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Geldautomat im MK eine Einladung für Täter?

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Blick auf einen zerstörten Geldautomaten einer Sparkassenfiliale. Kriminelle schlagen immer häufiger zu.
Blick auf einen zerstörten Geldautomaten einer Sparkassenfiliale. Kriminelle schlagen immer häufiger zu. © Matthias Bein/dpa

Könnte der Geldautomat der Sparkasse in Wiblingwerde eine Einladung für böse Buben sein? „Aus Sicherheitsgründen müssen wir überlegen, was wir in Nachrodt-Wiblingwerde machen, von wo aus die Täter schnell über die Autobahn weg können“, so Kai Hagen, Vorstandsvorsitzenden der Vereinigten Sparkasse im Märkischen Kreis.

Dies sagte Kai Hagen erst vor wenigen Tagen während der Sitzung des Sparkassen-Zweckverbandes. Sind die Tage des Automaten in Wiblingwerde also gezählt?

„Noch ist nichts entschieden. Es wird abgewogen, was am besten zu tun ist“, sagt Pressesprecher Tomislav Majic. Unwahrscheinlich ist, dass das Thema auf die lange Bank geschoben wird. Denn Sprengungen passieren fast am laufenden Band. Erst in der Nacht zum 25. Mai sprengten Unbekannte einen Geldautomaten im Vorraum einer Tankstelle in Münster-Roxel. Die Täter sind auf der Flucht. Durch die Explosion brach ein Feuer in dem Vorraum der Tankstelle aus. Fünf Tage zuvor ließen Gangster einen Geldautomaten im münsterländischen Ibbenbüren hochgehen. Doch man muss gar nicht weit über den Tellerrand schauen: In der Nacht vom 18. auf den 19. Januar gab es zwei Explosionen in Heedfeld. Unbekannte hatten die Filiale der Sparkasse Lüdenscheid im Höhengebiet gesprengt und damit einen Teil des gesamten Gebäudes, in dem sich auch eine Bäckerei und eine Zahnarztpraxis befinden, zerstört. Eine Fahndung blieb erfolglos. Die Sparkasse schloss daraufhin vorsorglich die SB-Stellen am Wehberg in Lüdenscheid und in Halver-Oberbrügge.

Geld gibt es nur von 6 bis 22 Uhr

Die Geldautomaten in Wiblingwerde und in Nachrodt sind von 6 bis 22 Uhr zugänglich. „Zwischenfälle gab es an diesen Stellen bislang zum Glück nicht“, sagt Tomislav Majic, allerdings lebt auch die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis nicht auf der Insel der Glückseligen. In der Nacht zum 1. September 2018 versuchten Unbekannte, den Geldautomaten an der Hagener Straße in Altena zu sprengen.

Die Sparkassen-Geschäftsstelle in Wiblingwerde wurde 2018 von einer Ein-Frau-Filiale in einen SB-Standort umgewandelt. Jetzt könnte es sein, dass auch der Geldautomat verschwindet.
Die Sparkassen-Geschäftsstelle in Wiblingwerde wurde 2018 von einer Ein-Frau-Filiale in einen SB-Standort umgewandelt. Jetzt könnte es sein, dass auch der Geldautomat verschwindet. © Susanne Fischer-Bolz

Majic erzählt von einem veränderten Tätervorgehen. Während die Bankräuber früher Gas in die Geldautomaten leiteten und zündeten, würde heute Plastiksprengstoff benutzt. „Die wissen in der Regel nicht genau, wie viel sie benötigen, und nehmen ein bisschen mehr. Und ruckzuck gibt es erhebliche Schäden an den Häusern, die einzustürzen drohen.“ Was wiederum für die Hausbewohner vor Ort gefährlich werden kann. In Dahle und in Nachrodt handelt es sich jeweils um ein Wohn- und Geschäftshaus. In Wiblingwerde ist seitlich ein Wohnhaus direkt angrenzend.

Der Standort Wiblingwerde „wackelt“

Bewohner haben zwar augenscheinlich noch nicht aus Angst um einen Abbau der Geldautomaten gebeten, aber die Sparkasse will das Problem nicht auf die leichte Schulter nehmen. „Natürlich wollen wir nicht jeden Geldautomaten abbauen. Die Bargeldversorgung wird aufrecht erhalten bleiben“, sagt Tomislav Majic. Doch Wiblingwerde „wackelt“.

Eine schöne Lösung gebe es beispielsweise am Breitenhagen, wo der Geldautomat in einem Qbus ist und weit und breit niemand gefährdet werden kann. Wie der Geldautomat in Wiblingwerde genutzt wird, sagt der Pressesprecher nicht. Natürlich gebe es Zahlen. „Aber aus Sicherheitsgründen werden wir diese nicht veröffentlichen. Die Nutzung ist allerdings in den letzten Jahren stark rückläufig, da unsere Kunden immer häufiger mit ihrer Karte bargeldlos bezahlen. Insbesondere die Corona-Pandemie hat diesen Zahlungswandel enorm gefördert“, so Tomislav Majic. Er persönlich findet, dass das Leben um ein Vielfaches erleichtert wird, wenn man bargeldlos bezahlt. Und selbst seine 74-jährige Mama habe dies zu schätzen gelernt.

Es gibt eine Gefahrenanalyse

Und sonst? „Es gibt eine Gefahrenanalyse und gezielte Handlungsempfehlungen des Landeskriminalamtes für die Geldinstitute“, erzählt Tomislav Majic. Und genau diese wird man nun für Wiblingwerde diskutieren.

Angst vor Gangstern

Hauseigentümer haben in Düsseldorf vergeblich den Abbau eines Geldautomaten eingeklagt – aus Angst vor Gangstern. Das Oberlandesgericht entschied zugunsten der Bank, die den Automaten mit einer Filiale im Erdgeschoss der Immobilie betreibt. Das Kläger-Ehepaar fürchtet erhebliche Gebäudeschäden, sollte dieser Automat von Gangstern in die Luft gesprengt werden. Das sei „eine abstrakte rechnerische Gefahr, aber keine konkrete“, so der Richter. Die Zahl der Sprengattacken auf Geldautomaten hat sich in NRW in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahresbeginn allerdings vervielfacht.

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