Schulverbund soll Wiblingwerde retten

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Die Grundschule in Wiblingwerde. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die beiden Grundschulen in Nachrodt und Wiblingwerde werden ab dem Schuljahr 2013/14 als Grundschulverbund geführt. Das hat der Gemeinderat in seiner Sitzung am Montagabend einstimmig beschlossen und damit den Schulstandort Wiblingwerde vorerst gesichert.

Nachdem der NRW-Landtag im November im 8. Schuldrechtsänderungsgesetz festgelegt hatte, dass Grundschulen mit weniger als 92, aber mindestens 46 Schülern nur noch als Teilstandorte eines Grundschulverbundes geführt werden können, war der Rat unter Zugzwang geraten. Um die Grundschule Wiblingwerde, die derzeit von 86 Kindern besucht wird, erhalten zu können, war eine Kooperation mit der Grundschule Nachrodt erforderlich. Dagegen opponierte allerdings die Nachrodter Schulpflegschaft. Die Eltern befürchteten, dass die Qualität des Unterrichts in Nachrodt leiden könnte.

Der Rat, der eigentlich schon in seiner Dezember-Sitzung entscheiden wollte, vertagte sich in der Hoffnung, in Verhandlungen mit dem Schulministerium eine andere Lösung finden zu können. Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. „Wir haben über den Landtagsabgeordneten Michael Scheffler Kontakt zum Ministerium aufgenommen, aber bis heute keine Antwort erhalten“, teilte Bürgermeisterin Birgit Tupat am Montag dem Rat mit. Eine gleichzeitige Anfrage beim Schuldezernat der Bezirksregierung Arnsberg sei negativ beschieden worden: Obwohl Wiblingwerde mit 86 Schülern nur knapp unter der für eigenständige Schulen erforderlichen Anzahl von 92 Schülern liege, könne keine Ausnahme gemacht werden. „Die waren noch nicht einmal bereit, sich mit uns an einen Tisch zu setzen“, bedauerte Tupat, dass in Arnsberg offenbar nur nach Aktenlage entschieden worden sei.

Die Ratsmitglieder sprachen sich darauf hin, wenn auch etwas widerwillig, für den Grundschulverbund zwischen Nachrodt und Wiblingwerde aus. Matthias Lohmann (SPD) glaubte zwar, eine kleine Gesetzeslücke erkannt zu haben und hätte am liebsten noch einen Versuch unternommen, sie auszunutzen. Allerdings wäre der Gemeinde dann die Zeit davon gelaufen.

Viele Eltern warteten ohnehin schon ungeduldig auf eine Entscheidung, um ihre Kinder für das neue Schuljahr anmelden zu können. Und einige sind auch nach dieser Entscheidung noch unsicher, ob die im September einzuschulenden Kinder auch die vollen vier Grundschuljahre in Wiblingwerde verbringen können. Sie versuchte UWG-Fraktionssprecher Johannes Illerhaus, zugleich Leiter der Grundschule Nachrodt, in einer anschließenden Aussprache zu beruhigen. „Dass in Wiblingwerde die Zahl von 46 Grundschülern unterschritten wird, werde ich nicht mehr erleben“, prophezeite der 61-Jährige. Diese These untermauern auch die Zahlen, die der Gemeindeverwaltung vorliegen. „Alle unsere Prognosen liegen darüber“, sagte gestern Kämmerin Gabriele Balzukat unter Verweis auf die Geburtenstatistik, die die Grundlage für die Schulplanung bildet. Der Tiefststand von 62 Schülern werde voraussichtlich im Schuljahr 2017/18 erreicht.

Dennoch verhehlte Balzukat nicht, dass es auch Eltern aus Wiblingwerde gibt, die ihr Kind nicht an der dortigen Grundschule anmelden. Die Begründungen dafür seien in den meisten Fällen plausibel: Wegen anderer Lernkonzepte wählen manche Eltern die Waldorfschule, andere melden ihr Kind beispielsweise in Letmathe oder Hohenlimburg an, weil dies besser mit dem eigenen Arbeitsweg vereinbar ist. „Es gibt eben die freie Schulwahl“, so Kämmerin. Dass solche Entwicklungen der Gemeinde die Schulplanung nicht gerade erleichtern, liegt auf der Hand. ▪ Volker Griese

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