Gemeindehaus wechselt den Besitzer

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Über Jahrzehnte hatten die Gruppen der Evangelischen Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld an der Schillerstraße eine Bleibe, jetzt wird das Gebäude verkauft. An der Kirchstraße soll ein kleinerer Neubau entstehen.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Seit vier Jahren hatte sich die Evangelische Kirchengemeinde Nachrodt-Obstfeld um den Verkauf ihres Gemeindehauses an der Schillerstraße bemüht. Jetzt hat sie einen Käufer gefunden. Voraussichtlich im September wird die Immobilie den Besitzer wechseln.

„Der Kaufvertrag ist unterschrieben“, bestätigte Jochem Demmer, Gebäudemanager und Bau-Presbyter der Gemeinde, dass die Verkaufsbemühungen jetzt zum Erfolg geführt haben. Nach Demmers Worten hat ein Nachrodter Privatmann das Gebäude gekauft, um es für Wohnzwecke zu nutzen. Auf 470 Quadratmetern Nutzfläche sollen demnach drei bis vier Wohnungen geschaffen werden. Eine Nutzung, die ganz im Sinne der Kirchengemeinde, so der Presbyter. Seitdem das Gemeindehaus zum Verkauf stand, hatte es immer wieder Befürchtungen gegeben, andere religiöse Gemeinschaften könnten sich darin niederlassen. „Das hätte aber auch die Landeskirche nicht mitgemacht“, sagte Demmer und verwies darauf, dass die zukünftige Nutzung mit dem neuen Eigentümer auch vertraglich geregelt worden sei.

Am Verkauf des Gemeindehauses habe einfach kein Weg vorbeigeführt, rechtfertigte Jochem Demmer den Schritt der Gemeinde, sich von der für heutige Verhältnisse überdimensionierten Immobilie zu trennen. „Man at damals nach anderen Maßstäben geplant“, blickte er auf die frühen 1980er Jahren zurück, als das Gemeindehaus neu errichtet worden ist. Die schrumpfende Gemeinde habe in den Folgejahren aber immer weniger Zuweisungen seitens der Landeskirche erhalten. Um das Gebäude unterhalten zu könne, habe die Gemeinde ihre Rücklagen angreifen müssen und immer weniger Geld für andere Aufgaben zur Verfügung gehabt, erläuterte der Presbyter.

Pfarrer Wolfgang Kube

Auch Pfarrer Wolfgang Kube steht voll und ganz hinter dem Verkauf. „Der Abschied fällt natürlich schwer, denn für viele unserer Gemeindeglieder hängen persönliche Geschichten an diesem Haus. Hier hat sich ja das Gemeindeleben einer ganzen Generation abgespielt“, kann der Seelsorger verstehen, dass die Veräußerung der Immobilie in der Gemeinde auch durchaus kritisch gesehen wird. Aus finanziellen Gründen habe es aber dazu keine Alternative gegeben.

Hintergrund

Das Evangelische Gemeindehaus an der Schillerstraße ist ein Nachfolgebau des früheren CVJM-Hauses, das während des Dritten Reiches in den Besitz der Kirchengemeinde gelangt ist. Der CVJM hatte die Immobilie damals auf Druck der Nazi-Diktatoren aufgeben müssen und hatte sie an die Kirche abgegeben. In der Folgezeit wurde das Haus mehrfach um- und sogar neugebaut. Nach einem Brand im Jahr 1984 erhielt das Gemeindehaus sein heutiges Aussehen. Über den Verkauf wird diskutiert, seitdem bei einer Visitation der Kirchengemeinde im Sommer 2008 durch den damaligen Superintendenten des Kirchenkreises Iserlohn, Albert Henz, das Immobilienkonzept der Gemeinde hinterfragt wurde. Insbesondere das Gemeindehaus steht seitdem auf der „Abschussliste“.

Obwohl das Gemeindehaus zukünftig nicht mehr zur Verfügung steht, soll das Gemeindeleben aber nicht zum Erliegen kommen. So ist geplant, von dem durch den Verkauf des Gemeindehauses erlösten Geld – dem Vernehmen nach rund 180 000 Euro – einen gemäß den Bedürfnissen der Gemeinde dimensionierten Anbau an das Pfarrhaus an der Kirchstraße zu errichten. „Wir planen den ersten Spatenstich noch für dieses Jahr“, deutete Jochem Demmer an, dass diese Planungen schon weit fortgeschritten sind. Gleichwohl seien noch diverse Genehmigungen einzuholen. Aus Sicht von Pfarrer Kube, der in der Gemeindearbeit an zwei Standorten – Kirchstraße und Schillerstraße – durchaus Probleme gesehen hat, können sich durch diesen Neubau positive Effekte ergeben. Dann könne die Gemeindearbeit endlich an einer zentralen Stelle stattfinden.

Für die Übergangszeit vom Auszug aus dem Gemeindehaus und dem Einzug in das neue Domizil hat das Presbyterium hat entsprechende Vorkehrungen getroffen. Mit der katholischen St. Josef-Gemeinde Nachrodt bestehe bereits eine Vereinbarung, deren Vereinshaus an der Hagener Straße nutzen zu dürfen, sagt Pfarrer Kube. Einige Veranstaltungen sollen aber auch in der Rastatt und im Perthes-Haus stattfinden. ▪ Volker Griese

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