Mit Geduld und einem grünen Daumen

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Friedrich Petrasch (l.) und Hans Knaak bereiten eine von drei Pflanzstellen vor. ▪

NACHRODT-WIBLINGWERDE ▪ Wer Wacholder kultivieren will, der braucht Geduld und mehr als einen grünen Damen. Diese Erfahrung hat Friedrich Petrasch in den letzten Jahren gemacht. Als Mitglied des NABU (Naturschutzbund Deutschland) versucht er gemeinsam mit Hans Knaak, den Bestand auf der Wacholderheide am Lohagen zu vergrößern. Und das dauert. Von Thomas Keim

Auf natürliche Weise können sich die Pflanzen an diesem Standort nicht mehr vermehren. Ursache ist der dichte Grasbewuchs, der es verhindert, dass die Beeren auf Erdreich fallen und dort keimen können. Also beschloss Petrasch, der Natur auf die Sprünge zu helfen. Aber gut Rat schien teuer. Von beinahe jedem Experten, an den er sich wandte, bekam er einen anderen Ratschlag, wie man zu Setzlingen gelangt. Darunter waren auch solche Tipps, dass die Beere erst durch einen Vogelmagen gewandert sein müsse. „Ersatzweise soll es auch mit dem menschlichen Magen funktionieren“, wurde mir gesagt. Petrasch ging einen anderen Weg. Im Pflanztöpfchen ließ er die Beeren zwei Winter lang unter freiem Himmel überwintern. Und hatte Erfolg. Nachdem vor fünf Jahren ein erster Wacholder angegangen war, keimten diesmal gleich drei Pflänzchen. Am Lohagen selbst und bei Iserlohn-Lössel hatte Petrasch dazu um die 500 Wacholderbeeren gesammelt. So mühsam sich das Gewinnen von Setzlingen auch gestaltet – hat man erstmal eine Pflanze zum Anwachsen gebracht, ist ihr wahrscheinlich ein langes Leben beschert: „Wacholder kann Jahrhunderte alt werden“, berichtet Petrasch. Am Donnerstag haben er und Knaak die drei Pflänzchen in die Erde gebracht und zum Schutz gegen Wildfraß – und die eigenen Schafe  – mit einer Drahtmanschette umgeben. Vier Jahre wird die Pflanze diesen Schutz benötigen.

Seit 1938 hat die Wacholderheide auf dem Lohagen den Status eines Naturschutzgebietes. Das heute eingezäunte Gelände ist etwas kleiner als ein Fußballfeld. Hier gab es einmal noch viel mehr Heide, doch 1910 war der größte Teil der Sträucher abgebrannt. Im Jahr 1950 wurden dort noch 200 Wacholder gezählt, heute sind es rund 50 Pflanzen.

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