Gelee und Aufgesetzter

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Wer in diesen Tagen rechts und links der B236 schaute, oder an der „Dümpler Lei“, der hatte gute Chancen Brigitte Menzel zu sehen: Unbeeindruckt von Dornen, Brennnesseln und Berufsverkehr sammelte die Nachrodterin fleißig Beeren.

In Einsal suchte sie das Unterholz nach Schlehen ab. Kaum eine Gelegenheit lässt sie dabei zum Sammeln aus: Denn diese Beeren seien begehrt - so pflückten die Griechen die Schlehen gerne, weil sie daraus Schlehenwein machen würden. Brigitte Menzel dagegen hat es nicht mit Wein, sie macht aus den Schlehen eben Gelee.

Und in die Brombeeren geht sie natürlich auch. Etliche Kilogramm sammle sie in jeder Saison. Auch Holunder holt sie sich. Diese Frucht mischt sie allerdings bei der Verarbeitung mit Quitten. Nur Himbeeren verschmäht sie. „Da sind mir zu viele Würmer drin“.

Klare Sache, dass Brigitte Menzel auch „Aufgesetzten“ macht. 28 Liter habe sie im vergangenen Jahr aus 12 Liter Brombeersaft hergestellt. Ihr Rezept: Eine Tasse Frucht, eine Tasse Zucker und klaren Korn, soviel man eben benötigt. Und der Aufgesetzte ist genauso begehrt wie ihr Gelee. Oft genug hört sie den Satz: „Hast Du nicht noch einen?“

Was die Gelee-Herstellung anbelangt, da kommt Brigitte Menzel nicht ohne Entsafter aus. Ohne das Gerät könne sie diese Mengen kaum verarbeiten. Und bei der Schlehen-Gelee-Herstellung kommt natürlich die „Flotte Lotte“ zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein so genanntes Passiergerät. Die Früchte werden dabei mechanisch mit Hilfe einer Kurbelvorrichtung durch ein Sieb gedrückt.

Menschen, die mit den kleinen Früchten aus Flur und Feld noch etwas anfangen können sind selten geworden. So geht offenbar manche Fertigkeit verloren. Brigitte Menzel hat das beobachtet: „Die heutige Jugend - die kennt das nicht mehr“. ▪ vdB

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