Generelles Umdenken notwendig

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Gut besucht war die Gemeindeversammlung St. Josef.

Nachrodt-Wiblingwerde -  Hoch interessant war sie, die Gemeindeversammlung von St. Josef. Die Themen, etwas anders als sonst, drehten sich um die Zukunft. Wie wird sie wohl aussehen? Dabei stand das Votum zum Pfarreientwicklungsprozess im Mittelpunkt.

Dass die Rolle der Frauen in der katholischen Kirche diskutiert wurde und es einen Antrag gab, einmal im Monat den Sonntagsgottesdienst von einer Frau gestalten zu lassen, zeigte, wie lebendig, wie interessiert die Nachrodt-Wiblingwerder Katholiken eine neue Zeit einläuten.

Der Gemeinderat St. Josef wird sich verabschieden. Für immer. Am 17. November stehen Neuwahlen an. In St. Josef wird es dann keinen eigenen Gemeinderat mehr geben. Es wird stattdessen ein Gesamt-Pfarrgemeinderat gewählt, in dem alle Gemeinden vertreten sein werden. Vor Ort in Nachrodt soll es zudem einen Gemeindeausschuss geben, der auch weiterhin das Geld für St. Josef verwaltet. „Wenn wir die Ferienspiele, Sternsingeraktion, Erntedank, Martinszug und das Gemeindefest weiterführen wollen, dann müssen wir Leute finden, die das in die Hand nehmen“, so Johannes Fischer, Vorsitzender des Gemeinderates.

Zeitgleich mit der Wahl zum Gesamt-Pfarrgemeinderat (mit zehn Mitgliedern) finden auch die Kirchenvorstandswahlen statt. Die Mitglieder werden immer auf sechs Jahre gewählt, wobei alle drei Jahre die Hälfte neu ernannt wird, damit nicht alle ganz frisch neu einsteigen müssen.

Das Votum zum Pfarreientwicklungsprozess besteht aus zwei Teilen: dem pastoralen und dem wirtschaftlichen Teil. Kathrin Richter zeigte auf, was „wir uns vorstellen, was wir vor Ort veranstalten möchten.“ Das sind beispielsweise unterschiedliche Gottesdienstformen, an vielleicht ungewöhnlichen Orten.

„Wir wollen wirksame Kirche und Gemeinde sein und leben. Wie gehen wir miteinander um? Wir wollen wahrnehmen und auch Hilfestellung geben, wenn es materielle oder soziale Nöte gibt“, so Kathrin Richter, die auch die „einladende Kirche“ nannte. Gottesdienste im Pertheshaus würden die Möglichkeit bieten, Kontakte nicht abreißen zu lassen, und auch behilflich zu sein. Zudem soll das Handeln den Menschen unter die Haut gehen.

Sich dem Zeitgeist anpassen: Das möchten die Gemeindemitglieder von St. Josef. „Wir wollen nicht alles umändern, aber auch neue Schritte wagen“, sagt Kathrin Richter. Die lernende Kirche möchte sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, die Angebote danach ausrichten.

Ist es ein deshalb auch ein Bedürfnis, Frauen in die Gottesdienstgestaltung einzubinden? „Die Zahl der Priester geht drastisch zurück. Bis zum Jahr 2030 sind wir auf dem Weg in die Katastrophe. Bis jetzt ist unsere Kirche männerorientiert. Das lässt sich nicht mehr aufrecht halten. Wenn man sich mal umguckt, sieht man, welche wichtige Arbeit von Frauen geleistet wird. Das sollte man anerkennen. Ich stelle den Antrag, dass einmal im Monat eine Frau den Sonntagsgottesdienst gestaltet“, so Friedrich Petrasch.

Zu einer Abstimmung kam es nicht – unter anderem auch deshalb, weil die Strukturen innerhalb der katholischen Kirche die Idee so nicht einfach zulassen. „Ich kann das alles sehr befürworten, aber es gibt Zwänge, unter denen ich als Pfarrer stehe“, so Pfarrer Schmalenbach. “ Und: Viele Gäste der Gemeindeversammlung waren der Ansicht, erst einmal Menschen mit ins Boot zu holen, sie zu begeistern und zu binden.

 Es gibt aktuell nur noch 1,5 Priesterstellen in der Pfarrei. Vieles, was früher geschafft wurde, kann heute nicht mehr geleistet werden. Zumindest nicht mit Hauptamtlichen. Und so formulierte es eine Katholikin: Die männliche Dominanz der Kirche sollte sich dem Diakonat für die Frau öffnen. Ein generelles Umdenken sei notwendig.

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