In Geldfragen ist guter Überblick Gold wert

+
Eva Kühn (r.) und ihr Kollege Thomas Werner (l.) von der Stiftung Deutschland im Plus berieten die Albert-Schweitzer-Hauptschüler in Sachen Finanzen und Schulden.

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Die Zahlen sind erschreckend: Jeder zehnte Haushalt und 23 Prozent der 18- bis 25-Jährigen in Deutschland sind überschuldet, haben also so hohe Schulden, dass sie ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Damit die Albert-Schweitzer-Hauptschüler aus Nachrodt-Wiblingwerde demnächst nicht auch in den Teufelkreis der Schulden geraten, erhielten sie in den vergangenen Tagen eine Art finanzielle Allgemeinbildung.

Eva Kühn und Thomas Werner von der Stiftung Deutschland im Plus klärten sie über den richtigen Umgang mit Geld und das mit Krediten verbundene Risiko auf.

„Die Jugendlichen verlieren einfach den Überblick über ihre Finanzen“, nannte Susanne Olthoff von der Märkischen Bank die Ursache für die Überschuldung. Das Geldinstitut hatte das Präventionsprogramm für die Hauptschüler aus der Doppelgemeinde initiiert, „weil wir es für wichtig halten, eine Überschuldung zu verhindern“, so Olthoff. Eine nicht ganz uneigennützige Maßnahme der Märkischen Bank, die natürlich an Kreditvergaben verdient – aber eben nur, wenn die Schuldner Zins und Tilgung auch leisten können.

Eva Kühn und Thomas Werner versuchten mit praktischen und leicht nachvollziehbaren Beispielen, den Jugendlichen des 9. und 10. Schuljahrs einen nachhaltigen Umgang mit Geld zu vermitteln und zu erklären, warum so viele Menschen in die Überschuldung rutschen. Immer wieder lautete dabei ihr Appell: „Gebt nicht mehr Geld aus, als Ihr zur Verfügung habt!“ Manchmal müsse man für eine Weile auf etwas verzichten und sparen, um sich dann einen Wunsch erfüllen zu können. Das bedeute zwar nicht, dass man in besonderen Situationen – etwa beim Autokauf – nicht auf einen Kredit zurückgreifen dürfe, aber man dürfe eben nicht vergessen, dass man dieses geliehene Geld zurückzahlen müsse. Deshalb müsse auch ein Kredit mit seinen finanziellen Folgen immer ins persönliche Budget passen.

Eva Kühn empfahl den Jugendlichen, ein paar Monate lang einmal Einnahmen und Ausgaben gegenüberzustellen, um ein Gefühl für das ihnen zur Verfügung zu stehende Geld und die finanziellen Verpflichtungen zu bekommen – und das eigene Konsumverhalten kritisch zu beleuchten. Das ist nämlich aus Expertensicht der Hauptauslöser für Überschuldung. Das weiß auch Susanne Olthoff: „Eine typische Schuldenfalle ist das Handy“. Doch das Mobiltelefon kann den Jugendlichen auch helfen, ihre Finanzsituation im Blick zu behalten. Die Stiftung Deutschland im Plus hat nämlich einen Budgetplaner für javafähige Handys entwickelt. Die Applikation gibt es kostenlos zum Download.

Doch auch die Eltern können etwas tun, um ihre Kinder zu einem selbstverantwortlichen Umgang mit Geld zu erziehen. Stichwort Taschengeld: „Eltern sollten ihren Kindern das Taschengeld für einen bestimmten Zeitraum in einem Betrag auszahlen – und dann auch nichts mehr nachschießen“, empfiehlt Eva Kühn. „Nur so behalten sie den Überblick, wie viel Geld die Kinder ausgeben.“ ▪ vg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare