Gemeinde spricht über Zukunft von St. Josef

Johannes Fischer, Vorsitzender des Gemeinderates, erklärte bei der Gemeindeversammlung am Sonntag, was auf die Gemeinde in den kommenden Jahren zukommen könnte.

Nachrodt-Wiblingwerde - Teilweise Gestaltungsfreiheit auf dem Hintergrund zunehmender Verarmung – so ließe sich das Programm zusammenfassen, mit dem das Bistum Essen in den kommenden Jahren auf die finanzielle Krise der Kirche reagiert. Johannes Fischer, Vorsitzender des Gemeinderates, erklärte bei einer Gemeindeversammlung am Sonntag, was auf die Gemeinde in den kommenden Jahren zukommen könnte.

Die finanziellen Zusagen des Bistums entbehren dabei nicht einer gewissen Klarheit: So sollen die finanziellen Schlüsselzuweisungen an die Gemeinden aus Essen „wohl bis 2030 gleich bleiben“. Nominell, versteht sich, denn gleichbleibende Überweisungsbeträge würden kontinuierlichen Kostensteigerungen gegenüberstehen.

Eine Modellrechnung nennt die Zahlen: In den nächsten fünf Jahren bis 2020 müssen die Kosten der Gemeinden um etwa 30 Prozent gekürzt werden, bis 2030 sogar um 45 Prozent. Diese Dimension notwendiger Einsparungen hat Folgen: „Es gibt keine Tabuthemen – es muss wirklich alles angesprochen werden: ‚Brauchen wir das, oder brauchen wir das nicht?’“, mahnte Johannes Fischer und blickte in die Runde: „Ich schaue in viele entsetzte Gesichter.“ Was „alles – ohne Tabus“ heißen wird, machte schon die kurze Diskussion in der Versammlung deutlich: Es wird Fragen geben wie jene, ob sich die christlichen Konfessionen in Nachrodt zukünftig nicht eine Kirche teilen können. Kann man einen Gottesdienst nicht auch im Gemeindehaus würdig gestalten? Und lohnt es

sich noch, die Renovierung der Orgel fortzusetzen, wenn die Kirche möglicherweise aufgegeben werden muss und schon die Kälte dem Instrument den Garaus machen würde?

Offenbar passen Anspruch und Wirklichkeit auch bei den Vorstellungen der Bistumsführung nicht zusammen: „Die Gottesdienste müssen von Priestern gehalten werden, die nicht mehr da sind“, hieß es aus der Runde beim Blick auf den dramatischen Rückgang bei der Zahl der Priester im Bistum.

Zwischen 2000 und 2015 halbierte sich deren Zahl auf derzeit noch 230. Bis 2030 soll sich diese Zahl noch einmal fast halbieren. Deutlich wurde in der Gemeindeversammlung, dass es viele Unstimmigkeiten bei den „Dienstanweisungen“ gibt – etwa hinsichtlich der Fragen von Laiengottesdiensten oder bei der – eher ausgebremsten - ökumenischen Zusammenarbeit mit der evangelischen Kirche.

Mit einer gewissen Bitterkeit wurde vermerkt, dass es keinen Finanzausgleich zwischen reicheren und ärmeren Bistümern gebe. Johannes Fischer stellte auf diesem Hintergrund sogar die ketzerische Frage: „Warum lässt man das Bistum nicht pleitegehen?“ Denn dann müssten die reicheren Nachbarbistümer Verantwortung übernehmen. Doch soweit ist es noch nicht.

Bis zum Herbst sollen Gemeindemitglieder im Rahmen des Pfarrverbundes eine Arbeitsgruppe bilden, die Entscheidungsvorschläge zur Meisterung der finanziellen Krise entwickeln soll.

„Geht an die Grenzen, soweit es geht“, forderte Johannes Fischer. Und eine Besucherin machte allen mit einem Zitat von Papst Franziskus Mut. Er hatte bekundet: „Gemeinden sollen sich auch Beulen holen.“ Trotz allem funktioniert in Nachrodt noch sehr viel, wie die Berichte von Christa Nölke und Birgitta Knoop zeigten. Die katholischen Frauen bilden im Rahmen der kfd „eine sehr lebendige Gruppe“ mit zahlreichen Aktivitäten auch in diesem Jahr.

Der Familienkreis widmet sein Engagement dem Nachwuchs. So sollen im Sommer erneut Ferienspiele angeboten werden. „Der Schatz im Acker“ lautet die verheißungsvolle und durchaus passende Botschaft. Vielleicht helfen ja die Kinder der Gemeinde aus der Misere. - thk

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