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Geldautomat im Dorf abgebaut

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Von: Susanne Fischer-Bolz

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Aus Angst vor einer Sprengung - wie hier in Affeln - hat die Volksbank den Geldautomaten abgebaut
Aus Angst vor einer Sprengung - wie hier in Affeln - hat die Volksbank den Geldautomaten abgebaut © Hochstein, Felicitas

Es fühlte sich wie eine Nacht- und Nebelaktion an, obwohl die Kunden offenbar informiert waren: Der Geldautomat der Volksbank Wiblingwerde ist verschwunden. Abgebaut.

Nachrodt-Wiblingwerde – Im Gespräch mit dem AK erklären der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Hohenlimburg, Klaus-Martin Kesper, und Markus Plum, Bereichsleiter Privatkunden, die Entscheidung, die viele nicht überraschen wird. Grund für den Abschied vom Geldautomaten sind die zahlreichen Sprengungen – in diesem Jahr bundesweit 450 –, die die Volksbank zum Handeln zwangen. Ein Höchststand. Die Bank reagiert also auf die Gefahr. „Wir haben eine Gefährdungsanalyse gemacht, wobei es insbesondere um Personen ging. Wir haben eine Zweigstelle in Holthausen, auch in einem Wohngebäude, ebenso wie in Wiblingwerde“, sagt Klaus-Martin Kesper. Beide Geldautomaten wurden abgebaut.

Bernd Kessner suchte das Gespräch mit den Kunden

Zuvor wurde der Wiblingwerder Zweigstellenleiter Bernd Kessner mit ins Boot geholt, der mit den Kunden das Gespräch suchte und, wie Klaus-Martin Kesper betont, auf Verständnis für die Entscheidung gestoßen sei. Parallel wurde ein Schreiben an die Kunden verschickt. Denn eines war für alle klar: „Wenn die Täter uns den Automaten aus der Wand holen, dann ist auch nicht mehr viel von der Wohnung übrig“, so Klaus-Martin Kesper. Früher hätten die Täter Gas eingeleitet. Heute würden die organisierten Banden Sprengstoff nehmen, was nicht nur enorme Schäden am Gebäude verursache, sondern eine große Gefahr für Menschen bedeute. Und im ländlichen Wiblingwerde könnten Täter in alle Himmelsrichtungen verschwinden.

„Wir haben den Ansprechpartner vor Ort“

Natürlich ziehe sich die Volksbank nicht aus Wiblingwerde zurück, verspricht Klaus-Martin Kesper und ergänzt: „Wir haben den Ansprechpartner vor Ort. Bei uns hat der Kunde einen Namen, wir lieben den persönlichen Service. Die Kunden können tagsüber an ihr Geld kommen. Nur nachts kommt man nicht mehr ans Geld.“ Allerdings hatte man ohnehin schon eine Zeitschaltuhr eingebaut, von 22 bis 5 Uhr war das Geldabheben nicht möglich. Zudem: Nach Geschäftsschluss waren es nur eine Handvoll Kunden, nämlich drei oder vier, die in Wiblingwerde Geld am Automaten abgehoben hatten. „Das war wirklich eine sehr geringe Nutzung. Trotzdem haben wir uns die Entscheidung nicht leicht gemacht und lange durchgehalten. Doch die Täter sind jetzt in Westfalen angekommen, haben in Arnsberg und Hagen gesprengt. Das ist schon eine Nummer, die dort abgezogen wird.“ Vielleicht gebe es irgendwann mal eine Entspannung, allerdings sei das nicht in Sicht.

40 Jahre will er schaffen

Zweigstellenleiter Bernd Kessner ist seit dem 1. Oktober 1985 in Wiblingwerde. 40 Jahre will er auf jeden Fall schaffen, wie er mal erzählte. „So lange er da ist, wird er die Filiale führen“, sagt Klaus-Martin Kesper. Drei Geldautomaten gibt es übrigens bei der Volksbank Hohenlimburg noch: in der Hauptstelle, in Elsey und neben der Lennearena bei Berlet.

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