Politiker von Protesten gegen Windkraft überrascht

Symbolfoto. Foto: dpa

Nachrodt-Wiblinwerde - Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung am Montagabend den Beschluss des Planungs- und Bauausschusses noch einmal bestätigt und einstimmig beschlossen, die Ausweisung von Vorrangzonen für die Errichtung von Windkraftanlagen vorerst auf Eis zu legen.

„Die Bürgerversammlung in Veserde hat uns erst die Augen geöffnet“, bekannte SPD-Fraktionschefin Susanne Jakoby freimütig, dass die Politiker das Belastungspotenzial der Anlagen zuvor unterschätzt hätten. Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Peter Herbel gab zu, „vom Umfang des Protestes überrascht“ worden zu sein. Auch UWG-Fraktionssprecher Johannes Illerhaus räumte späte Erkenntnis ein: „Erst in der Bürgerversammlung ist mir klar geworden, welch gigantische Türme dort gebaut werden sollten.“ Für seine Erkenntnis, dass der Rat die Interessen der Einwohner und nicht die von Investoren zu vertreten habe, erntete Illerhaus Beifall aus den Reihen der Zuhörer.

Noch ist es allerdings nicht zu spät, noch können die Einwendungen und Beschwerden aus der Bevölkerung in dem Verfahren zur notwendigen Änderung des Flächennutzungsplanes berücksichtig werden. Und davon will der Rat jetzt Gebrauch machen. Einstimmig hat er am Montag entschieden, mit den Untersuchungen noch einmal ganz von vorne zu beginnen – und sich dabei Zeit zu lassen. Zeit, um zum Beispiel die erwartete Windkraft-Novelle der Landesregierung zu berücksichtigen. „Diese Zeit sollten wir auch nutzen, um nachzudenken, ob es sinnvoll ist, Maßnahmen gegen den erklärten Willen der Veserder Bevölkerung durchzusetzen“, betonte Herbel. Er schien auch nicht davon überzeugt zu sein, dass Vorrangzonen zwingend erforderlich sind, um Wildwuchs an Windkraftanlagen zu vermeiden. „Ich glaube nicht, dass wir an Veserde festhalten müssen, weil die Gemeinde sonst verspargelt wird“, sagte er und bezweifelte, dass es so viele Investoren überhaupt geben könnte. Susanne Jakoby betonte, dass nun Standortalternativen zu Veserde gesucht werden müssten, an denen die Belastung der Bevölkerung vertretbar sei. - Volker Griese

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