Wohl ein wirtschaftlicher Totalschaden

Gemeinde sucht neue Orgel: Altes Instrument kaum zu retten

Die Orgel ist das Sorgenkind in der Wiblingwerder Johannis-Kirche. Presbyter Rainer Nowak und sein Team sehen sich bereits nach einem Nachfolger um.
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Die Orgel ist das Sorgenkind in der Wiblingwerder Johannis-Kirche. Presbyter Rainer Nowak und sein Team sehen sich bereits nach einem Nachfolger um.

Die Orgel in der Johannis-Kirche zu Wiblingwerde ist ein Sorgenkind, das die Gemeindeleitung beschäftigt. Presbyter Rainer Nowak und sein Team sehen sich nach einem Nachfolger für das rund 100 Jahre alte Instrument um. Dabei steht eine wichtige Entscheidung bislang noch aus.

Nachrodt-Wiblingwerde – Die Orgel in der romanischen Johannis-Kirche zu Wiblingwerde ist ein Sorgenkind. Presbyter Rainer Nowak hatte noch in der letzten Gemeindeversammlung vor der Corona-Pandemie gesagt: „Da muss erst einmal ein Orgelsachverständiger kommen und klären, ob die Orgel noch zu retten oder ein wirtschaftlicher Totalschaden ist.“ Das war am 15. Januar 2019.

Pandemiebedingt tritt die Gemeinde in dieser Angelegenheit weiter auf der Stelle. Denn: Eine Entscheidung, wie es mit dem angeschlagenen Instrument weiter gehen soll, hat es noch nicht gegeben. Zwar hat sich Nowak im Auftrag des Presbyteriums bereits umgesehen, wie ein Ersatz aussehen könnte, mehr ist aber noch nicht passiert. Vorstellbar ist, dass die Gemeinde ein günstiges Modell, vielleicht sogar auf dem Gebraucht-Markt, ersteht.

Sicher ist indes: Das neue Instrument soll künftig seinen Platz mittig auf der Empore bekommen. Doch vor diesem Schritt muss die Denkmalbehörde ihre Zustimmung geben, und auch ein Statiker müsste hinzugezogen werden, wenn klar ist, wie das Ersatz-Instrument aussehen soll.

Kantor Johannes Köstlin von der Evangelischen Kirchengemeinde ist einer, der das Instrument bestens kennt. Er ist auch pfarramtlich für die Königin der Instrumente in der evangelisch-reformierten Johanniskirche zuständig. Der Spieltisch des Instrumentes steht auf der Empore, die Pfeifen aber, die für den Klang sorgen, stehen in einem anderen Raum. „Ein Novum“, sagt Köstlin. Die Orgelbaufirma Faust baute das Instrument „vermutlich vor mehr als 100 Jahren“, sagt der Kantor. Es handelt sich dabei um eine pneumatische Orgel, in der durch Tasten- und Luftdruck die Töne erzeugt werden. Weil die Pfeifen unter dem Dach stehen, ist die Außenwirkung nicht sehr überzeugend. Köstlin hält das Instrument im Übrigen, trotz seiner mehr als 100 Jahre, für nicht besonders erhaltenswert.

Bespielbar ist die Orgel nur sehr schlecht. Ihre Töne klingen schief und es benötigt schon Können und Improvisation, diesem Instrument noch etwas Hörbares zu entlocken.

Das sieht auch Maria Hartel so. Die Organistin der katholischen Kirchen Altenas hält sich mit Kritik am Instrument zurück und verweist auf ihren Kollegen Köstlin. „Der steckt mehr im Stoff.“ Aber auch sie lässt durchblicken, dass selbst eine aufwendige Reparatur wohl keine gute Investition für die Orgel sei.

Johannes Köstlin, der federführend für die Evangelische Kirche in Altena vier Orgeln aus aufgegebenen Kirchen und Gemeindezentren europaweit verkauft hat, weiß natürlich, dass es nicht leicht ist, für diesen speziellen Kirchenraum eine Gebraucht-Orgel zu finden. Aber das sei auch eine Sache der Kosten, sinniert er.

Presbyter Nowak und sein Team haben aktuell noch keine Orgel im Auge, sind aber guter Hoffnung, in Zukunft ein passendes Instrument zu finden. Auch wenn es zurzeit die Pandemie nicht leichter macht. Dabei setzt der Wiblingwerder darauf, dass die Gemeinde sich an den Kosten der Wiederbeschaffung beteiligt. Ob dann kleine Orgelpfeifen als Spenden-Zeichen veräußert werden oder wie die Aktion im Einzelnen ablaufen soll, auch das werde zurzeit in den Gremien noch intensiv überlegt, sagt Nowak.

Die Johanniskirche in Wiblingwerde ist eines der ältesten Gotteshäuser im hiesigen Raum. Die kleine, zweijochige Hallenkirche führt ihre Ursprünge auf das 14. Jahrhundert zurück. Seit im Jahr 1968 ein Taufstein, der auf einem Hof im Ort als Tränke genutzt wurde, wieder auftauchte, gehen Historiker davon aus, dass die Kirche beziehungsweise ihre Vorläufer noch wesentlich älter sind.

Dort gehört eine Orgel hinein: Darüber besteht Einigkeit in der Gemeinde – und es dürfte nur eine Frage der Zeit – vielleicht auch der Geduld – sein, bis ein angemessenes Instrument wieder in dieser historischen Kapelle fehlerfrei erklingt.

Die Serie

Die Kirchenorgel wird als Königin der Instrumente bezeichnet. Sie ist das schwierigste, größte und vielseitigste aller Musikinstrumente. Gleichzeitig auch das tiefste, höchste, das lauteste und leiseste, weil sie den größten Tonumfang aller Instrumente hat. Die Orgel ist in der Kirche das zentrale Instrument kirchenmusikalischen Lebens. 2008 wurde die Initiative „Instrument des Jahres“ vom Deutschen Musikrat und seinen Landesmusikräten ins Leben gerufen und in diesem Jahr die Orgel als Instrument des Jahres ausgerufen. Allein in Deutschland gibt es nach Schätzungen dieses Verbandes mehr als 50 000 Orgeln. In Altena stehen fast zwei Dutzend Instrumente in den Kirchen und Kapellen. Die Unesco erkannte vor vier Jahren Orgelbau und Orgelmusik als immaterielles Kulturerbe an. Die Kirchen-Orgeln in Altenas und Nachrodt-Wiblingwerde stellt das AK in einer Serie vor. In Teil zwei geht es um das Instrument in der Johannis-Kirche zu Wiblingwerde.

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