Aal gefährdet: Fang als Frage der Moral

NACHRODT-WIBLINGWERDE - Derzeit ist es noch eine moralische Frage, ob man denn gezielt Aale fängt und mit nach Hause nimmt. Möglicherweise wird sich diese Frage bald gar nicht mehr stellen. Der Aal, ein faszinierendes Lebewesen, ist vom Aussterben bedroht. Und für Hans-Willi Bielemeier, den 1. Vorsitzenden des Angelsportvereins Nachrodt, ist klar: „Jede Kreatur, die bedroht ist, muss geschützt werden“.

Dass die Aale bedroht sind, hat sich nicht nur in Kreisen der Angler herumgesprochen (obwohl jüngst noch bei einem heimischen Verein gar ein Aalkönig gewählt wurde). Auch bei großen Handelsketten reagiert man inzwischen. Bei Edeka läuft in Kooperation mit dem World Wildlife Fund die Aktion „Rettet den Aal“. Die Verantwortlichen des Lebensmitteldiscounter verkaufen keine Aale oder Aalprodukte. Langfristiges Ziel ist es ab 2012 gar nur noch Fisch aus bestandserhaltenden und umweltschonenden Quellen zu verkaufen. Den deutschen Binnenfischern und Anglern droht ohnehin ein völliges Aalfangverbot. Die EU-Kommission hat zudem den deutschen Managementplan zur Rettung des Europäischen Aals als „unzureichend“ eingestuft.

Gleichwohl fehlt es an einer offiziellen Order, die Angelvereinsvorsitzender Bielemeier vermisst. Komme etwas Offizielles, werden man selbstverständlich sofort reagieren. Einstweilen sei es „eine Frage der Moral“, ob ein Angler einen Aal dem Wasser entnehme oder ihm die Wanderung in die Laichgründe der 5000 Kilometer langen Sargassosee ermögliche, betonte er.

Auch seitens der unteren Fischereibehörde verweist man auf Entscheidungen auf höheren Ebenen, zumal eine der Ursachen für die Gefährdung dieser Fischart bei der Meeresfischerei liege. Denn die jungen Glasaale würden in den Flussmündungen abgefangen. Viele Aale kehrten daher nicht mehr zurück. Oder aber viele Aale (Weibchen erreichen die Laichreife mit 12 bis 15 Jahren) würden es gar nicht erst bis ins Meer schaffen, weil sie gefangen, vom Kormoran gefressen, in einer der zahlreichen Kraftwerksturbinen zerhäckselt oder aber an einem Herpes-Virus sterben müssten.

Wie Manfred Seibel von der unteren Wasserbehörde des Märkischen Kreises erläutere, arbeite man zumindest daran, das Problem mit den Turbinen durch so genannte Aal-Ablassrohre zu beseitigen.

Im Übrigen: Zumindest auf Nachrodter Gebiet sind Aale eher Bei- oder Zufallsfänge erläuterte Vereinsvorsitzender Bielemeier. „Anguilla anguilla“ werde seines Wissens nicht gezielt befischt. In Nachrodt habe man es auf die Forelle abgesehen. -vdB

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