Gemeinnützige Baugenossenschaft: Wohnungsgenossenschaft Lüdenscheid übernimmt Geschäfte 

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Markus Kaiser, Jürgen Röll, Renate Rump, Jens Philipp Olschewski und Guido Schönau (von links) sind sicher, dass die Gemeinnützige Baugenossenschaft in eine gute Zukunft geführt wird.

Nachrodt-Wiblingwerde - Im Dezember verabschieden sich die Vorstandsmitglieder der Gemeinnützigen Baugenossenschaft in den Ruhestand – so wie Johannes Eickmann. Zufrieden sind sie, wie es weitergeht. Denn die laufenden Geschäfte übernahm zum 1. Oktober die Wohnungsgenossenschaft Lüdenscheid.

„Wir sind ja noch da“, schmunzelt Jürgen Röll. Und Renate Rump lacht: „Aber nicht mehr lange.“ 

Ob sich jetzt das eine oder andere ändern wird? Das ist wohl mehr als wahrscheinlich. „Wir müssen uns einarbeiten und dann die Situation analysieren. Es geht darum, was passieren muss, damit die Genossenschaft wieder in ruhiges Fahrwasser kommt“, sagt Markus Kaiser, Vorstandsmitglied der Wohngenossenschaft Lüdenscheid, der jetzt auch nebenamtlich im Vorstand der Nachrodter Baugenossenschaft tätig ist. 

Ihm zur Seite stehen dabei Guido Schönau, Geschäftsführer der Mark Wohnungsgesellschaft mbh in Lüdenscheid, und Jens Philipp Olschewski. Fünf Geschäftsführer – die Alten und die Neuen – bis Dezember – für knapp 300 Wohnungen. Für den Übergang erscheint das wichtig. Von all den Diskussionen, die es im Vorfeld um die Baugenossenschaft gegeben hat, ist die Kooperationsvereinbarung mit den Lüdenscheidern eine „Lieblingslösung“. 

Es geht um 289 Wohnungen in Nachrodt-Wiblingwerde

Rechtlich bleibt die Genossenschaft selbstständig. Vorstand, Mitgliederversammlung und Aufsichtsrat bestehen nach wie vor. „Wir kennen uns schon lange, haben auch schon in Teilbereichen zusammengearbeitet. Die WGL ist für uns keine Unbekannte“, sagt Jürgen Röll. Es geht um exakt 289 Wohnungen in Nachrodt-Wiblingwerde. Der Leerstand liegt bei 9,4 Prozent. Im Vergleich zu Lüdenscheid ist dies heftig: Ein Prozent sind es in der Bergstadt – bei 900 Wohnungen. 

Die Wohnungsgenossenschaft ist der Hauptgesellschafter an der Mark Wohnungsgesellschaft, die wiederum 1312 Wohnungen mehr im Außenbereich von Lüdenscheid (aber auch in Schalksmühle, Altena, Herscheid) hat. Nachrodt-Wiblingwerde ist da die kleine Schwester, die nun am Rande zur Familie stößt. Warum der Gemeinnützigen Baugenossenschaft in der kleinsten Gemeinde des Kreises die Wohnungen nicht aus den Händen gerissen werden, die Mieter nicht Schlange stehen, hat „vermutlich viele Gründe“, wie Markus Kaiser meint. 

Mieter wünschen sich große Wohnungen für kleinen Preis

Die Arbeitsplätze spielen eine erhebliche Rolle. Die individuellen Vorstellungen der Menschen – wollen sie eher ländlich wohnen oder in der Stadt? – ist ebenso ein Thema wie der Bevölkerungsrückgang im Allgemeinen und Besonderen. Und dann sind da noch die Vorstellungen der Mieter nach großen Wohnungen für einen kleinen Preis. Die Baugenossenschaft in Nachrodt-Wiblingwerde hat deshalb schon viele Wohnungen zusammengelegt, Zuschnitte verändert. 

Ungewöhnliche Wege, wie sie die Altenaer Baugesellschaft geht – mit WG-Wohnungen beispielsweise – wird es in der kleinsten Gemeinde des Kreises höchstwahrscheinlich aber nicht geben. „Die Genossenschaften haben ja einen Förderauftrag. Man müsste zum Beispiel bei der Gründung von WGs überhaupt prüfen, ob das zulässig wäre. Natürlich wäre es denkbar, wenn es dafür einen Markt gibt“, sagt Markus Kaiser. „Unterm Strich ist eine Wohnung eine Wohnung. Das ist mehr eine Marketingmaßnahme, um dann vielleicht eine bestimmte Zielgruppe anzusprechen. Aus dem Bauch heraus meine ich, dass der Markt nicht allzu groß ist.“ 

Vielen sind 5,50 Euro pro Quadratmeter zu viel

Wie muss heute eine Wohnung sein? Vor allem groß. Und sie sollte dringend einen Balkon haben, deshalb wurden im Laufe der Jahren viele, viele neu angebracht. Manchen Mietern sind 5,50 Euro Quadratmeterpreis trotz Komplettsanierung mit Dachgauben und allem Schnick und Schnack der Wohnungen aber noch zu viel – sodass die Preise auch gesenkt wurden – wie beispielsweise am Friedhofsweg 2. Die Ansprüche haben sich verändert. 

Und in Nachrodt geht zudem der Trend zum Eigenheim. Nicht wenige Mieter der Baugenossenschaft haben die zinsgünstige Zeit genutzt, um ein Haus zu kaufen. Geld in die Hand nehmen, um Häuser fit für den aktuellen Markt zu machen und sie gleichzeitig für einen guten Preis anzubieten, ist die Krux. „Das ist der Spagat“, sagt Jürgen Röll. „Nichts machen geht aber nicht. Und nicht nur die Wohnung soll ansprechend sein, sondern das gesamte Umfeld, vom Treppenhaus bis zum Außenbereich“, so Markus Kaiser. 

Junge Mieter: Schwierigkeiten mit der Treppenhaus-Reinigung

Apropos Treppenhaus: „So lange man alte Mieter hat, kann man davon ausgehen, dass das Treppenhaus wie geleckt ist. Wenn man jüngere Mieter hat, gibt es Schwierigkeiten damit. Dann müssen wir manchmal ganz konsequent eine Firma beauftragen und die Kosten umlegen“, erzählt Jürgen Röll. Zeiten verändern sich. 

Auch in Nachrodt-Wiblingwerde. Der Wohnungsmarkt ist in erster Linie schwierig, weil grundsätzlich die Nachfrage nicht so groß ist. In Nachrodt-Wiblingwerde gibt es also schlicht zu viele Wohnungen. Und so könnte es kommen, wie man vermuten mag: Die Baugenossenschaft kann Häuser verkaufen oder abreißen. 

Wohin die Reise gehen wird, ist allerdings noch Zukunftsmusik. Aktuell gilt: Die Mieter sind zur Mitgliederversammlung geladen – und zwar für Freitag, 13. Oktober. Die Versammlung beginnt um 19.30 Uhr in der Rastatt.

Das Büro an der Hagener Straße 28/30 wird beibehalten und ist zukünftig an mehreren Tagen halbtags geöffnet, sodass die Betreuung vor Ort weiterhin gewährleistet ist. Anfragen, Wünsche oder Beschwerden können wie bisher persönlich oder unter Telefon 02352/30220 vorgebracht werden. Wenn das Büro nicht besetzt ist, werden die Anliegen nach Lüdenscheid weitergeleitet.

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