Umstrittenes Schließsystem für Sportstätten

(Symbolfoto)

Nachrodt-Wiblingwerde - Den Beschluss, die Sportanlagen der Gemeinde durch ein neues Schließsystem zu sichern, hat der Gemeinderat bereits in seiner Sitzung am 1. September gefasst. In der Öffentlichkeit regt sich allerdings erst jetzt Widerstand. Das zeigte sich in der Ratssitzung am Montag.

In einem ersten Schritt wird in diesen Tagen eine neue Schließanlage in die Tore des Wilhelm-Mestekämper-Stadions eingebaut; weitere Sportanlagen sollen nach und nach folgen. Das hat zur Folge, dass die Gemeinde ihre Benutzungsordnung für die Sportstätten ändern muss. Die elektronischen Chips, die für das neue Schließsystem anstellen von Schlüsseln verwendet werden, sind nämlich teurer als konventionelle Schlüssel. Folglich erhöht sich auch die Kaution, die die Benutzer dafür bei der Gemeinde hinterlegen sollen. Anstatt 50 Euro werden in Zukunft 65 Euro fällig. Wer bereits einen Schlüssel hat, steigt jedoch ohne Mehrkosten auf das Chipsystem um. Außerdem soll in die Benutzungsordnung die Gebühr für eine private Nutzung des Wilhelm-Mestekämper-Stadions aufgenommen werden. Damit sollen diejenigen Sportler zur Kasse gebeten werden können, die nicht vereinsgebunden im Stadion Sport treiben. Insbesondere die SPD sieht darin eine Möglichkeit, Sportvereine, die Benutzungsgebühren bezahlen müssen, den Individualsportlern gleichzustellen.

Damit das ganze System funktioniert, müssen die Benutzer selbst aber mitspielen. Trainer von Fußballmanschaften, die im Stadion trainieren, müssten beispielsweise dafür sorgen, dass die Zugänge während ihrer Übungseinheiten verschlossen sind. Nur dann könnte gewährleistet werden, dass sich nur autorisierte Einzelsportler mit Chip Zutritt verschaffen und die Gemeinde ihnen die Benutzungszeit in Rechnung stellen kann.

Diese Regelung stößt aber zumindest bei einigen Vereinssportlern auf Ablehnung. Marco Kroschke, Jugendtrainer in der Spvgg. Nachrodt, beispielsweise sieht sich als Erfüllungsgehilfe der Gemeinde: „Ich kann mich nicht um meine Jugendspieler kümmern und auch noch den Pförtner spielen“, kritisierte er das Vorhaben am Montagabend in der Sitzung des Rates.

Kritik gibt es auch schon an der Höhe der Gebühren für Einzelsportler, die die Verwaltung dem Rat vorgeschlagen hat. 3,50 Euro sollen die für eine Stunde im Stadion zahlen. In dieser Frage zeichnet sich aber eine einfache Lösung ab. Aus der SPD-Fraktion kam am Montag der Vorschlag, Individualsportler mit einer Jahresgebühr von etwa 20 Euro zu belegen. Eine Idee, mit der sich die CDU offenbar anfreunden könnte, während die UWG die neue Regelung nach wie vor ablehnt. Es müsse doch möglich sein, dass sich Einzelsportlern mit den Vereinen über eine Mitbenutzung des Stadions einigen, fand UWG-Fraktionssprecher Johannes Illerhaus. Das Stadion abzuschließen, hält er für den falschen Weg: „Wir werden es dann erleben, dass Zäune zerschnitten werden“, glaubt er, dass sich gewisse Kreise durch verschlossene Toren nicht von einer Nutzung der Anlage abhalten lassen.

Wie nun verfahren werden soll, hat der Rat noch offen gelassen. Eine Entscheidung soll im November fallen. - Volker Griese

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