Lebensrettende Informationen im Kühlschrank

So sieht sie aus, die Notfalldose. 400 bis 500 Stück möchte die Gemeinde für ihre Bürger anschaffen.

Nachrodt-Wiblingwerde - Rettung aus der Dose? Nicht direkt. Eher: Rettung mit der Dose. „Ich bin total begeistert von der Idee“, sagt Bürgermeisterin Birgit Tupat und möchte in Nachrodt-Wiblingwerde Notfalldosen an den Mann und die Frau bringen.

Das soll kostenlos geschen. Die SOS-Dosen kommen in den Kühlschrank und werden mit all dem gefüllt, was der Rettungsdienst im Fall der Fälle wissen muss. Die Idee stammt aus Irland und ist über Umwege nach Netphen gelangt. Und was die Kommune im Kreis Siegen-Wittgenstein kann, kann die kleinste Gemeinde des Märkischen Kreises schon lange. Zumindest kann sie es nachmachen.

„Wir haben das mit der Feuerwehr besprochen. Tatsächlich gibt es immer mehr Einsätze, um Menschen hinter verschlossenen Türen zu retten. Die Nachbarn haben sie lange nicht gesehen, der Pflegedienst steht vor der Tür. Dann kommt die Feuerwehr und schließlich auch oft der Rettungsdienst. Aber welche Medikamente nimmt der Patient? Hat er Allergien? Oftmals ist niemand da, der Auskunft geben kann“, beschreibt Bürgermeisterin Birgit Tupat eine alltägliche Situation.

Unscheinbar, aber lebenswichtig

Und dort kommt die weiße Notfall-Dose mit dem grünen Deckel ins Spiel. In ihr sind alle Informationen gesammelt, die Ersthelfer benötigen: Welche Vorerkrankungen hat der Patient? Welche Medikamente nimmt er und gibt es Unverträglichkeiten? Diese Informationen sind wichtig, damit schnell und gut geholfen werden kann. Die SOS-Dose wird im Kühlschrank aufbewahrt – sehr unscheinbar, aber lebenswichtig.

Immer mehr Menschen haben zu Hause einen Notfall- und Impfpass, Medikamentenplan und eine Patientenverfügung. Nur ist es für Retter meist unmöglich herauszufinden, wo diese Notfalldaten in der Wohnung aufbewahrt werden. Jetzt steht die Lösung im Kühlschrank.

Sind die Retter eingetroffen und sehen auf der Innenseite der Wohnungstür und dem Kühlschrank den Aufkleber „Notfalldose“, so kann dies unter Umständen auch Leben retten. „Es nützt ja nichts, wenn die Dose zwischen den Socken aufbewahrt wird“, schmunzelt die Bürgermeisterin und findet die Idee mit dem Kühlschrank sensationell. „Einen Kühlschrank hat jeder.“

Gemeinde möchte 400 bis 500 Dosen anschaffen

400 oder 500 Dosen möchte die Gemeinde anschaffen, die dann beim Bürgerservice abgeholt werden können. „Wir wollen auch Kontakt zu den Apotheken aufnehmen“, erzählt Birgit Tupat, die auch privat Geld spenden will, damit die Idee in der Doppelgemeinde realisiert werden kann. „Es wäre schon nett, wenn wir noch Mitstreiter finden könnten. Zwei Interessenten haben wir schon. Bei Abnahme von 500 Stück kosten die Dosen pro Stück 1,30 Euro“, so Tupat. Eine recht kleine Summe für eine große Idee.

Übrigens: Im Jahr 2014 gab es in Deutschland 16 Millionen Alleinlebende. Das entsprach gut einem Fünftel (20 Prozent) der Bevölkerung. Gegenüber April 1996 betrug der Anstieg vier Prozentpunkte: Zum damaligen Zeitpunkt gab es 12,7 Millionen Alleinlebende; das waren gut 16 Prozent der Bevölkerung. Doch nicht nur für Alleinlebende sind die Notfalldosen sinnvoll. Die Informationen in der Notfalldose sind auch eine große Hilfe für Angehörige, Freunde und Bekannte. Auch sie sind in einer Notfallsituation unter Stress und reagieren mitunter ganz unterschiedlich. Wer die Idee unterstützen möchte, meldet sich unter 02352/938317.

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