeiten pro Woche in den Chip einprogrammiert, die nicht veränderbar sind“, sagt er und läuft rasch durch die Sakristei. Das rot eingebundene Gemeinde-Liederbuch in der linken Hand, einige Notenblätter und einen Band mit Bach-Chorälen in der rechten Hand steigt Georg von Löbbecke-von Campe die Stufen zur Orgelbühne empor.

Heute Nachmittag ist wieder üben auf der Schuke-Pfeifen-Orgel angesagt. Bereits seit 2017 bespielt der Jugendliche dieses 1971 eingebaute Instrument mit seinen 1214 großen und kleinen Pfeifen – „und ich hoffe, ich werde täglich besser“, fügt er an.

D-Examen abgelegt

Dass ihm das „besser werden“ wichtig ist, belegt allein die Tatsache, dass er bereits mit 14 Jahren das D-Examen für nebenamtliche Kirchenorganisten abgelegt hat. Durchaus ungewöhnlich für einen Jugendlichen seines Alters. Neben dem wöchentlichen Üben und Unterrichten auf der Orgel mit Orgellehrer Frank Schulte, der als Musikpädagoge an einem Mendener Gymnasium tätig ist, besuchte von Löbbecke-von Campe einen vom evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg ausgerichteten D-Schein-Lehrgang. Mehr als ein Jahr lang unterrichtete ihn dort Kreiskantor Dmitri Grigoriev im Orgelspiel, in Musiktheorie, Orgel- und Literaturkunde, Gottesdienst- und Gesangbuchkunde sowie im Dirigat. Aber auch Liesa-Verena Forstbauer, ebenfalls Kreiskantorin, gab ihm so manchen Tipp.

Eine gute Ausbildung des Nachwuchses sei für jede Gemeinde eine Bereicherung und deshalb zwingend notwendig. Die erfolgreich abgelegte und anspruchsvolle D-Schein-Orgelprüfung wird von beiden deshalb als Meilenstein einer möglichen weiteren Ausbildung, etwa des Erwerbs des C-Examens, angesehen. Von Löbbecke-von Campe kann sich durchaus vorstellen, auch diesen Weg weiterzugehen, hat sich aber noch nicht endgültig entschieden.

Orgel spielen, Chöre leiten, Gottesdienste mitgestalten: „Für den D-Kurs genügte es, dass man etwas Klavier spielen kann“, erinnert sich Georg von Löbbecke-von Campe. Er selbst fing früh an zu musizieren. Bereits seit seinem achten Lebensjahr erhielt er Klavierunterricht, 2017 kam dann das Orgelspiel hinzu. Die ganze Familie sei musikalisch, merkt er an. Auch seine beiden Geschwister machten bis vor kurzem aktiv Musik. Der älteste Bruder spielte Klavier und Cello, der Jüngste Geige, die Mutter spielt Klavier.

„Mir liegen klassische Kompositionen“

Lieblingsstücke für Klavier oder Orgel hat Georg von Löbbecke-von Campe nicht. „Mir liegen aber klassische Kompositionen.“ Und so schwärmt er besonders von Bach und nennt auch britische Komponisten der Neuzeit, die es ihm angetan haben. „Bei uns ist es üblich, sonntags beim Frühstück, Bachmusik zu hören“, erzählt er von zuhause.

Neben dem Musizieren hat der 15-Jährige weitere Hobbies. „Ich spiele Tischtennis, bin mit Begeisterung Hobby-Zauberer, treibe viel Sport, liebe das Schachspielen und widme mich durchaus auch Computerspielen“, sagt der Burggymnasiast. 2022 wird er ein Jahr als Austauschschüler ein Internat in der Nähe von Edinburgh in Schottland besuchen. „Ich bin gespannt und freue mich drauf“, sagt er. Ob er dann auch weiter Orgel- oder Klavierspielen kann? „Ich hoffe das sehr“, denn seinen Übungsfleiß möchte er nicht abreißen lassen, um nichts zu verlernen.

Lampenfieber

Mit 15 Jahren auf der Orgelbank in Nachrodt – und neuerdings auch in Altena in der Lutherkirche – zu sitzen und einen Gottesdienst musikalisch zu begleiten. Hat Georg von Löbbecke-von Campe dabei nicht Lampenfieber? Der Jugendliche schmunzelt. „Offen und ehrlich: ja. Jedes Mal.“ Sein Orgellehrer Frank Schulte habe ihm aber vermittelt, dass das völlig normal sei und wohl nie wirklich vergehe. Deshalb sieht er auch die Ferien ziemlich gelassen, in denen er die Gottesdienste in Nachrodt musikalisch begleitet, weil der Organist im Urlaub ist.

Die Orgel in Nachrodt kennt der 15-Jährige in- und auswendig. Auch das hat ihm Schulte beigebracht, weil es wichtig sei, ein Instrument zu kennen und damit auch zu verstehen.

Zur Nachrodter Kirche hat die Familie von Löbbecke-von Campe eine besondere Beziehung. Einst stiftete sie den Kirchengrund und brachte sich danach auch weiter vielfach in der Gemeinde ein. Bis in die 1970er Jahre gab es deshalb noch ein eigenes Kirchengestühl vorne in der Kirche, verziert mit dem Wappenschild der Familie. Auch der junge Mann hat ein persönliches Verhältnis zu dieser Kirche, zum Glauben und zu Gott. Ja, er glaube schon an eine höhere Macht, an Gott, sagt der 15-Jährige. Natürlich blende er dabei nicht die Erkenntnisse der Naturwissenschaften aus. Sich selbst ordnet er „nicht als vorbildlichen Christen“ ein. „Aber es ist schön und macht mir Freude, Gottesdienste musikalisch mitgestalten zu dürfen. Darin finde ich schon eine gewisse Erfüllung.“

Die Musik ist von Löbbecke-von Campe wichtig und trotz vieler Verpflichtungen sagt er: „Nach einem schlechten Tag oder Ärger kann ich sowohl an der Orgel als auch am Klavier sofort runter kommen, den Ärger rauslassen, wenn ich musiziere. Das befreit ungemein und gibt mir immer ein gutes Gefühl.“

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