Wenn es einmal brennt, bleiben nur vier Minuten

Gemeindebrandinspektor Michael Kling legte den Wiblingwerder Frauen die Installation von Rauchmeldern ans Herz. - Foto: Griese

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Wieviel Zeit hat man, sich in Sicherheit zu bringen, wenn es in der Wohnung brennt? Das war die Frage, die über dem Vortrag schwebte, den Gemeindebrandinspektor Michael Kling am Mittwoch bei der Evangelischen Frauenhilfe Wiblingwerde hielt.

Wie schnell sich ein anfangs harmloses Feuer zu einem wahren Inferno ausbreitet, demonstrierte der oberste Feuerwehrmann der Doppelgemeinde den Frauen in einem kleinen Film. „Ein Feuer breitet sich heute wesentlich rasanter aus als noch vor 30 oder 40 Jahren“, wusste Kling und nannte auch den Grund dafür: Die Wohnungen sind mittlerweile voll mit Kunststoffen, die dem Feuer reichlich Nahrung geben.

Doch die größte Gefahr geht gar nicht einmal von den Flammen aus. Viel gefährlicher sind die Rauchgase, und auch daran sind Kunststoffe und Kunstfasern schuld. Verbrennen sie, entstehen giftige Gase. „Und es braucht gar nicht einmal viel, um eine tödliche Dosis Rauch zu erzeugen“, betonte Michael Kling. Besonders tückisch ist Brandrauch, wenn das Feuer nachts ausbricht – wie in 35 Prozent aller Fälle und oftmals durch einen Kurzschluss oder überlastete Elektrogeräte ausgelöst. „Brandrauch betäubt im Schlaf, weil man nachts nichts riecht“, wusste Kling. „Das einzige Sinnesorgan, das auch nachts aktiv ist, ist das Ohr. Deshalb ist das einzige, was Sie bei einem nächtlichen Feuer retten, ein Rauchmelder“, erklärte der Gemeindebrandinspektor weiter. Das kleine Gerät schlägt akustisch Alarm, wenn es Rauch feststellt, und verschafft Bewohnern einer brennenden Wohnung den möglicherweise lebensrettenden Vorsprung. „Wenn ein Feuer ausgebrochen ist, hat man nämlich nur etwa vier Minuten Zeit, sich in Sicherheit zu bringen“, warnte Kling.

Ein einzelner Rauchmelder in einer Drei-Zimmer-Wohnung bringt jedoch nicht viel. Kling empfahl einen in jedem Schlafzimmer und einen im Flur als Mindestausstattung. Er versicherte, dass man dafür kein Vermögen ausgeben muss, warnte aber auch vor „Schrott“ für wenige Euro. Klings Empfehlung: „Achten Sie auf Prüfzeichen wie beispielsweise das neue Q!“ Ein guter Rauchmelder sei für 15 bis 25 Euro zu haben. Teurere Modelle könnten miteinander vernetzt werden, so dass dann alle Geräte Alarm schlagen, wenn eins Rauch entdeckt hat.

Noch sind Rauchmelder in NRW übrigens nur in Neubauten Pflicht. Erst ab dem 1. Januar 2017 müssen sie auch in bestehenden Wohnungen eingebaut sein. Beim Mietwohnungen ist der Eigentümer für die Installation verantwortlich, während der Mieter in der Regel die Wartung übernehmen muss. In Deutschland ist nach Klings Worten bisher nur etwa jede dritte Wohnung mit Rauchmeldern ausgestattet. Andere Länder sind da schon weiter. In Schweden beträgt die Quote 70 Prozent, in Großbritannien 75 Prozent und in den USA sogar 93 Prozent. In diesen Ländern sei die Zahl der Brandtoten um 40 bis 50 Prozent niedriger als in Deutschland – sicherlich kein Zufall. - Volker Griese

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