Noch immer eine Funktion

Geheimnisvolle Türme im MK entdeckt

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Versteckter Bruchsteinturm: Er steht in der Nordhelle und erfüllt immer noch eine Funktion.

Nachrodt-Wiblingwerde – Ein Bunker? Eine alte Wehranlage? Reste einer Grenzstation? Bei der Abholzung hunderter Käferfichten sind am Finkingsen geheimnisvolle Bruchsteintürme entdeckt worden.

Der Borkenkäfer verändert das Gemeindebild. Nach der Abholzung hunderter kranker Fichten bekommen Autofahrer, Anwohner und Spaziergänger plötzlich eine ganz neue Sicht – und manch geheimnisvolles Gebäude kommt zum Vorschein. Ein Bunker? Eine alte Wehranlage? Reste einer Grenzstation? Der Bruchsteinturm fällt kaum auf, doch wer seinen Blick über die gerodete Fläche in Finkingsen schweifen lässt, entdeckt ihn.

Imposant schmiegt sich das alte Bauwerk an den Berg. Manch einem Wanderer ist es schon aufgefallen. Meterhoch und doch irgendwie unscheinbar. Die Türen sind mit meterdickem Beton verschlossen. Welche Geschichte steckt hinter diesem verlassenen Bauwerk? Ähnliche Gebäude gibt es auch an anderen Stellen in der Gemeinde – beispielsweise im Wald zwischen Rennerde und Steinbruch und in der Nordhelle.

Bürgermeisterin Birgit Tupat forschte auf Anfrage nach. Die Antwort: „Das sind Hochbehälter der Stadtwerke, aber mehr können wir dazu auch nicht sagen.“ Hochbehälter also, keine Bunker. Aber welche Funktion haben oder hatten sie? Auch bei den Stadtwerken zunächst ratlose Gesichter. Thomas Armoneit, Technischer Leiter der Stadtwerke, weiß dann die Lösung: „Mit den Hochbehältern wurde über Jahre die Trinkwasserversorgung in der Gemeinde gesichert.“

Wie alt die Behälter sind, kann allerdings auch er nicht sagen. „Als ich vor 26 Jahren hier anfing, waren die meisten schon außer Betrieb. Die Behälter wurden gebaut, als Nachrodt an die Wasserversorgung angeschlossen wurde. Sie sind also schon sehr alt.“ Mit den Hochbehältern sei eine gleichmäßige Versorgung und genug Druck in der Leitung geschaffen worden. In den Behältern wurde unter anderem Wasser gespeichert, um das Ungleichgewicht in der Abnahme zu regulieren.

„Tagsüber wird mehr Wasser benötigt als nachts. So wurde das Wasser in der Nacht gespeichert, um am Tag genug zu haben“, erklärt Thomas Armoneit. Durch die Schwerkraft wird zudem der Druck in den Leitungen reguliert. „Die Hochbehälter liegen immer oberhalb der Bebauung, die versorgt werden soll. Die Differenz zwischen Behältern und Häusern ergibt den Druck“, erklärt der technische Leiter.

Und hat ein anschauliches Beispiel: Liegt ein Behälter auf 200 Metern und die Häuser auf 100 Metern, ergibt das einen Druck von 10 bar. „Früher ging das nicht anders. Heute regulieren drehzahlgesteuerte Pumpen den Druck“, sagt er. Fast alle Hochbehälter in der Gemeinde seien mittlerweile außer Betrieb. „Heute würde man wohl sagen, sie sind Lost Places – zugemauert und gesichert. Lediglich am Hardtkopf ist noch einer in Betrieb“, berichtet der Experte.

Zudem gibt es noch einen Hochbehälter in der Nordhelle. Der diene der Löschwasserversorgung. „Wenn es in dem Bereich brennen würde, könnte die Feuerwehr dort Wasser bekommen. Es ist also nur noch ein reiner Wasserspeicher“, erklärt Thomas Armoneit. 25 bis 50 Kubikmeter Wasser können dort auf Vorrat gehalten werden.

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