Schön, aber nicht zu oft

Viele Menschen lieben den Anblick eines nächtlichen Feuerwerks. An der Akustik aber scheiden sich oft die Geister. Grundsätzlich ist der bunte Zauber nur zu Silvester und Neujahr erlaubt. -  Archivfoto: Keim

Nachrodt-Wiblingwerde - Silvester ist noch weit - und doch muss sich in der jüngsten Zeit der für Aufgaben des Ordnungsamtes zuständige Fachbereich des Amtshauses häufiger mit Feuerwerken beschäftigen. Das Abbrennen von Feuerwerken, etwa aus Anlässen wie einem Geburtstag, hat spürbar zugenommen.

Dabei gelten gelten natürlich gewisse Regeln – und ein Gebot der Rücksichtnahme. „Nicht jeder findet es prickelnd, wenn er nachts um 11 Uhr plötzlich senkrecht im Bett steht“, sagt Axel Boshamer.

Grundsätzlich gilt: Außerhalb des 31. Dezember (Silvester) und des 1. Januar (Neujahr) dürfen Feuerwerkskörper der Kategorie 2 nur zu besonderen Anlässen mit einer Genehmigung des Ordnungsamtes abgebrannt werden. Kategorie 2 bedeutet hier, dass es sich um „Kleinfeuerwerke“ handelt, die auch von nicht als Pyrotechniker ausgebildeten Personen abgebrannt werden dürfen. Diese Feuerwerke sind „anzeigepflichtig“ wie es heißt. Sie müssen dem Ordnungsamt also mitgeteilt werden. „Genehmigungspflichtig“ sind dagegen Feuerwerke der Klasse 3 („Höhenfeuerwerke“). Hier muss sogar ein Pyrotechniker mit im Boot sein und gegebenenfalls eine Brandwache gestellt werden.

Auschlaggebend ist das Sprengstoffgesetz. Es unterscheidet diverse Kategorien: Nach der 2. Verordnung zum Sprengstoffgesetz sind die Feuerwerke der Kategorie I und II (Tischfeuerwerke und auch Kleinfeuerwerke zu Silvester) nur anzeigepflichtig. Die Anzeige erfolgt gegenüber der Gemeinde, Abteilung Bürgerservice. Feuerwerke der Klasse III aufwärts sind dagegen genehmigungspflichtig. Die Anzeige erfolgt gegenüber der Gemeinde, die den Antrag dann mit Stellungnahme an die Bezirksregierung zwecks Genehmigung weiter leitet.

Wenn Feuerwerke angemeldet werden, prüft die Gemeinde stets eine Reihe von Punkten:

– Wann soll abgebrannt werden?

– Ist die Nachbarschaft dadurch übermäßig belastet?

– Wettervorhersage

Axel Boshamer: „Wenn jetzt eine Häufung von Feuerwerken angezeigt wird, muss die Gemeinde regulieren und das Abbrennen verhindern. Auch darf nicht bei einer längeren Trockenperiode abgebrannt werden. Das entscheidet die Gemeinde immer in Abstimmung mit der Feuerwehr.“

Bei Feuerwerken, die zwar zu den Kategorien I und II gehören, aber größer aufgezogen werden (wie zum Beispiel beim Schloßhotel Holzrichter) wird seitens der Gemeinde eine Brandsicherheitswache angeordnet. Die Brandsicherheitswache prüft den Platz des Feuerwerks und auch den Abstand zur Wohnbebauung in Bezug auf Restkörper, die noch glimmen. Darüber hinaus steht ein Löschfahrzeug zur Verfügung, falls etwas Unvorhergesehenes passiert. Das Abbrennen wird bei solchen Aktionen in der Regel von Profi-Feuerwerkern durchgeführt.

Bei spontan abgebrannten Feuerwerken besteht die Gefahr, dass Personen oder Güter verletzt werden. So kann es in Wohngebieten vorkommen, dass durch Knaller Personen verletzt werden oder durch noch brennende Restteile Fahrzeuge beschädigt werden. Das wird dann für den Verursacher teuer.

Und manchmal geht es auch nicht ohne Ahndung durch das Ordnungsamt ab, wenn es bisher nach Auskunft von Axel Boshamer auch meist bei „Ermahnungen“ geblieben ist.

Wenn jemand spontan und ohne Genehmigung ein Feuerwerk abbrennt, passiert dies meistens nach 22 Uhr. Da hier die Nachtruhe gestört ist, wird ein Bußgeld wegen Verstoßes gegen das Landesimmissionsschutzgesetz verhängt. Die Nachtruhe gilt von 22 Uhr bis 6 Uhr. Boshamer: „Ein Bußgeld richtet sich dann nach der Lage des Wohngebietes und die Störung für die Allgemeinheit.“

Im Bereich von Kirchen oder Altenheimen dürfen übrigens übergaupt keine Feuerwerke abgeschossen werden. Das gilt generell für alle Klassen.

Was kann jemand tun, der ein Feuerwerk mit behördlicher Erlaubnis abbrennen will? Er stellt einen Antrag bei der Gemeinde, schriftlich, telefonisch oder per Mail. Im Antrag muss angegeben werden, wo das Feuerwerk stattfinden soll und was in die Luft geschossen wird. Auch die Dauer ist wichtig.

Gemeinde prüft und macht folgende Auflagen: Brandsicherheitswache ja oder nein, Dauer des Abbrennvorganges (meistens 15 Minuten). Zudem muss das Feuerwerk meistens bis 23 Uhr beendet sein. Die Gebühr beträgt übrigens 20 Euro. Es empfiehlt sich eine Vorab-Information an die Nachbarschaft, etwa durch Handzettel oder Mund-zu-Mund-Nachrichten. Eine Info des Ordnungsamtes geht dann an die Feuerwehr und die Polizei zur Kenntnis. - Von Thomas Keim

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