Gemeinsame Schulausschuss-Sitzung am Donnerstag / Die Zeit drängt

Talentschule will Chancen bieten

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Die Sekundarschule tut vieles dafür, um ihre Unterrichtsinhalte interessant zu gestalten. Da ist auch schon mal eine Landschaftsarchitektin zu Gast. 

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Sekundarschule will Talentschule werden. Darüber werden die zuständigen Schulausschüsse in einer gemeinsamen Sitzung beraten. Das Ministerium für Schule und Bildung hat im vergangenen Jahr einen Schulversuch unter dem Namen „Talentschule“ aus der Taufe gehoben. Vor dem Hintergrund verschiedener Bildungsstudien hatte sich gezeigt, dass Schüler in vielen Bereichen nur Grundkompetenzen erreichen und dann im weiteren Bildungsverlauf nur eingeschränkte Chancen auf Schulabschlüsse und damit berufliche Perspektiven bestehen.

 „Die Förderung dieser Schüler ist und bleibt eine große Herausforderung,“ so die Landesregierung in ihrer Erläuterung zu diesem Programm. Vor diesem Hintergrund werden, beginnend ab dem Schuljahr 2019/20, insgesamt 60 Schulen in einen Schulversuch „Talentschulen“, der insgesamt bis 2026 läuft, ausgewählt: 45 Schulen mit Sekundarstufe I und 15 Berufskollegs. Insgesamt 149 Schulen haben sich um den Schulversuch in der ersten Phase beworben.

Die Sekundarschule Altena/Nachrodt-Wiblingwerde hat Interesse, sich am zweiten Aufruf zur Einrichtung einer Talentschule beginnend ab dem Schuljahr 2020/21 zu beteiligen. Die Talentschulen sollen durch die Umsetzung besonderer Konzepte zu messbar besseren Lernerfolgen der Schüler in ihrer Breite und gleichzeitig zur Identifizierung der Po-tentiale einzelner Schüler beitragen. Es geht im Kern um die optimale Entfaltung individueller Lern- und Leistungspotentiale durch besondere Unterrichtskonzepte. Im Mittelpunkt des Konzepts der Talentschulen steht der Aufbau einer „zusätzlichen Fördersäule“: An den allgemeinbildenden Schulen wird die sprachliche Förderung im Rahmen eines ausgeweiteten Fachunterrichts vertieft. Die Fördersäulen beinhalten mehr praktisches Arbeiten und mehr Lernmöglichkeiten im Rahmen eins MINT-Profils oder eines Profils im Bereich „Kulturelle Bildung“, mehr verbindliche Beratungselemente, sowie Elemente der Berufsorientierung.

Die teilnehmenden allgemeinbildenden Schulen erhalten einen Zuschlag in Höhe von 20 Prozent auf den Stellenbedarf als zusätzliche Ressource. Für die zusätzliche personelle Ausstattung der teilnehmenden Schulen stellt das Land mehr als 400 Lehrerstellen bereit; 315 Stellen an allgemeinbildenden Schulen. Diese unbefristeten Stellen dienen zum Ausbau des Fachunterrichts, zur Unterstützung der Schulleitung, zur Reduzierung von Unterrichtsausfall, zur Erweiterung des außerunterrichtlichen Angebots sowie zur intensivierten Beratung von Schülern. Unabhängig von der Schulgröße soll außerdem an jeder Talentschule mindestens eine Stelle für Schulsozialarbeit zum Ausbau der Beratungs- und Elternarbeit eingerichtet werden. Zudem steht den Talentschulen ein zusätzliches Fortbildungsbudget in Höhe von 2500 Euro jährlich zur Verfügung. Neben den für den Ausbau des Fachunterrichts notwendigen zusätzlichen Lehrkräften können auch andere Berufsgruppen in multiprofessionellen Teams eingestellt werden. Die Schulleitung hat für die Bewerbung ein Konzept erstellt und erläutert darin, dass die Schülerschaft heutzutage einen sehr großen Anteil von Schülerinnen und Schülern mit bildungsfernem Hintergrund und herausforderndem Verhalten zeige, mehrheitlich mit Hauptschulempfehlung. In jeder Jahrgangsstufe gebe es Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf. Die Förderung aller Schülerinnen und Schüler sei somit eine große Herausforderung. Im Konzept werden die organisatorischen Maßnahmen, das Beratungskonzept, das Konzept des sozialen Lernens, das an der Schule bereits jetzt einen hohen Stellenwert einnimmt, und das Sprachförderkonzept eingehend erläutert.

Zusätzliche Ressourcen sollen nach den Vorstellungen der Schule bei der Umsetzung dieses Konzepts besonders im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich eingesetzt und im sogenannten MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) schwerpunktmäßig verwirklicht werden. Die Landesregierung erwartet bei den Investitionen der Kommunen einen „Multiplikatoreffekt“. Die Schulträger sollen über die Nutzung der Mittel aus dem NRW-Programm „Gute Schule 2020“, dem Kommunalinvestitionsförderungsgesetz, dem Digitalpakt, der Schulpauschale und weiterer schulbezogener Infrastrukturförderprogramme eine sehr gute bauliche und digitale Ausstattung der Talentschulen ermöglichen. Nachrodt-Wiblingwerde und Altena haben bereits ohne den Hintergrund dieses Schulversuchs im Rahmen ihrer interkommunalen Zusammenarbeit einen Schwerpunkt der Finanzmittel in diesem Bereich gesehen und in Abstimmung untereinander und mit der Sekundarschule einen Medienentwicklungsplan aufgestellt, der sich an den pädagogischen Vorhaben der Sekundarschule orientiert. Hierzu wird die Netzwerkinfrastruktur an beiden Gebäuden aufgerüstet (WLAN und Gigabit-Anschluss) sowie die Hardware angepasst. Damit das Kollegium mit der digitalen Struktur umgehen kann, erhält die Schule externe fachliche Unterstützung. Dies wird mit Hilfe der SIT Hemer (früher KDVZ Citkomm) organsiert. Eine schrittweise Nachrüstung der digitalen Endgeräte für Schüler sowie die Nutzung schülereigener privater mobiler Endgeräte nach BYOD-Prinzip („Bring your own device“) ist dabei eine Möglichkeit. Für die Umsetzung zu einer MINT-Schule sind in Altena bereits drei moderne naturwissenschaftliche Räume vorhanden. In Nachrodt soll der vorhandene naturwissenschaftliche Raum mittelfristig auf modernen Stand gesetzt werden.

In jeder Schule, die den Schwerpunkt auf das soziale Lernen und Teilhabe von Schülern legt, ist ein Raum für die Schulvertretung nötig. Hierfür ist in Altena mittelfristig ein ausgebauter Raum vorgesehen. In Nachrodt kann dies mit den vorhandenen Räumen organisiert werden. Nach derzeitigem Kenntnisstand gehen beide Kommunen in Übereinstimmung mit der Schulleitung davon aus, dass über die bereits eingeplanten Mittel hinaus keine zusätzlichen Investitionen zur Umsetzung des Schulversuchs erforderlich sind. Jedoch drängt die Zeit: Die Antragstellung durch den Schulträger muss bis zum 13. September erfolgen. Vor dem Hintergrund der weitreichenden Ausrichtung der Sekundarschule für die nächsten Jahre soll der Schulleitung und den beteiligten Verwaltungen Gelegenheit gegeben werden, den zuständigen Gremien in einer gemeinsamen Sitzung der Schulausschüsse das Konzept vorzustellen und darüber zu beraten. Die Sitzung findet statt am Donnerstag, 5. September, um 17 Uhr im Altenaer Rathaus.

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