Klingestraße und kein Ende des Kummers

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"Wir haben wieder Absackungen", sagt Susanne Rößner-Höllerhage.

Nachrodt-Wiblingwerde - „Bist du ärgerlich, so zähle bis vier; bist du sehr ärgerlich, so fluche“ – soll Mark Twain einmal gesagt haben. Doch wie lange sollen die Anwohner der Klingestraße noch aus der Haut fahren? Seit Jahren das gleiche Problem: Immer wieder sackt die Straße ab. Und: Für eine Sanierung möchte sich niemand zuständig fühlen. Anwohnerin Susanne Rößner-Höllerhage hätte gern das Thema auf der Tagesordnung der Ratssitzung gesehen. Das ging – natürlich – vor Ort im Schlosshotel Holzrichter ohne Vorlauf nicht mehr. Dennoch gibt es Neuigkeiten.

 Christian Auer ist Eigentümer der Klingestraße, die er augenscheinlich lieber heute als morgen loswerden möchte. Am besten – so auch das Angebot – an die Gemeinde, die ihrerseits aber die Straße aufgrund des maroden Zustandes nicht haben möchte. „Ich habe mit Herrn Auer telefoniert. Er sagt klipp und klar, dass er mit der Sanierung der Klingestraße nichts zu tun hat. Seitens der Gemeinde seien für die Rohre keine Grunddienstbarkeit eingetragen worden, deshalb sei die Gemeinde für eine Sanierung in der Pflicht“, erklärte Susanne Rößner-Höllerhage den Ratsmitgliedern. Und ergänzte: „Wir haben wieder Absackungen und wir wissen nicht, was uns erwartet, wenn wir durch die Pfützen fahren.“

Der Zustand ist nicht neu. Die Diskussionen ebenfalls nicht. „Das ist sehr unbefriedigend, das weiß ich. Aber zum jetzigen Zeitpunkt sehen wir dort auch keine Zuständigkeit“, so Bürgermeisterin Birgit Tupat. Und ihrem Bauamtsleiter scheint fast der Kragen zu platzen: „Der Kanal hat die Schäden nicht verursacht. Der Kanal liegt auf der rechten Seite, die Schäden sind links, unmittelbar hinter der Stützmauer. Der Eigentümer zieht seinen Gewinn mit dem Strom aus dem Obergraben, aber die Unterhaltung darf nichts kosten“, schimpft Dirk Röding.

Zum Thema Grunddienstbarkeit gibt es Neuigkeiten: Die Gemeinde hat einen Antrag beim Märkischen Kreis gestellt, dass ein Zwangsrechtsverfahren nach Paragraf 93 des Wasserhaushaltsgesetzes eingeleitet wird. Das kann man als eine Art Nachsanktionierung verstehen. Es würde sich über das Recht des Grundstückseigentümers hinwegsetzen und bedeuten, dass die Gemeinde das Recht hätte, ihren Kanal in der Klingestraße liegen zu lassen, weil es dem Gemeinwohl diene – und Aufwand und Kosten (mehrere 100000 Euro) in keinem Verhältnis zu den Rechten des Grundstückseigentümers stehen würden. „Damit kämen wir auf die sichere Seite“, sagt Dirk Röding, der auch ohne Grunddienstbarkeit die Gemeinde in keiner Pflicht sieht, die Straße zu sanieren. „Das tut mir leid für die Anwohner.“

Der Bauamtsleiter rät den Anliegern, sich zusammen zu schließen und sich einen Rechtsbeistand zu nehmen. „Sie müssen auch selbst tätig werden. Man kann nicht immer nach der Gemeinde rufen. Es ist nicht unsere Straße.“ „Wir müssen diese Kuh mal vom Eis kriegen“ – diesen Satz hatte Gerd Schröder (SPD) in Planungs- und Bauausschuss gesagt – im November 2016. Erstmals berichtete das AK im Juni 2015 mit dem Titel „In der Klingestraße klafft ein tiefes Loch“ über die Straße. Bis heute scheint keine Lösung in Sicht.

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