Gemeindesportverband steht vor der Auflösung

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Der Sportabzeichenbeautragte Jörg Tybussek, der Vorsitzende Uwe Perlowsky und die Geschäftsführerin Ingrid Ladwein (v.l.) sind seit Jahrzehnten in der Interessenvertretung der heimischen Sportvereine aktiv und wollen sich jetzt zurückziehen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Ein halbes Jahr „Gnadenfrist“ hat der Vorstand des Gemeindesportverbands (GSV) seinen  Vereinen eingeräumt – finden sich bis dahin keine Nachfolger für die Ämter, wird sich das Gremium wohl auflösen oder unbequeme Wege einschlagen müssen.

Bedauerlich wäre das vor allem für die Sportabzeichenabsolventen. Ihre Angelegenheiten müssten über den Kreissportbund geregelt werden.

Denn auch Sportabzeichenbeauftragter Jörg Tybussek wird nach vielen Jahren sein Amt niederlegen. „Er hat definitiv immer die meiste Arbeit gehabt“, erklärte GSV-Vorsitzender Uwe Perlowsky.

Bis zur Sportabzeichen-Reform war das vor allem viel Arbeit mit Papier. Jetzt braucht es eine registrierte Software und gute PC-Kenntnisse, um die Daten einzupflegen. Jörg Tybussek hat dafür nach eigenen Worten jährlich die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr geopfert. „Ich habe es gern gemacht, insbesondere für die Kinder. Aber es ist an der Zeit, jemand anderen einzuarbeiten.“

Ähnlich geht es auch den weiteren Vorstandsmitgliedern Uwe Perlowsky, Ingrid Ladwein und Axel Koch. „Das Ehrenamt hängt seit Jahrzehten an denselben Personen. Aber wir sind nicht auf Lebenszeit gebucht“, so Perlowsky. Einzig Kassierer Jürgen Ruyter, der die überschaubaren Geldein und -ausgänge verwaltet, würde bei einer Vorstandsneuwahl weiter machen.

Für April wird der Gemeindesportverband zu einer Sondersitzung einladen, bei der sich mögliche Nachfolger zur Wahl stellen können. Alle dem GSV angeschlossenen Vereine werden benachrichtigt. Das sind TuS Nachrodt-Obstfeld, TV Wiblingwerde, DLRG, Sportvereinigung Nachrodt, TC Blau-Gold Einsal, Schießclub, Angelsportverein und die Betriebssportgemeinschaft der Walzwerke Einsal. Auch nicht in Vereinen organisierte Sportler können sich zur Wahl stellen. „Sinnvoll wäre es natürlich, wenn Leute kandidieren würden, die sich mit den Sportstätten auskennen“, so Perlowsky.

Eine Möglichkeit für die Zukunft wäre eine Verschlankung des Vorstands. „Der Verband braucht nicht dringend fünf Vorstandsmitglieder“, erklärte der scheidende Vorsitzende. Eine weitere, aber unpopuläre Lösung wäre ein Wechselprinzip, bei dem jährlich ein anderer Verein die Geschicke des Gemeindesportverbands in die Hand nehmen würde.

Der GSV ist Mittler zwischen Kommune und Kreissportbund, kümmert sich um Hallenbelegungsangelegenheiten und individuelle Anliegen der örtlichen Sportvereine. Die Vergangenheit hat gezeigt: Der GSV wird gebraucht. Das brachte Heinz-Joachim Even als Vorsitzender des TuS in der Mitgliederversammlung am Dienstag auf den Punkt. Even war einer der fünf Teilnehmer der Versammlung im Clubheim des TC Blau-Gold Einsal, die dem GSV-Vorstand nicht angeörten. Er will auf jeden Fall für den GSV trommeln, um mögliche Nachfolger zu finden. „Der ist unsere wichtigste Interessenvertretung“, gab Even zu bedenken.

Deutlich hatte sich das unter anderem gezeigt, als die Gemeinde Sportstättengebühren ins Leben rief. Die damalige Diskussion hat der Gemeindesportverband konstruktiv begleitet. Dass, die bis heute nicht vorbei ist, zeigt die die Einführung eines elektronischen Schlüsselsystems für das Wilhelm-Mestekämper-Stadion. Damit soll Privatpersonen außerhalb von Vereins-Trainingszeiten die Nutzung ermöglicht werden. Für die Sportvereine wäre es wünschenswert, dass die Einführung dieses Systems weiterhin von einer offiziellen Interessenvertretung wie dem GSV begleitet wird. „Mit dem Chip kann auch viel Unsinn passieren“, befürchten unter anderem TuS und der Sportvereinigung. Das gewichtige Wort des Gremiums in solchen Angelegenheiten würde fehlen, wenn sich der GSV tatsächlich auflösen müsste. - Ina Hornemann

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